Vorsicht, Ifo-Rekord!

Der Ifo-Index, das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer, steigt in Rekordsphären. Das verheißt für die seit langer Zeit florierenden Aktienmärkte üblicherweise nichts Gutes. Oder diesmal etwa doch?


Wiederholt sich die Geschichte? In den vergangenen Jahrzehnten endeten langjährige Aufwärtsbewegungen an den Börsen häufig dann, wenn sich Frühindikatoren auf Allzeithochs befanden, gleichzeitig die Aktienmärkte hoch bewertet waren und die Anleger sehr optimistisch waren. Darauf weist zu Recht die Commerzbank hin.

Derzeit befinden wir uns in einer ähnlichen Situation: Am Freitag war der Ifo-Index mit der Umfrage unter über 5000 Unternehmen, wie sie die Konjunktur und deren Aussichten beurteilen, auf ein Allzeithoch gestiegen. Der Ifo-Index gilt als Deutschlands wichtigstes Konjunkturbarometer. Und: In den Jahren 2000 und auch 2007 folgte auf ein Ifo-Mehrjahreshoch ein Bärenmarkt, also eine Phase mit ausgedehnten Kursrückgängen. Doch wie sieht es diesmal aus?


Auf den ersten Blick sind die Aktienmärkte auch nach fast neun Jahren Hausse nicht hoch bewertet. Für den Dax errechnet sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) – der aktuelle Kurs dividiert durch den Gewinn je Aktie – von 14. Das entspricht dem ganz langfristigen Durchschnitt. Allerdings, für die drei Autowerte BMW, Daimler und VW sowie für die Deutsche Lufthansa errechnen sich einstellige KGV zwischen sechs und neun. Auch Finanztitel sind günstig. Insofern ist die Durchschnittsbewertung nach unten verzerrt.

Das zeigen andere wichtige Börsen-Indizes: Für den MDax beispielsweise, aber auch für die großen amerikanischen Indizes, errechnen sich KGV, die deutlich über dem langjährigen Schnitt liegen. Mehr noch: Im S & P 500, dem weltweit wichtigsten Börsenindex, hat das Kurs-Buchwert-Verhältnis mit 3,0 ein Zehn-Jahreshoch erreicht. Die Unternehmen sind damit dreimal so viel wert, wie sie in der Bilanz an Vermögensgegenständen ausweisen. In extrem preiswerten Phasen errechnen sich Kurs-Buchwert-Verhältnisse zwischen 0,8 und 1,5.

Schließlich deuten die extrem niedrigen Kursschwankungen und Volatilitäten, wie sie im VDax in Deutschland und VIX in den USA gemessen werden, auf eine sorglose und damit optimistische Stimmung der Anleger. Bis hierhin spricht also mehr für einen künftigen Bären- und weniger für einen fortbestehenden Bullenmarkt.


Allerdings steigen die Unternehmensgewinne in Europa rasant, und auch in den USA legen sie auf hohem Niveau weiter zu. In solch einer Phase entstehen für gewöhnlich keine Bärenmärkte. Schließlich bieten die extrem niedrigen Zinsen für Sparbuchanlagen und Anleihen nach wie vor keine wertschaffende Alternative. Deshalb endete bislang jede Abwärtsbewegung an den Börsen, ehe sie richtig begonnen hatte.

Fazit: Solange die Unternehmensgewinne auf breiter Front steigen, besteht wenig Gefahr für die Börsen. Doch sobald sie zu stagnieren beginnen oder gar fallen, werden die Börsen extrem anfällig für Rückschläge und sogar einen Bärenmarkt. Anleger können beruhigt sein, soweit ist es noch nicht. Doch wer heute in Aktien investiert ist, sollte 2018 nicht verschlafen, sondern sehr aufmerksam die Konzerne und die Entwicklung ihrer Umsätze, Gewinne und Renditen verfolgen.

KONTEXT

Meilensteine des Dax

1. Juli 1988

Der Dax wird aus der Taufe gehoben. Basis der Berechnung ist der 30. Dezember 1987 mit einem Wert von 1.000 Punkten.

18. November 1996

Bei der Privatisierung der Deutschen Telekom wird die T-Aktie als Volksaktie vermarktet. Das Interesse der Öffentlichkeit am Dax nimmt dramatisch zu.

7. März 2000

Der Dax erreicht ein Rekordhoch von 8136,16 Punkten. Händler begründen die Euphorie mit Fusionsfieber. Ein geplanter Zusammenschluss der Deutschen mit der Dresdner Bank scheitert aber. Die Dresdner Bank geht an die Allianz, die sie im Mai 2009 an die Commerzbank weiterreicht. Auf dem Höhepunkt der Börseneuphorie wird die Chip-Tochter von Siemens, Infineon, zu einem Emissionspreis von 35 Euro an den Anleger gebracht. Die Platzierung ist 33-fach überzeichnet. Danach beginnt beim Dax eine langjährige Abwärtsbewegung, die von den Anschlägen in New York und Washington am 11. September 2001 verschärft wird.

12. März 2003

Der Dax rutscht unter 2200 Punkte und notiert damit so tief wie zuletzt im November 1995. Im Laufe des Jahres dreht er. Mit der Erholung der Weltwirtschaft in den Folgejahren wächst auch das Vertrauen in die Gewinnentwicklung der Unternehmen wieder.

13. Juli 2007

Mit 8.152 Zählern setzt der Dax einen neuen Meilenstein. Trotz erster Bankenpleiten und Notoperationen der EZB am Geldmarkt hält sich der Dax zu Beginn des Krisenjahres 2008 über 8000 Zählern. Doch ab dann geht es bergab. 2009 beschleunigt der Absturz des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate die Talfahrt des Dax.

9. März 2009

Die Krise der Banken hat Tribut gefordert: Mit 3588 Punkten erreicht der Dax zeitweise den niedrigsten Stand seit Oktober 2003. Doch es gibt Hoffnung. Denn nur wenige Tage später wirft die Fed die Notenpresse an. Von nun an geht es bergauf. Am 25. Oktober schafft der Dax zum ersten Mal in seiner Geschichte den Sprung über die Marke von 9000 Punkten.

5. Juni 2014

Erstmals in seiner Historie ist der Dax fünfstellig. Um 14:33 Uhr knackt der deutsche Leitindex die magische Marke und steigt bis auf 10.014 Punkte.

22. Januar 2015

EZB-Präsident Mario Draghi beschließt ein Anleihekaufprogramm im Stile der Federal Reserve. Die Zentralbank wird bis September 2016 Staats- und Unternehmensanleihen im Wert von 60 Millionen Euro aufkaufen. Insgesamt sollen so 1,14 Billionen in die Märkte gespült werden. Der Dax springt nach nervösen Pendelbewegungen auf ein Rekordhoch von 10.454 Punkten. In den folgenden Tagen hält die Hausse an, am 13. Februar springt der Dax das erste Mal über in seiner Geschichte über die 11.000-Punkte-Marke. Damit sollte die Rekordjagd aber gerade erst beginnen.

16.März 2015

Bereits wenige Wochen nach der Eroberung der 11.000-Punkte steht ein weiterer Meilenstein der Dax-Geschichte auf der Börsen-Agenda. Der Leitindex klettert zum ersten Mal über 12.000 Punkte. Weder der Konflikt in der Ostukraine noch der sich immer weiter zuspitzende Schuldenstreit scheinen die Börsenteilnehmer groß zu stören. Sie kaufen Aktien und befeuern die Hausse.

14. Juni 2017

In Erwartung einer positiven Zinsentscheidung der US-Notenbank knackt der Dax das erste Mal im Laufe seiner Geschichte die 12.900 Punkte und erreicht schließlich sein Allzeithoch von 12.921 Punkten. Schon in den Monaten zuvor hatte der Dax im Anschluss an den Erfolg des europafreundlichen Politikers Emmanuel Macron bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich seinen Höchststand mehrfach verbessert.

20. Juni 2017

Einen Tag vor der Sommersonnenwende des Jahres 2017 treiben Dax-Anleger das deutsche Börsenbarometer erneut auf einen Rekord. Im Verlauf des Handelstages steigt der Dax auf 12.952 Punkte. Es sollte ein schwieriger Sommer folgen.

12. Oktober 2017

Nach mehreren Anläufen durchbricht der Dax erstmals die Schallmauer von 13.000 Punkten. Zwar reicht es an diesem Donnerstag nur für wenige Minuten auf dem Gipfel, aber die Aussicht ist herrlich - und die Anleger kehren zurück. Einige Tage später schloss der Leitindex mit dem Rückenwind von der Bilanzsaison auch erstmals über der Tausendermarke. Aktuelles Allzeithoch: 13.525 Zähler.