Vorsicht beim "Quick Quitting": Das solltet ihr beachten, wenn ihr nach kurzer Zeit kündigt

Eine schnelle Kündigung kann dabei helfen, einen besseren Job zu finden. - Copyright: Getty Images/ JGI/ Tom Grill
Eine schnelle Kündigung kann dabei helfen, einen besseren Job zu finden. - Copyright: Getty Images/ JGI/ Tom Grill

Edward hätte nie gedacht, dass er einen Job schon nach sieben Monaten kündigen würde. Aber kann man es ihm verübeln, wenn er ein besseres Jobangebot erhält – mit der Möglichkeit, im Home Office zu arbeiten, in einer höheren Position und einer Gehaltserhöhung in Höhe von 30.000 Dollar sowie einer Antrittsprämie?

"Es war die beste Entscheidung, die ich in meiner Karriere getroffen habe", sagt Edward, ein 31-jähriger Senior Account Executive bei einer PR-Agentur, im Gespräch mit Business Insider. Er möchte seinen vollen Namen nicht nennen.

Edward war kurzzeitig besorgt, dass sich seine kurze Beschäftigung nicht gut in seinem Lebenslauf machen würde. "Aber ich habe mit Personalvermittlern gesprochen, und sie sagten, dass sie das immer häufiger sehen würden", sagt er.

Arbeitnehmer verlassen ihre Jobs schneller

Zurzeit herrscht Arbeitskräftemangel. Zudem definieren viele Menschen ihre Ansprüche an die Arbeit neu und sind bereit, dafür ihre Arbeitgeber zu verlassen. Gleichzeitig zeigen Studien, dass Arbeitnehmer immer häufiger innerhalb eines Jahres kündigen, nachdem sie einen neuen Job angefangen haben.

In einem Artikel, den ein Redakteur im September bei Linkedin veröffentlicht hat, geht es um die Quote von Arbeitnehmern, die ein Unternehmen nach weniger als einem Jahr wieder verlassen. Bei den Mitgliedern des Karriere-Netzwerks stieg diese Quote seit August 2021 an und erreichte im März 2022 mit einem Anstieg von 9,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ihren Höhepunkt. Laut dem Artikel verlassen Arbeitnehmer ihre Jobs immer noch schneller als im vergangenen Jahr, aber das Wachstum hat sich seit März wieder verlangsamt.

Menschen wägen beim Job jetzt mehr ab

Robert Kelley, Professor an der Tepper School of Business der Carnegie Mellon Universität, führt die schnellen Jobwechsel auf einen drastischen Wandel der Arbeitseinstellung zurück. "Die Art und Weise, wie wir heute Jobs ausüben, ist zum großen Teil historisch bedingt, aber Covid hat das verändert", sagt er zu Business Insider.

"Jetzt wägen die Menschen so viel ab: Was will ich mit meinem Leben anfangen? Wie passt die Arbeit da hinein? Und was sind meine Optionen?"

Es ist nicht verwunderlich, dass viele Menschen diese Fragen immer häufiger beantworten, indem sie den Arbeitsplatz wechseln. Aber Kelley und andere Experten sagen, dass es wichtig sei, auch nach kurzer Beschäftigung mit Würde zu gehen – schließlich will man keine verbrannte Erde hinterlassen.

Kündigt rechtzeitig und zeigt Dankbarkeit

Der Ausdruck "Job-Hopper" ist inzwischen zwar kein Schimpfwort mehr, aber euer Ruf könnte trotzdem Schaden nehmen, wenn ihr nicht in gutem Einvernehmen geht.

Als jemand, der nur kurz einen Job innehatte, habt ihr in diesem in der Regel keine bemerkenswerte Erfolgsbilanz vorzuweisen – und wahrscheinlich habt ihr auch kein kollegiales Netzwerk aufgebaut. Eure rasche Kündigung könnte das Einzige sein, was die Menschen von euch in Erinnerung behalten. Deshalb sei es wichtig, dass ihr euch mit einem guten Eindruck verabschiedet, so Vinda Souza, eine Personal-Expertin.

"Es kommt nur darauf an, wie man damit umgeht", sagt sie. "Kommunikation, Professionalität und Dankbarkeit sind nicht aus der Mode gekommen."

Der Ton sollte bei der Kündigung höflich sein

Für den Anfang solltet ihr demnach ein Kündigungsschreiben verfassen und ein Gespräch mit eurem Chef führen. Der Ton sollte höflich und respektvoll sein. Ihr seid nicht verpflichtet, zu sagen, wohin ihr geht. Und das ist auch nicht nötig.

Außerhalb der Probezeit ist eine Kündigungsfrist von vier Wochen gesetzlich vorgeschrieben. Innerhalb der Probezeit gelten in der Regel kürzere Fristen. Der Fairness halber rät Kelley dazu, im besten Fall noch früher Bescheid zu geben.

Zudem sei es wichtig, dass ihr eure Projekte und Aufgaben so abschließt, dass ihr in einem guten Licht dasteht, so Sophie Theen, die Personal-Expertin, die das Buch "The Soul of Startups: The Untold Stories of How Founders Affect Culture" geschrieben hat.

Ihr solltet an das Arbeitszeugnis denken

"Denkt daran: Euer Ziel ist es, ein positives Arbeitszeugnis von eurem zukünftigen Ex-Arbeitgeber zu erhalten", so Theen in einer E-Mail an Business Insider. "Wenn jemand eine negative Referenz erhält, liegt das oft daran, dass er nicht sein Bestes gegeben hat, um eine gute Übergabe zu gewährleisten."

Verabschiedet euch am Ende von euren Kollegen, Teammitgliedern und am besten sogar von den Vorgesetzten eures Chefs. Bedankt euch für die Chance, die ihr bekommen habt, und teilt ihnen mit, was ihr aus dieser Erfahrung gelernt habt. Diesen Punkt solltet ihr beachten – vor allem, wenn ihr in derselben Branche bleibt. "Denkt daran, dass die Welt klein ist und dass die Leute miteinander reden", so Kelley. "Eines Tages möchtet ihr vielleicht zu diesem Unternehmen zurückkehren."

Dieser Artikel wurde von Alexandra Habdank aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.