Vorbild Amazon: Diese russische Bank will mit Lieferdienst und eigenem Streaming-Angebot zum Internet-Giganten werden

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Sber ist die größte Finanzinstitution in Russland. Die Bank verwaltet die Hälfte aller Ersparnisse der russischen Bürger und verzeichnet über 100 Millionen Kunden. Doch das Institut steht vor einer gewaltigen Umwandlung. Aus der Bank soll ein "digitales Ökosystem" werden, wie ihr Chef Herman Gref betont. Ein Ökosystem, das sich an den großen Konkurrenten wie Amazon und WeChat aus dem Ausland orientiert.

Schon jetzt können über die Internetseite der Bank ein Arzttermin gebucht und Medikamente sowie Lebensmittel bestellt werden. Der hauseigene Streaming-Dienst Okko erinnert mit seinem Serien- und Kinoprogramm bereits an Netflix und Disney Plus. Und das Tochterunternehmen SberAutoTech entwickelte ganz nach Tesla-Vorbild bereits ein fahrerloses Elektroauto, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet.

Sber will mit den alten Tugenden brechen und mehr als eine normale Bank werden. Auch die Filialen werden umgestaltet. In Zukunft sollen demnach Lounges ohne Schalter entstehen. Geldabheben soll dann ohne Karte und mit Gesichtserkennung möglich sein. Kunden können dann an den Standorten auch Pakete verschicken und annehmen, so der Plan.

Eine eigene KI soll die Kunden außerdem beim Online-Banking unterstützen. Und natürlich plant man bei Sber auch, einen Spracherkennungsassistenten á la "Alexa" von Amazon zu entwickeln. Die Liste könnte hier noch weitergeführt werden. Die Pläne von Sber sind ambitioniert, um es vorsichtig auszudrücken. Auch vor den großen Platzhirschen auf dem russischen Markt soll kein Halt gemacht werden. Das staatlich kontrollierte Kreditinstitut plant, bis 2023 mit Sbermegamarket zu den größten russischen Onlinehändlern zu gehören, berichtet die "F.A.Z.".

Zentralbank stellt sich quer

In den Zahlen spiegeln sich die Expansionspläne noch nicht wider. Aktuell macht das Geschäft außerhalb des Finanzwesens nur einen Anteil von einem Prozent am Betriebsergebnis aus. Bis 2030 soll dieser jedoch auf satte 30 Prozent steigen — mit Luft nach oben. Die Bank plant hierfür Investitionen von umgerechnet vier Milliarden Euro ein.

Berichte wie die der Ratingagentur Moody's heizen die Erwartungshaltung an das Projekt aus Russland an. Das Finanzdienstleistungsunternehmen lobte die "Flexibilität und Aggressivität" der Bank, heißt es in der "F.A.Z.". Allerdings verpasste die US-Ratingagentur dem Vorhaben auch einen Dämpfer. Die Digitalisierungsstrategie der Bank sei demnach nicht garantiert erfolgreich. Durch die hohen Investitionen geht die Bank demnach ein großes Risiko ein. Weitere Datensammlungen von Kunden könnten außerdem den Ruf schädigen, heißt es. Cyber-Attacken, die das System stören oder bei denen sensible Daten erbeutet werden, können ebenfalls nicht ausgeschlossen werden und das Projekt ins Stocken bringen.

Und dann wäre da noch das Problem mit der Regulierung. Vertreter des russischen Wirtschaftsministeriums und von der Antimonopolbehörde äußerten sich zuletzt kritisch zu den Plänen einer "Super-App". Die russische Zentralbank schlug indessen vor, dass Sber die gesammelten Kundendaten aus Wettbewerbsgründen auch mit kleineren Konkurrenten teilen sollte. Auch der Zentralbankvorsitzende Sergej Schwezow zeigte Unverständnis und kritisierte die hohen Investitionen der großen Bank in riskante Projekte.

kh

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