Eine vorbestimmte Liaison

Lukas von Hoyer
·Lesedauer: 5 Min.
Eine vorbestimmte Liaison
Eine vorbestimmte Liaison

Nur etwas mehr als 50 Kilometer Luftlinie trennen die Metropole München und die kleine Stadt Landsberg am Lech. 

In Letzterer hat Julian Nagelsmann am 23. Juli 1987 das Licht der Welt erblickt. Als einer von knapp 30.000 Einwohnern wuchs er in der oberbayerischen Stadt auf. "Dort gibt es viele schöne Eisdielen direkt am Lech", schwärmte Nagelsmann erst kürzlich bei einer Pressekonferenz und rührte danach die Werbetrommel für seinen Heimatort. 

Er selbst träumte sich in seiner Jugend allerdings oftmals die rund 50 Kilometer nach München - genauer gesagt in den Olympiapark, wo der FC Bayern damals seine Heimspiele austrug. Praktisch jeder kleine Fußballfan aus der Region rund um München will irgendwann mal beim deutschen Rekordmeister spielen. Und bei Nagelsmann - der in Bayern-Bettwäsche schlief - war das nicht anders. 

Mit 33 Jahren scheint sich sein Kindheitstraum nun zu erfüllen, wenngleich er nicht als Spieler an die Säbener Straße wechseln wird, sondern als Trainer. 

Mit den Bayern ist sich Nagelsmann nach SPORT1-Informationen grundsätzlich schon einig, nun muss noch RB Leipzig seinen Segen geben - und der FCB wohl noch etwas über 20 Millionen Euro nach Sachsen überweisen. Dann ist es zu der Liaison gekommen, die für Nagelsmann wohl vorbestimmt war. 

Vom Lotoma-Trikot zum ambitionierten Fußballer

Als Kind sah sich Nagelsmann viele Spiele des FC Bayern im Fernsehen an. Einer seiner Lieblingsspieler: Lothar Matthäus. Mit ihm verbindet Nagelsmann eine lustige Anekdote. 

"Als Kind habe ich immer gedacht, dass er Lotoma mit Vornamen heißt - und Thäus mit Nachnamen", verriet Nagelsmann kürzlich bei einer PK: "Ich habe dann einmal im Fanshop angerufen und wollte ein Trikot von Lotoma. Da haben sie gesagt, den gibt es nicht, mein Bruder hat mich dann zum Glück aufgeklärt." 

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Auch selbst trat der kleine Bayern-Fan ganz gut gegen den Ball. Als aufstrebender Fußballer wechselte er in die Jugendabteilung des FC Augsburg. Augsburg ist noch ein paar Kilometer näher als München. Mit 15 ging es dann endlich in die bayerische Landeshauptstadt - allerdings zu 1860. Er spielte für die zweite Mannschaft der Löwen und schloss sich im Sommer 2007 der zweiten Mannschaft des FCA an, trainiert von Thomas Tuchel. 

Verletzungen zwangen Nagelsmann zum frühen Karriereende, der junge Mann hatte aber ohnehin schon gemerkt, dass er Fußball besser erklären als selbst spielen konnte. 

Nagelsmann landet fast bei den Bayern

In Augsburg fing Nagelsmann als Scout an. Es folgte eine Anstellung als Co-Trainer der U17 von 1860 München und im Sommer 2010 ging er schließlich als Co-Trainer der U17 zur TSG Hoffenheim. 

Bei 1899 arbeitete er sich schließlich bis zum Cheftrainer der Profis hoch - kurz vor seiner Beförderung zum Cheftrainer im Jahr 2016 wäre Nagelsmann aber dann doch beinahe schon bei den Bayern gelandet. 

"Er sollte bei Bayern München U19-Trainer werden. Die Gespräche waren super, Uli Hoeneß war komplett begeistert und wollte das dann auch auf jeden Fall umsetzen", verriet Bayerns damaliger technischer Direktor Michael Reschke im SPORT1 Podcast Meine Bayern-Woche.

Das Problem war, dass Dietmar Hopp den aufstrebenden Coach auf keinen Fall gehen lassen wollte - und das respektierte Hoeneß. 

Nagelsmann bewährt sich - und ist bereit

Als Hoffenheim-Trainer bewährte sich Nagelsmann und machte sich einen Namen in Fußball-Deutschland. Schon bald waren Fans und Experten gleichermaßen von dem großen Talent des jüngsten Bundesliga-Trainers begeistert. 

Der Wechsel zu RB Leipzig im Sommer 2019 stellte einen fast logischen Schritt dar. In kurzer Zeit formte er RB zu einem legitimen Bayern-Jäger, dem so mancher sogar die Meisterschaft zutraute. 

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In dieser Saison wurde dann aber deutlich: An den Bayern ist für Leipzig dann doch kein Vorbeikommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich das ändert, ist nicht sonderlich groß. 

Daher gibt es für Nagelsmann nur noch eine logische Folge in Deutschland. Der 33-Jährige hat Champions-League-Erfahrung gesammelt und sich menschlich und taktisch weiterentwickelt. Er ist nun bereit und der Kreis scheint sich zu schließen. 

Ein großartiger Marketing-Botschafter für den FC Bayern

Durch das Beben rund um Hansi Flick scheint es nun früher zur Liaison zwischen Nagelsmann und den Bayern zu kommen, als es zuletzt abzusehen war. 

Trotzdem erscheint es, als war der Schritt an die Säbener Straße für Nagelsmann vorbestimmt und nur eine Frage der Zeit. In München wäre er zwar ein neuer Coach, allerdings nicht wirklich ein Fremder. Er kommt aus der Region, war Bayern- und Matthäus-Fan und ist in den letzten Jahren immer wieder mit seinem Herzensklub in Berührung gekommen. 

2016 hätte die Liaison bereits beginnen könnten, damals Stand aber Hopp und Hoffenheim im Weg. Später wurde Nagelsmann mit roter Jacke in der Allianz Arena gesichtet, was für Spekulationen über ein Engagement bei den Bayern gesorgt hatte. 

2017 sagte der damalige TSG-Coach, der FC Bayern spiele "in meinen Träumen schon eine etwas größere Rolle". Er sei "sehr, sehr glücklich in meinem Leben. Der FC Bayern würde mich noch ein Stück glücklicher machen."

In den vergangenen Monaten ist die Verbindung zwischen Nagelsmann und Bayern irgendwie auch nie richtig abgekühlt - auch weil er sich mit Leipzig zum Bayern-Jäger aufgeschwungen hatte. Nachdem Flick seine Bitte auf Vertragsauflösung öffentlich machte, war der Weg frei, die beiden Suchenden durften sich endlich finden. 

Beim FC Bayern könnte Nagelsmann eine Ära prägen. Er ist noch unheimlich jung und kann sich zusammen mit der Mannschaft und dem Klub noch weiterentwickeln. Beim FCB eignet er sich durch seine Geschichte als idealer Marketing-Botschafter.

Außerdem gibt er den Bayern ein junges und modernes Gesicht. Gerade diese Werte hat man zuletzt nicht unbedingt mit dem Klub verbunden.