Vorbereitungen für offiziellen Abschied von Helmut Kohl

In Deutschland und Europa sind die Vorbereitungen für den offiziellen Abschied vom verstorbenen Altkanzler Helmut Kohl (CDU) angelaufen. Am 1. Juli soll es einen europäischen Trauerakt in Straßburg und später eine Abschiedszeremonie in Speyer geben

In Deutschland und Europa sind die Vorbereitungen für den offiziellen Abschied vom verstorbenen Altkanzler Helmut Kohl (CDU) angelaufen. Am 1. Juli soll es für Kohl einen europäischen Trauerakt in Straßburg und später eine Abschiedszeremonie in Speyer geben, wo der langjährige Kanzler auch beigesetzt wird. In seinem Heimatland Rheinland-Pfalz erinnerte am Mittwoch der Landtag in einer parlamentarischen Gedenkstunde an Kohl.

Bei dem Trauerakt im Europaparlament in Straßburg sollen nach Angaben des Bundesinnenministeriums unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), der französische Präsident Emmanuel Macron, EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und der frühere US-Präsident Bill Clinton sprechen. Danach soll der Leichnam demnach mit einem Hubschrauber der Bundespolizei zunächst an Kohls Heimatort Ludwigshafen geflogen werden, von wo aus er weiter nach Speyer überführt wird.

Im Dom von Speyer ist zunächst ein Requiem geplant und danach vor der Kirche ein militärisches Abschiedszeremoniell. Im Anschluss daran wird Kohl auf dem Friedhof des Domkapitels neben der Friedenskirche Sankt Bernhard beigesetzt. Dies geschieht nach Angaben des Bistums Speyer auf eigenen Wunsch des früheren Kanzlers. Der langjährige Kanzler war am Freitag im Alter von 87 Jahren in seinem Haus in Ludwigshafen gestorben.

Mit Kohl wird erstmals ein Politiker mit einem europäischen Trauerakt geehrt. Auf Wunsch der Witwe des Verstorbenen, Maike Kohl-Richter, wird es aber keinen zusätzlichen nationalen Staatsakt geben. Bundeskanzlerin Merkel soll dafür um Verständnis geworben haben. Die Angehörigen hätten das Recht, über die Form des Gedenkens zu entscheiden, sagte Merkel Teilnehmerkreisen zufolge bei einer Sitzung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Bei der parlamentarischen Gedenkstunde im Landtag von Rheinland-Pfalz würdigten nach einer Schweigeminute Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und die CDU-Landesvorsitzende Julia Klöckner die Verdienste Kohls um Deutschland und Europa, aber auch um sein Heimatland Rheinland-Pfalz. Kohl war von 1969 bis 1976 Ministerpräsident in Mainz und blieb seiner Heimat bis zu seinem Tod eng verbunden.

"Bei allem und vielleicht zuerst war Helmut Kohl ein leidenschaftlicher Europäer", sagte Ministerpräsidentin Dreyer. Er habe die klare Vision eines freien und vereinten Europas der Staaten vor Augen gehabt. Dreyer würdigte zudem Kohls Beitrag zur deutschen Vereinigung. Er habe das Misstrauen der europäischen Nachbarn, der US- und der russischen Regierung überwunden.

CDU-Landes- und -fraktionschefin Klöckner nannte Kohl einen "großen Staatsmann" und "Jahrhundertpolitiker". Als er am Freitag gestorben sei, habe das Land für einen Moment still gestanden, weil ein "ganz Großer" gegangen sei. "Die Welt wäre eine andere, wäre er nicht gewesen", sagte Klöckner.

Am Donnerstag will Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) zu Beginn der Parlamentssitzung an den verstorbenen Kanzler erinnern. Auch die EU-Staats- und Regierungschefs wollen bei ihrem Gipfeltreffen ab Donnerstag Kohl würdigen. "Der Europäische Rat zollt dem europäischen Ehrenbürger Helmut Kohl Anerkennung, der am 16. Juni 2017 verstorben ist", heißt es im Entwurf der Schlussfolgerungen für das Treffen.