Vor der perfekten Kulisse: Barock-Festival in Malta

Die Spuren des Barock findet man überall auf Malta: Die Hauptstadt Valetta wurde Mitte des 16. Jahrhunderts gegründet und gibt eine perfekte Kulisse für Maltas Internationales Barock-Festvial ab. Ein paar Eindrücke vom diesjährigen Festival.

Der iranische Cembalist Mahan Esfahani spielte zusammen mit dem La Folia Barockorchester aus Dresden im Manoel-Theater der Stadt – 1731 erbaut und eines der ältesten weiterhin bespielten Theater Europas.

Ein weiteres Glanzlicht dieser sechsten Ausgabe des Festivals: Der belgische Akkordeonspieler Philippe Thuriot mit Johann Sebastian Bachs Goldberg-Variationen – ursprünglich für Cembalo komponiert.

In der Sankt-Pauls-Kathedrale in Maltas früherer Hauptstadt Mdina führte das italienische Ensemble Ghislieri Choir & Consort Musik der Komponisten der Neapolitanischen Schule auf. Ghislieri-Gründer und Dirigent Giulio Prandi schwärmt: “Die Schönheit dieser Musik wurde in allen Epochen sehr geschätzt. Sie hat eine direkte, bündige und effiziente Sprache, es geht um Themen wie das Leben, den Tod, die Hoffnung – Themen, die die Menschen im 18. Jahrhundert bewegten, aber heute auch.”

Baroque #music in the ultimate #baroque setting tonight. Ghislierimusica in St John's Co-Cathedral, Malta. #Valletta Baroque Festival. Martin_Randall VisitMalta VisitMaltaUK TravWriters pic.twitter.com/Bq19YFsa3W— Juliet Rix (julietrix1) 15 janvier 2018

Die maltesische Sopranistin Claire Debono und das Ensemble Les Ambassadeurs präsentierten Werke des französischen Komponisten und Cembalovirtuosen Jean-Philippe Rameau. Eigentlich keine Barockmusik, wendet Alexis Kossenko ein, der Musikdirektor des Ensembles:

“Das ist Musik, die völlig aus ihrer Zeit herausfällt. Man kann nicht einmal von Barockmusik sprechen, es ist eine Musik, die die ästhetischen Strömungen späterer Jahrhunderte vorwegnimmt. Sie ist realistisch, expressionistisch, impressionisisch – Rameaus Musik handelt vom Leben – er ist letztlich ein Maler der Musik.”

Claire Debono, heute in Paris ansässig, ist in allen Genres zu Hause, doch Barockmusik liegt ihr besonders: “Der Spaß, Barockmusik zu singen, ist, dass man mehr improvisieren kann. Das ist wie Jazz. Das Traurige an moderner Musik ist, dass die Komponisten so streng sind: Man ist wie eine Marionette in ihren Händen, alles ist niedergeschrieben. Aber bei der Barockmusik geben sie einem nur ein Tempo vor – und dann kann man sich damit amüsieren.”

Mehr als zwei Dutzend Konzerte an gut einem Dutzend Spielstätten standen auf dem Festival-Programm. Seit seiner Gründung vor sechs Jahren ist das Internationale Barock-Festival zu einem der kulturellen Höhepunkte Maltas geworden. Kenneth Zammit Tabona, der künstlerische Leiter des Festivals frohlockt: “Das ist bislang sehr gut gelaufen, es ist sehr ermutigend. Wir hatten praktisch jeden Tag volle Häuser. Die Gruppen werden jedes Jahr größer, und sie kommen aus ganz Europa. Einige Besucher reisen aus Japan an, aus Amerika – und die maltesischen Konzertliebhaber strömen natürlich schwarenweise an.”

Kamera: Jonathan Mercieca, Frank Zammit, Matthew Muscat Drago

Drohnenaufnahmen und Schnitt: Jonathan Mercieca