Von Bussis und Bruderküssen

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Von Bussis und Bruderküssen

«Bruderkuss» an der East Side Gallery in Berlin: Das Bild zeigt den ehemaligen UdSSR- Staatschef Leonid Breschnew (l) und Erich Honecker, Ex-DDR-Staatschef. Foto: Paul Zinken

Kuss ist nicht gleich Kuss. Er hat die unterschiedlichsten Motive. Es wird zur Begrüßung, zum Abschied, aus Liebe, Leidenschaft oder überschwänglicher Freude geküsst.

Bruderkuss: Berühmt ist der Kuss auf den Mund zwischen Leonid Breschnew und Erich Honecker. Die Staats- und Parteichefs von Sowjetunion und DDR demonstrierten 1979 so bei den Feierlichkeiten zum 30. Geburtstag der DDR die Verbundenheit des sozialistischen Lagers. 1989, als Michail Gorbatschow und Honecker zum 40. Jahrestag dieses traditionelle Ritual zelebrierten, stellte es sich eher als Todeskuss heraus. Denn kurz darauf brach die DDR zusammen. Breschnew und Honecker landeten als Kunstwerk und Touristenattraktion auf dem bekanntesten Mauerrest Berlins, der «East Side Gallery».

Merkel-Kuss: Nicht ganz so innig wie die sozialistischen Brüder haben sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und einige ihrer Kolleginnen und Kollegen schon so manches Mal begrüßt - mit Wangenküsschen, Bussis. Ob es ihr wohl immer recht war? Beim ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama schien es ihr jedenfalls zu gefallen.

Hochzeitskuss: William und Kate - das war im April 2011 eine Märchenhochzeit im britischen Königshaus. Vor einem Millionenpublikum küsste sich das frischvermählte Paar auf dem Balkon des Buckingham Palastes in London. Auch Williams Eltern Charles und Diana zelebrierten hier 1981 für die Öffentlichkeit ihren Hochzeitskuss. Ihr Glück ging aber bald in die Brüche.

Siegerkuss: Überwältigt vom großen Erfolg küssen Sportler gerne mal. Zum Beispiel Boris Becker, der jüngste und erste deutsche Wimbledonsieger. Als der Tennisspieler 1986 mit erst 18 Jahren zum zweiten Mal hintereinander das bedeutendste Turnier der Welt gewonnen hatte, streckte er den Siegerpokal minutenlang in die Höhe und drückte die Trophäe an seine Lippen. Oder Usain Bolt: Der Jamaikaner sprintete bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking in unglaublichen 9,69 Sekunden zu Gold über 100 Meter. Er feierte seinen Triumph mit einem Schmatz auf seinen Schuh.

Papst-Kuss: Der im April 2005 gestorbene Papst Johannes Paul II. war wegen seiner vielen Reisen auch als «eiliger Vater» bekannt. Wenn er ein Land zum ersten Mal besuchte, küsste er bei seiner Ankunft auf dem Flughafen meist den Boden.

Judas-Kuss: Der aus der Bibel bekannte Kuss gilt als Symbol für Verrat. Der Jünger Judas Ischariot gab Jesus einen Kuss und soll ihn mit diesem vorher verabredeten Erkennungszeichen an die römischen Soldaten verraten haben.