Volvo XC40: Klare Kante mit Charakter

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Volvo XC40: Klare Kante mit Charakter

Cool, kantig und mit Charakter. Im Frühjahr 2018 schickt Volvo den XC40 auf die Straße. Es ist das erste Kompakt-SUV der schwedischen Marke.

Der kleiner Bruder von XC60 und XC90 will er nicht sein, eher der Cousin. Beim Volvo XC40, ab Anfang März 2018 auf dem Markt, wich Designchef Thomas Ingenlath daher vom puristischen und glatten Kurs etwas ab, ohne dabei aber die Familienzugehörigkeit zu leugnen. Der XC40 zeigt Kante. Am auffälligsten ist dabei der Knick hoch zur C-Säule. Das mag manche verschrecken, andere dagegen anziehen. Fakt ist, er fällt auf - und hebt sich damit deutlich von seinen Premium-Konkurrenten BMW X1, Audi Q3 und Mercedes GLA ab, ähnlich wie es der Range Rover Evoque seit Jahren vormacht. Natürlich sehen die Marketing-Strategen von Volvo den XC40 als Lifestyle-Fortbewegungsmittel "hipper Städter mit aktivem Lebenswandel" (was auch immer das heißen mag), aber man kann den kleinen Schweden auch ganz normal sehen, einfach als kompaktes SUV, praktisch und vielseitig.

Dass Volvo für den XC40 hauptsächlich junge Kunden im Visier hat, zeigt nicht nur die Option der Kontrast-Dachfarben, sondern auch die Auswahl an Innenfarben und Materialien. Angeblich haben sich die Designer von Stadtarchitektur, Street-Fashion und Popkultur inspirieren lassen. Doch egal wie, das Interieur wirkt schick wie eine Lounge, die Oberflächen sind hochwertig, die Verarbeitung hinterließ, zumindest in den Testwagen, einen guten Eindruck. Bei der Gestaltung hieß es "Willkommen zu Hause". Auch der XC40 hat den senkrecht stehenden Bildschirm. Sogar serienmäßig, und sogar mit Handschuhen bedienbar. Die Anzeigen hinterm Lenkrad sind digital. Wie beim VW Tiguan lassen sich beispielsweise Tacho und Drehzahlmesser zu Gunsten einer größeren Navigationskarte verkleinern.

Die Vorteile der neuen Modular-Architektur

Angekündigt war sie lange, die kompakte Modular-Architektur, kurz CMA genannt. Der XC40 startet damit. Dann folgen der S40 und V40, die für circa 2020 auf dem Programm stehen. Auch die chinesische Mutter Geely leitet diverse Modelle von der CMA ab. Eine neue Plattform bedeutet natürlich auch Fortschritte in Bereichen wie Fahrwerk, Leichtbau, Gewicht und Steifigkeit. All das ist zu merken. Der XC40 fährt sich klasse, er lenkt präzise, rollt sehr ruhig ab, federt anständig und fühlt sich fest und solide an. Zudem sitzt man prima. Kurven durchzieht der Schwede spurtreu, erhielt hierzu extra eine sogenannte Corner Traction Control, deren Aufgabe es ist, die Untersteuertendenz herauszunehmen.

Geschmeidig ins Spiel bringt sich dabei der 190 PS starke Diesel D4 (ab 44.800 Euro), den wir für die erste Testfahrt zur Verfügung hatten. Selbst beim Anfahren und Beschleunigen aus niedrigen Geschwindigkeiten - also den typischen Situationen in der Stadt - bleibt er zurückhaltend ruhig. Warmgefahren und auf Strecke ist nahezu nichts mehr von ihm zu hören. Ohne Kritik ist ebenso seine Leistungsentfaltung. Ein Tritt aufs Pedal, und die Fuhre geht mit Nachdruck los. Was nicht wundert bei 400 Newtonmeter Drehmoment. Sie liegen bereits ab 1.750 Umdrehungen an. Als Verbrauch nennt Volvo 5,0 Liter. Unser Bordcomputer tendierte eher in Richtung sieben. Nachschieben will Volvo nächstes Jahr die schwächere Dieselvariante D3. Sie hat rund 150 PS.

Weil die Kunden heiß auf den coolen Schweden und entsprechend zahlungswillig sind, bietet man leider auch bei den Benzinern zunächst nur das Topmodell T5 mit 247 PS zum Preis von 46.100 Euro an. Da muss man erst mal schlucken. Denn mit ein paar netten Extras lässt sich der XC40 ziemlich zügig Richtung 60.000-Euro-Marke treiben, einem Revier, in dem sich die Premium-Mitteklasse tummelt. Volvo geht hier ziemlich ambitioniert vor, bleibt aber dennoch ausstattungsbereinigt jeweils einige tausend Euro unter den Wettbewerbern.

Der XC40 wird 2019 Volvos erstes Elektroauto

Wer sich darauf nicht einlassen will, muss bis zum Sommer warten. Dann soll die Basisversion T3 mit Frontantrieb und manueller Sechsgangschaltung (T5 und D4 haben stets 8-Gang-Automatik und Allradantrieb) folgen. Der T3 kostet 31.350 Euro und ist das erste Modell in der Geschichte von Volvo, unter dessen Haube ein Dreizylinder steckt. Der 1,5-Liter-Turbobenziner leistet 156 PS und ist ab Anfang März bestellbar. Der XC40 wird auch Volvos erstes Elektroauto. 2019 soll es losgehen. Parallel ist ein Hybrid geplant. Diskutiert wird in Göteborg derzeit, ob es ein Mildhybrid mit 48-Volt-Riemengenerator oder ein Plug-in-Hybrid wird.

Viel Arbeit haben Volvos Ingenieure ins Package gesteckt. Im XC40 wimmelt es von Ablagen und Staufächern. Auch was Rücksitze und Kofferraum angehen, ließen sich die Schweden nicht lumpen. Die Lehnen sind 60:40 geteilt und lassen sich vom Laderaum per Knopfdruck umlegen. Optional ist dies sogar elektrisch möglich. Der Kofferraum wächst so von 460 auf bis 1.336 Liter. Freuen dürfte den Kunden, dass sich die Entwickler schon beim ersten Zeichenstrich für die Radaufhängung Gedanken gemacht haben, dass der Laderaum eben und rechteckig geschnitten sein muss und keine Radhäuser hineinragen dürfen. Ebenfalls clever: Unter dem Ladeboden befindet sich nicht nur ein großes Fach, sondern dort lässt sich auch die Gepäckraumabdeckung verstauen. Normalerweise weiß man ja nie, wohin damit und sie fliegt im hinteren Fußraum herum.

Weil Firmenchef Hakan Samuelsson behauptet, ab 2020 wird kein Mensch mehr in einem neuen Volvo schwer verletzt werden oder gar ums Leben kommen, haben die Entwickler im XC40 schon mal vorgesorgt. Sensoren sollen einen Zusammenstoß mit dem Gegenverkehr ebenso verhindern können wie ein unbeabsichtigtes Verlassen der Fahrbahn. Sie leiten Schutzmaßnahmen ein, falls es doch mal ungewollt in Gelände geht. Der XC40 bremst automatisch, falls andere Verkehrsteilnehmer im Weg stehen sollten, sei es ein Auto, ein Motorrad- oder Fahrradfahrer, ein Fußgänger oder auch ein Elch - tagsüber wie nachts. Zudem verhindert die Elektronik ein Linksabbiegen in Kreuzungen, falls jemand entgegenkommt.

App für privates Carsharing und ein Sorglos-Paket

Recht fortschrittlich zeigt sich Volvo auch bei der Digitalisierung. Fürs Smartphone gibt es eine App für privates Carsharing, genannt "Volvo On Call". Falls Frau oder Freund, Tochter oder Sohn mit dem XC40 fahren will, muss physisch kein Schlüssel mehr überreicht werden. Es genügt, einen digitalen Code aufs jeweilige Handy zu senden.

Neuland betreten die Schweden ebenso mit dem Abonnement "Care by Volvo", eine Art Rundum-Sorglos-Paket, das für 24 Monate gilt. Bezahlt wird eine feste Rate. Sie beträgt bei 15.000 Kilometer Jahresfahrleistung beispielsweise 899 Euro brutto und enthält nicht nur Versicherung, Steuern, Inspektionen und Pannenhilfe, sondern auch Dienstleistungen wie das Wechseln der Winterräder und deren Einlagerung. Nach zwei Jahren gibt man den Wagen einfach wieder beim Händler ab und überlegt sich etwas Neues. Haben die Schweden Erfolg mit ihrem Flatrate-Paket, dürften andere Hersteller sicher schnell nachziehen.

Technische Daten Volvo XC40: Modell: D4 AWD, Motor: 2,0-Liter-Vierzylinder-Diesel, Leistung: 190 PS (140 kW) bei 4.000 U/min, Drehmoment: 400 Nm bei 1.750 bis 2.500 U/min, Getriebe: 8-Gang-Automatik, Allradantrieb, 0-100 km/h: 7,9 s, Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h, Verbrauch: 5,0 l/100 km, CO2: 133 g/km, Länge: 4,43 m, Breite: 1,86 m, Höhe: 1,65 m, Leergewicht: 1.824 kg, Kofferraum: 460 bis 1.336 l, Listenpreis: 44.800 Euro.

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