Löw teilt erneut gegen Wagner aus

Sportinformationsdienst (SID), Martin Volkmar
Joachim Löw hat wenig Verständnis für Sandro Wagners harsche Kritik

Bundestrainer Joachim Löw hat im Streit mit dem zurückgetretenen Nationalspieler Sandro Wagner noch einmal nachgelegt. Vor dem Pokalfinale zwischen dem FC Bayern und Eintracht Frankfurt bezog der 58-Jährige im ARD-Interview Stellung.

"Es ist ein Affront gegen andere Spieler, die 80, 90, 100 Länderspiele bei uns haben. Er sagt damit: Die, die ihre Meinung sagen, sind nicht dabei", so Löw. "Das hat mich gestört, nicht wegen mir, sondern wegen den Spielern, die schon lange dabei sind, Konflikte austragen können, ihre Meinung sagen", so der Bundestrainer.

"Wir haben mündige Spieler, Die tun so viel für Deutschland, für unser Weltbild, und die sagen ganz sicher ihre Meinung. Da können Sie sich sicher sein", legte Löw nach.

Wagner stellt Spieler als "Vollidioten" dar

Bereits direkt nach dem Rücktritt des 30-Jährigen hatte der Bundestrainer deutlich Worte gefunden.

"Ich empfinde es als Kritik gegenüber seinen Kollegen, die auch spielen. Er stellt manche dar, die bei uns schon ewig spielen, die zu den Führungsspielern gehören, als wären sie ausgemachte Vollidioten", sagte Löw am Freitag am Rande einer Veranstaltung in Berlin.

Und weiter: "Als ob sie nur deswegen bei uns sind, weil sie nicht ihre Meinung sagen. Er sagt, dass andere ihren Mund nicht aufmachen. Was sollen Jerome Boateng, Mats Hummels denken? Das ist ja völlig hanebüchen."

Löw findet Wagners Reaktion "überzogen"

Wagner war nach seiner ausgebliebenen Nominierung für die WM in Russland (14. Juni bis 15. Juli) zurückgetreten. Er erhob indirekt den Vorwurf, Löw akzeptiere nur Ja-Sager.

Ein Vorwurf, der dem Bundestrainer - gebranntes Kind durch ähnliche Attacken von Michael Ballack und Torsten Frings - offensichtlich besonders sauer aufstieß.


"Ich kann ein Stück weit nachvollziehen, dass er enttäuscht ist, das ist ja klar", betonte Löw. "Ich finde seine Reaktion ein bisschen überzogen", fügte er hinzu.

Löw verteidigt sich gegen Vorwürfe

Denn: "Jeder, der uns kennt, weiß, wie wir die Spieler immer anhalten, ihre Meinung zu sagen, offen und ehrlich zu sein, uns kritisch gegenüberzutreten. Diese Dinge werden bei uns groß geschrieben."

Wagner (30) hatte am Mittwoch nach nur acht Länderspielen seinen Rücktritt erklärt, nachdem Löw ihn am Dienstag nicht einmal in den vorläufigen 27er-Kader berufen hatte.


"Für mich ist klar, dass ich mit meiner Art, immer offen, ehrlich und direkt Dinge anzusprechen, anscheinend nicht mit dem Trainerteam zusammenpasse", sagte er der Bild. Er könne Löws Entscheidung "nicht ernst nehmen".

Auch Hoeneß und Heynckes verwundert

Wagners Schritt ließ auch die Verantwortlichen des FC Bayern verwundert zurück. 

"Es hat mich schon ein bisschen überrascht, denn so böse hätte er nicht unbedingt reagieren müssen", sagte Hoeneß bei Sky. "Ich glaube, er soll jetzt schön in den Urlaub fahren, sich gut vorbereiten und seine Zukunft beim FC Bayern sehen."


Auch Trainer Jupp Heynckes äußerte auf der Pressekonferenz vor dem DFB-Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt auf SPORT1-Nachfrage - neben viel Lob für Wagners Einstellung im Klub - leises Unverständnis: "Ich denke, er hat voreilig emotional reagiert, ich persönlich hätte das lieber anders gesehen, aber man muss seine Entscheidung respektieren."

Am Samstag wird Wagner im Olympiastadion womöglich auf dem Platz stehen, Löw sitzt auf der Tribüne. Danach, sagte Hoeneß väterlich, solle der Stürmer "schön in den Urlaub fahren, sich gut vorbereiten und seine Zukunft beim FC Bayern sehen".