Volleyball-EM: So gelingt des deutsche Medaillen-Wunder

Daniel Höhr
Die deutschen Volleyballer um Georg Grozer (M.) präsentieren sich bisher stark

Mit einer weißen Weste mit drei Siegen aus drei Spielen hat sich die deutsche Volleyballnationalmannschaft überraschend souverän für das Viertelfinale qualifiziert und schürt bei den Volleyballfans hierzulande vorsichtige Hoffnungen auf ein EM-Wunder.

Entgegen aller Erwartungen machte das Team nach einer bislang eher schwachen Saison mit dem Aus in der WM-Quali einen Entwicklungssprung, schlug Mitfavorit Italien im ersten Gruppenspiel mit 3:2 und ließ zwei ungefährdete 3:0-Siege gegen Tschechien und die Slowakei folgen.

"Die EM hat mit der WM-Qualifikation nichts zu tun. Wir mussten die richtigen Schlüsse daraus ziehen und daran arbeiten. Wir sind hier, um noch lange da zu bleiben", sagt Kapitän Lukas Kampa bereits nach dem ersten Spiel selbstbewusst.


Noch nie hat eine deutsche Herren-Mannschaft Edelmetall bei Europameisterschaften erspielen können. SPORT1 zeigt, warum das EM-Wunder möglich ist.

Der Grozer-Faktor

Entscheidend für den weiteren Verlauf des Turniers ist die Formkurve von Superstar Georg Grozer sein – und die zeigt nach oben! Trotz seiner mittlerweile 32 Jahre zählt der Diagonalangreifer zu den besten seines Faches. Er soll das Team leiten und mit seinen wuchtigen Angriffen und Aufschlägen zum Erfolg führen.

Dass der "Hammerschorsch" dazu in der Lage ist, hat er bereits mehrfach unter Beweis gestellt. Die Qualifikation für Olympia 2012 regelte Grozer beinahe im Alleingang, auch bei der WM 2014 war er der entscheidende Faktor zum Gewinn der Bronzemedaille.

Fest steht: in den entscheidenden Situationen ist auf Grozer verlass. Das Zusammenspiel mit Zuspieler Lukas Kampa hat sich über Jahre hinweg perfektioniert, die Form stimmt. Mit Grozer in Topform ist alles möglich.

Der Jugend-Faktor

Gleich sieben Spieler, darunter die Stammkräfte Julian Zenger (20) und Tobias Krick (18), feiern in Polen ihre EM-Premiere. In der Gruppenphase zeigten sie sich davon jedoch unbeeindruckt und spielten frech und unbekümmert auf.


Diese Unbekümmertheit könnte für das deutsche Team zum entscheidenden Faktor werden. Die Rookies haben nichts zu verlieren und können frei aufspielen. Mit dem Gruppensieg hat man das Soll schon mehr als erfüllt, alles Weitere ist ein Zusatz. Der Druck liegt bei den Turnierfavoriten Frankreich, Russland und Co.

Spannend dürfte zu sehen sein, wie die unerfahrenen Kräfte in engen und entscheidenden Situationen auf höchstem Niveau mithalten und ihre Topleistung abrufen können. In der World League und der WM-Qualifikation klappte dies nicht. Vielleicht ja nun im dritten Anlauf.

Der Trainer-Faktor

Andrea Giani ist eine Legende des Volleyballs – und vierfacher Europameister. Der Italiener weiß also genau auf was es ankommt, um den Cup zu gewinnen. Und der Erfolgshunger des Italieners ist noch nicht gestillt.


Ein weiteres Plus: Giani hat auf beinahe jeder Position gespielt und gewann auf jeder Position große Titel. Für seine Spieler kann diese Erfahrung Gold wert sein. Hinzu kommt: Vor zwei Jahren holte Giani mit einem jungen und auf dem Papier unterlegenen slowenischen Team EM-Silber. Die Parallelen zu heute sind unverkennbar.

Der Kattowitz-Faktor

"Es ist ein tolles Gefühl, wieder hier zu sein", sagt Georg Grozer im Hinblick auf die Rückkehr dorthin, wo er und sein Team vor drei Jahren WM-Bronze gewannen. Der Gegner war damals ausgerechnet das Team, welches voraussichtlich auch im Viertelfinale (LIVE im TV auf SPORT1+) wartet: Frankreich.

Auch für Kapitän Lukas Kampa sei die Rückkehr "etwas Besonderes". Die guten Erinnerungen an das Letzte Spiel an gleicher Stätte könnten bei den Routiniers ungeahnte Kräfte freisetzen. Diese braucht es auch, immerhin sind die Franzosen amtierender Europameister und Sieger der Weltliga.

Dennoch: nach den in der Vorrunde gezeigten Auftritten braucht sich das Team nicht zu verstecken. "Wenn wir so weiterarbeiten und uns als Mannschaft weiterentwickeln, können wir auch Frankreich schlagen", ist sich Grozer sicher.