Volkswagen will nach Affenversuchen sämtliche Forschungsprojekte überprüfen

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Volkswagen zieht offenbar weitere Konsequenzen aus dem Skandal rund um Abgas-Experimente mit Affen. Wie der NDR und weitere Medien am Mittwoch berichteten, sollen unter anderem sämtliche Forschungskooperationen des Konzerns einer ethischen Prüfung unterzogen werden. Außerdem soll am Freitag der Aufsichtsrat entscheiden, ob ein umstrittenes Abgas-Forschungszentrum aufgelöst werden soll. Bis ein externer Untersuchungsbericht zu den Affen-Experimenten in den USA vorliegt, könnte es noch Monate dauern.

Wie die "Welt" berichtete, wurden die Experimente mit Affen in einem Labor in den USA auch im "Topmanagement" kontrovers diskutiert und schließlich angeordnet. Der VW-Ingenieur James Liang, der wegen des Dieselskandals in den USA zu einer Haftstrafe verurteilt wurde, hatte einen VW Beetle persönlich bei dem Labor abgeliefert. Die Affen mussten die Abgase des Dieselautos einatmen, während sie Cartoons guckten.

Das sind erste Ergebnisse einer Untersuchung durch die Wirtschaftsprüfer von Deloitte, die Konzern-Chef Matthias Müller laut "Handelsblatt" am Freitag dem VW-Aufsichtsrat vorstellen will. Extern durchleuchten lässt der Konzern demnach auch sämtliche knapp 1300 Forschungskooperationen mit Hochschulen und anderen Einrichtungen in Deutschland sowie weitere 1700 Kooperationen auf internationaler Ebene.

Dem "Handelsblatt" zufolge soll der Aufsichtsrat am Freitag auch beschließen, das "Abgaszentrum der Automobilindustrie" zu schließen. Es wurde 1996 gemeinsam von Daimler, BMW und dem Volkswagen-Konzern gegründet und soll eine Schlüsselrolle bei der Bildung eines Kartells zur Abgastechnik gespielt haben. Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete, soll es künftig bei VW auch einen "Ethikkatalog" geben, um "sensibler" für kontroverse Themen zu sein.