Volkswagen nach dem Power Day: 5 Wege zur Super-Batterie

Ralf Anders, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 4 Min.
Volkswagens Batterie-betriebener E-Buggy
Volkswagens Batterie-betriebener E-Buggy

Auf dem Power Day von Volkswagen (WKN: 766403) gab es eine Menge neuer Informationen zur Batteriestrategie. Der Konzern wird ein gewaltiges Volumen an Batteriezellen benötigen und einen großen Teil davon selbst bzw. zusammen mit Partnern herstellen.

Während absehbar ist, wie die Entwicklung bei den massengefertigten Billigzellen aussehen wird, stehen verschiedene Möglichkeiten offen, um die rund 20 % an High-End-Zellen zu beziehen, die für den langfristigen Erfolg und die VW-Aktie so wichtig sind. Hier ist ein Überblick.

Die Batteriestrategie von VW

Für 80 % der verbauten Batteriezellen will Volkswagen ein prismatisches Einheitsformat nutzen. Diese werden sich ohne den Umweg über Module zu Batteriepacks integrieren lassen. Gleichzeitig sollen die Fahrzeugdesigner aller Geschäftseinheiten von vornherein die Spezifikation der Standardbatterie berücksichtigen, sodass sich die Anpassungen auf ein Minimum reduzieren.

Das wird später auch die Zweitverwertung der Batteriepacks in stationären Anwendungen und das Recycling erleichtern. Und natürlich soll es entlang des gesamten Fertigungs- und Nutzungszyklus die Kosten drücken.

Für die aktuellen Modelle hat Volkswagen längst einen Strauß an Zulieferern unter Vertrag genommen, überwiegend aus Korea und China. Diese dürften auf viele Jahre hinaus mit den Wolfsburgern in allen Weltregionen im Geschäft bleiben. Schrittweise werden jedoch eigene Fertigungskapazitäten hinzukommen. In Europa macht die strategische Partnerschaft mit Northvolt den Anfang, welche zu zwei großen Batteriefabriken führen wird über die kommenden Jahre.

Doch für Marken wie Porsche und Bentley sowie auch die Luxusmodelle von Audi sind solche Standardzellen nicht genug. Dort wird spezielle Batteriechemie gebraucht, die den Markenanspruch unterstreicht.

Ab 2023 werden die Standardzellen zunehmend zum Einsatz kommen und bis 2030 alle modellspezifisch individuell entwickelten Batteriepacks (genauer gesagt, diejenigen mit „üblicher“ Zellchemie) ersetzen. Das Management schätzt, dass dann noch rund 20 % des Zellvolumens für spezifischen Lösungen im High-End-Bereich bleiben. Woher diese dann stammen werden, ist wohl noch nicht so sicher, denn vieles hängt von den Entwicklungserfolgen der verschiedenen Forscherteams ab.

Die Kandidaten für die High-End-Batterie von Volkswagen

1. Option: QuantumScape

Es ist naheliegend, dass VW versucht, die aussichtsreiche Technologie der zuletzt gehypten Beteiligung QuantumScape (WKN: A2QJX9) zukünftig verstärkt einzusetzen. Der für Batterieinitiativen verantwortliche Manager Frank Blome machte deutlich, dass langfristig Feststoffzellen das Rennen machen sollen. Diese können in wenigen Minuten geladen werden, sind leichter und voraussichtlich günstiger zu fertigen.

Der Haken dabei ist, dass noch nicht sicher ist, ob die Technik so weit entwickelt werden kann, dass sie für die hohen Beanspruchungen im Verkehr nutzbar ist. Von der Industrialisierung ist man noch weit entfernt. Der Plan sieht vor, in rund vier Jahren damit zu beginnen, die Produktion hochzufahren. Geht er auf, kann VW auf einen Wettbewerbsvorteil hoffen, weil der Konzern als strategischer Partner privilegierten Zugriff auf die ersten Chargen hat.

2. Option: Cuberg

Falls es bei QuantumScape aus irgendwelchen Gründen Probleme oder Verzögerungen gibt, könnte Cuberg vielleicht einspringen. Das kalifornische Start-up wurde kürzlich von Northvolt übernommen und fungiert dort als Advanced Technology Center. Es bringt eine flüssige Elektrolytformel mit, welche für eine mit Feststoffzellen vergleichbare Stabilität und Leistung sorgen soll. Außerdem kann für die Fertigung konventionelle Anlagentechnik genutzt werden, was teure Umstellungskosten in der Batteriefertigung vermeidet.

3. Option: CustomCells

Ein weiterer Weg besteht über den kleinen deutschen Spezialisten CustomCells. Dieser verfügt über umfassendes Know-how zu verschiedensten Batterietypen und Zellchemievarianten. Er wäre sicherlich in der Lage, VW zu einer Premium-Zelle zu verhelfen.

Letzten August ging durch die Presse, dass Porsche an einer Zusammenarbeit mit den Tübingern interessiert sei. Fast gleichzeitig investierte die Unternehmensberatung P3 group aus Stuttgart in das Unternehmen. P3 war zuvor zusammen mit CustomCells und dem Forschungs-Institut ZSW am Aufbau einer Pilotanlage für Lithiumzellen beteiligt. Es könnte also gut sein, dass sich hier eine Spätzle-Connection formiert, die VW eine weitere Option eröffnet.

4. Option: Guoxuan/Gotion High-Tech

Als Nächstes sollten wir auch nicht vergessen, dass VW vor einem Jahr in Guoxuan investierte und eine Entwicklungspartnerschaft einging. Zwar würde ich zunächst davon ausgehen, dass das chinesische Unternehmen eher für die Fertigung der günstigeren Standardzellen zuständig sein wird. Doch mit der kalifornischen Tochter Gotion High-Tech verfügt es auch über einen erstklassigen Forschungsstandort für die Entwicklung von Elektrolyten der nächsten Generation.

5. Option: Varta

Zum Schluss habe ich noch Varta (WKN: A0TGJ5) auf der Liste. Der deutsche Batterie-Champion meldete vor wenigen Tagen, dass die Pläne für den Einstieg in die Fertigung von großen Zellen festgezurrt seien. Eine Pilotanlage wird nun aufgebaut.

Bei aufladbaren Knopfzellen gilt Varta dank der überragenden Energiedichte als Technologieführer. Wenn es gelingt, die Technik auf größere Zellen zu übertragen, dann wäre sie ein attraktiver Kandidat für den Premiumeinsatz.

Mit VW verbindet Varta eine mehrjährige Entwicklungspartnerschaft, von der beide Seiten in hohem Maße profitierten. Varta lernte die Anforderungen der Automobilwelt kennen und VW konnte wertvolles Batterie-Know-how aufbauen. Da könnte etwas gehen auf lange Sicht.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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