Volksbank verzichtet doch auf Negativzinsen für Kleinsparer

Die Einträge «Zins» und «Bar» in einem Sparbuch: Die Volksbank Reutlingen verzichtet nun doch auf Strafzinsen. Foto: Daniel Karmann

Nach scharfer Kritik und einer Klageandrohung hat die Volksbank Reutlingen ein Preismodell mit Negativzinsen für Kleinsparer zurückgezogen. In einem offenen Brief an die Kundschaft schrieb der Vorstand des Geldhauses, man habe den Preisaushang überarbeitet.

Mögliche Negativzinsen wurden den Angaben zufolge gestrichen. «Wir haben aktuell keinerlei Pläne, «Normalsparern» Negativzinsen zu berechnen», heißt es in dem Schreiben. Zuvor hatte die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (Dienstag) darüber berichtet.

Jüngst hatte die Bank ein Preismodell veröffentlicht, wonach pro Jahr 0,5 Prozent Minuszinsen unter anderem auf komplette Guthaben auf dem Girokonto und ab 10 000 Euro auf dem Tagesgeldkonto berechnet werden könnten. Getan wurde dies aber noch nicht. Nun schrieb der Volksbank-Vorstand an die Kunden: «Wir [...] schließen aus, dass wir Negativzinsen in der Breite einführen werden, ohne dies Ihnen gegenüber rechtzeitig und deutlich mitzuteilen sowie Ihnen Alternativen aufzuzeigen.»

Großanleger könnten künftig aber zur Kasse gebeten werden von der Volksbank. Das allerdings ist im Gegensatz zu Kleinsparer-Negativzinsen nicht unüblich in der Branche.

Die Verbraucherzentrale zeigte sich mit der Ankündigung der Volksbank nicht zufrieden. Sie habe keine Unterlassungserklärung abgegeben, sagte Verbraucherschützer Niels Nauhauser. Dies sei aber nötig, damit die Bank künftig nicht einen Schwenk machen und Kleinsparer doch belasten könnte. «Die Klage ist noch nicht vom Tisch», so Nauhauser.

Die Niedrigzinsen belasten die gesamte Bankenbranche, die Zinserträge bröckeln. Zudem müssen die Institute 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen, wenn sie Geld bei der Europäischen Zentralbank parken.

Offener Brief der Volksbank Reutlingen