Vogts übt Kritik an Löws Nominierungspraxis

Vogts übt Kritik an Löws Nominierungspraxis

Der frühere Fußball-Bundestrainer Berti Vogts hat Kritik an der Nominierungspraxis seines aktuellen Nachfolgers Joachim Löw für Großereignisse wie die WM-Endrunde in Russland geübt. Vogts bewertet die Aufstellung eines vorläufigen Kaders der Nationalmannschaft mit 27 Spielern und die spätere Reduzierung auf eine endgültige 23-Mann-Liste sehr skeptisch. "Warum handhabt er das so?", fragte der Coach der deutschen Europameister-Mannschaft von 1996 in seiner Kolumne beim Internetportal t-online.de.
"Es ist eine unheimliche Unruhe reingekommen, seit über Streichkandidaten diskutiert wird, und das ist eine große Gefahr", schrieb Vogts mit Blick auf die Schlagzeilen über Löws Entscheidung für einen Verzicht auf Jungstar Leroy Sane (Manchester City): "Ich hätte es grundsätzlich anders gemacht als Joachim Löw und nicht 27, sondern 23 Spieler nominiert."
Die Vorbeugung von verletzungsbedingten Ausfällen ist für den Weltmeister von 1974 keine stichhaltige Begründung für das inzwischen übliche Auswahlprozedere im Vorfeld von WM- und EM-Turnieren: "Man kann immer noch einen Sane nachträglich nominieren. Das ist deutlich angenehmer, als vier Spieler nach Hause zu schicken. Ich habe das als Trainer früher so gemacht, und es war viel einfacher."
Auch mit der jüngsten Kritik von Weltmeister Mats Hummels am angeblich zu forschen Verhalten von jüngeren Spielern ohne größere Meriten ist Vogts nicht einverstanden. "Es ist nicht angebracht, in den Medien über die jungen Spieler zu sprechen. Wenn er etwas zu bemängeln hat, soll er das gefälligst intern tun", schrieb der 71-Jährige dem Münchner Abwehrspieler ins Stammbuch und erinnerte Hummels an seine beanspruchte Rolle als Führungsspieler: Wenn jüngere Spieler zu forsch seien, "liegt das nicht unbedingt an den Spielern, sondern auch an Hummels."