Vodafones Kabel sind im Test langsamer als versprochen


Dieser Test hat in den vergangenen Jahren immer wieder für Aufregung unter Telekommunikationsanbietern gesorgt: der jährliche Festnetztest des Magazins „Connect“. Er gilt als einer der wichtigsten in der Branche. Lange stand die Deutsche Telekom ganz oben auf dem Treppchen und verkündete ihren Sieg stolz mit großen Anzeigen, auf denen „Bestes Netz“ prangte, bis vor drei Jahren Konkurrent 1 & 1 die Bonner überraschend das erste Mal vom ersten Platz verdrängte - und zu einem öffentlichen Schlagabtausch führte.

In diesem Jahr hat die Telekom 1 & 1 wieder auf den zweiten Platz verwiesen, auch wenn nur sechs Punkte Unterschied zwischen den beiden Anbietern liegen: Die Bonner kamen in der Gesamtwertung von „Connect“ auf 447, der Konkurrent auf 441. Damit bekommen beide von den Testern ein „Sehr gut“ in ihr Aufgabenheft geklebt.

Doch trotzdem hat das Testergebnis von diesem Jahr das Potenzial, für viel Aufregung zu sorgen. Nicht nur in der Branche, auch in der Politik: Denn eines der Unternehmen, das Politikern dabei helfen soll, ihre verkündeten Breitbandziele zu erreichen, ist auf dem letzten Platz gelandet: Vodafone.


Die deutsche Tochter des britischen Konzerns bekam von den Testern nur 392 Punkte, knapp 30 Punkte weniger als der vorletzte im Test, O2. Das ist immer noch ein „gut“. Aber einer der Gründe für das schlechtere Abschneiden ist: „Bei Kabelanschlüssen mit 400/25 und 500/50 Mbit/s fällt zudem eine häufige Unterschreitung der zugesagten Bandbreite auf“, schreiben die Tester in ihrem Bericht.

Für die Telekom und ihre Lobbyisten sind diese Worte mit Geld kaum aufzuwiegen: In den vergangenen Jahren ist der Konzern wiederholt dafür kritisiert worden, das eigene Kabelnetz nicht schnell genug auf Glasfaser umgebaut zu haben. Die alten Kupferkabel der Telekom können Daten nur deutlich langsamer durchleiten als Glasfaserkabel. Diese Strategie sei Mitschuld daran, dass das Internet in Deutschland im europäischen Vergleich so schlecht abschneide, ist ein häufig wiederholtes Argument – dessen sich auch Vodafone gerne bedient hat.

Vodafone hat seine Stärke rasch erkannt: Mit dem Zukauf von Kabel Deutschland verfügt der Anbieter über ein weit verzweigtes Netz von TV-Kabeln. Auch die können heute Daten durchleiten – und zwar deutlich schneller als die Kupferkabel der Telekom.

Also hat Vodafone die Marketingstrategie auf Geschwindigkeit ausgerichtet. Die Düsseldorfer bieten Verträge mit 400 Megabit die Sekunde Internetgeschwindigkeit an. Da können die Bonner in den meisten Fällen nicht mithalten – und da nun nach und nach auch die Kunden schnellere Anschlüsse haben wollen, droht die Telekom abgehängt zu werden.


Also wehrt sie sich unter anderem mit dem Argument, TV-Kabel seien ein „Shared Medium“, würden also gemeinschaftlich genutzt. Tatsächlich gehen die Bandbreiten bei jedem einzelnen herunter, wenn mehrere über ein Kabel ins Internet gehen. Deswegen, so die Telekom, seien diese Kabel auch kein Substitut für Glasfaserkabel, die zuverlässig immer die gleichen Geschwindigkeiten bieten.

Bei Politikern sind die Bonner jedoch mit diesem Argument zuletzt immer seltener auf offene Ohren gestoßen: Das Versprechen der Kabelanbieter, mit ihren „gigabitfähigen“ Netzen, die Internetversorgung Deutschlands zu verbessern, klang attraktiv. Schließlich hat die Regierung versprochen, dass es bis 2025 in ganz Deutschland flächendeckend Netze geben soll, die Daten mit mindestens einem Gigabit die Sekunde durchleiten.

Das Argument, das „gigabitfähig“ nicht gleich Gigabit ist, wird die Telekom nach diesem Test also wahrscheinlich noch häufiger bemühen.


Vodafone erklärte dem Handelsblatt, in den einzelnen Disziplinen des Tests ergebe sich ein gemischtes Bild, „mit dem wir uns natürlich nicht zufriedengeben wollen“. Unter anderem habe ein Fehler in der Firmware von Routern zur Abwertung geführt. Der werde derzeit behoben. „Hier arbeitet Vodafone intensiv daran, das Zusammenspiel zwischen Netz und Endgeräten weiter zu optimieren.“ Zudem will Vodafone das Netz stärker ausbauen, damit weniger Kunden auf ein Kabel zugreifen und somit das Problem des Teilens geringer wird.