Der Vize-Merkel: Scholz offenbarte in seiner Regierungserklärung seine größte Schwäche

Jürgen Klöckner
Ein seltener Moment der Emotion bei Olaf Scholz. 

Es gab Zeiten, da fungierte der Vizekanzler als Gegenpol der Kanzlerin.

Sigmar Gabriel etwa, der mit seinen leidenschaftlichen Reden und Ausbrüchen die Herzen ansprach, während Angela Merkel mit ihrer kühlen und fast spröden Art die Köpfe ansteuerte. 

Mit diesem CDU-Yin und SPD-Yang ist nun Schluss. Aus dem Gegenpol wird einfach ein Pol - und der ist, wie in der Realität, stark unterkühlt. 

Neuer Vizekanzler und Bundesfinanzminister ist Olaf Scholz. Der Hanseat hielt heute seine erste Regierungserklärung in der Großen Koalition. Und der Mann gab sich alle Mühe, keinen Unterschied zu machen. 

Der Anti-Gabriel

Scholz war der Anti-Gabriel und der Vize-Merkel.

Eine Qualität, die ihm vermutlich seinen Posten eingebracht hat, weil er kein Gegenspieler der Kanzlerin ist. Die allerdings auch Probleme mitbringt.

Ein paar Beispiele.

Der Hanseat hielt eine Rede ohne Überraschungen - so, wie man es von Merkel gewohnt ist.

Scholz orientierte sich inhaltlich fast ausschließlich an den Spiegelstrichen des Koalitionsvertrags und hielt sich mit neuen Gedanken oder rhetorischen Akzenten zurück.

Es war eine Regierungserklärung zum Vergessen.

Wie Merkel ist Scholz auch kein mitreißender Redner.

Zwar gestikulierte er mit seinen Händen, aber seine Mimik war ausdruckslos, fast eingefroren. 

Man brauchte schon ein Opernglas, um eine Emotion in Scholz’ Gesicht zu entdecken.

Die immergleiche Tonlage

Selbst bei kämpferischen Stellen seiner Rede vermied es Scholz, seine Stimme zu erheben. Kann er oder will er nicht?

Er blieb jedenfalls sklavisch bei der immergleichen Tonlage und Lautstärke, als würde er teilnahmslos ein Telefonbuch vorlesen.

Dabei umreißt der Mann gerade seine Pläne für die kommenden 3,5 Jahre.

Obendrein blieb Scholz - wie die Kanzlerin es meist tut - an den entscheidenden Stellen im Ungefähren.

Er forderte, Herausforderungen “aus europäischer Perspektive” zu denken, ohne “zu vergessen, wo man...

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