Viva wird eingestellt: 25 Jahre Kultsender gehen zu Ende

Mola Adebisi gehörte als VJ jahrelang zum Team des Musiksenders Viva. (Bild: ddp Images)

Es ist offiziell! Am 1. Januar 2019 wird der Musiksender Viva eingestellt. Nach 25 Jahren cooler Musikvideos, berühmter Gäste und besonderer Unterhaltungsformate verabschiedet sich der 90er-Kultsender Anfang kommenden Jahres vom Bildschirm. Anlass genug, einen Blick in die schräge, bunte und vor allem oft laute Welt von 25 Jahren Viva zu werfen.

Für viele Menschen, die ihre Jugend in den 90ern verbrachten, gehörte der TV-Sender Viva zum Leben dazu wie Buffalo-Plateau-Sneaker, Choker-Bänder oder die Musik von Take That. Von morgens bis spät in die Nacht lieferte der Sender feinste Popkultur-Unterhaltung für junge Menschen.

Viva ging am 1. Dezember 1993 als Konkurrent des Musiksenders MTV Europe auf Sendung. Der Plan war es, einen deutschen Gegenpol zu den bis dato hauptsächlich englischsprachigen Musikvideos zu liefern. Erstmals schaffte es Viva bereits ein Jahr nach dem Start, MTV die Marktherrschaft abzusprechen. Zwischendurch musste diese zwar wieder abgegeben werden, 2004 lag Viva bei der relevanten Zuschauergruppe aber wieder vorn.

Oliver Pocher ging 2002 bei Viva zuletzt mit „Alles Pocher, … oder was?“ auf Sendung. Vorher moderierte er „Chart Surfer“, „Trash Top 100“, „Was geht ab“ und „Planet VIVA“. (Bild: ddp Images)

Zu den ersten VJs zählten die zu dieser Zeit noch unbekannten Moderatoren Stefan Raab und Heike Makatsch. Wie viele andere Viva-Persönlichkeiten auch, wurden sie nach ihrer Viva-Zeit zu erfolgreichen Film- und Fernsehpersönlichkeiten. Zu ihren Nachfolgern und Kollegen zählten auch Tobias Schlegl, Sarah Kuttner, Minh-Khai Phan-Thi, Milka Loff Fernandes, Gülcan Kamps, Aleksandra Bechtel, Mola Adebisi, Jessica Schwarz, Klaas Heufer-Umlauf und Oliver Pocher.

Nachdem 1995 der Musikpreis Comet ins Leben gerufen wurde, expandierte der Sender mit einem Ableger namens Viva Zwei, der den Fokus von Pop auf Rock, Indie und Alternative setzte. Mit der Jahrtausendwende dehnte sich die Expansion dann auch auf die Schweiz, Österreich und Polen aus und Viva beteiligte sich europaweit an diversen anderen Sendern. Fortan wurden Formate wir Reality-Soaps, Anime- und Zeichentrick-Serien zu den Musiksendungen mit ins Programm genommen.

Zwischendurch hatte der Musiksender immer wieder mit Kritik zu kämpfen, er würde innerhalb der angeblich neutralen Playlists heimlich Plätze für Künstler und deren Clips der Plattenfirma Universal reservieren – und so die Musiklandschaft des Senders stark beeinflussen.

2004 wurde Viva vom amerikanischen Medienkonzern Viacom übernommen und befand sich plötzlich unter dem gleichen Dach wie der einstige Konkurrent – die internationale MTV-Group gehört ebenfalls zu Viacom.

Mit der Einführung von Musik-Streaming-Diensten wie Napster und Video-Plattformen wie YouTube verlor Viva immer mehr seine Daseinsberechtigung. Die Umsätze sanken und es folgten Verwarnungen der Landesmedienanstalt wegen zu langer Werbeblöcke. Das Resultat des Versuchs, durch mehr Werbung den Gewinn wieder zu steigern. Doch zu groß war fortan die Konkurrenz aus dem Internet.


Immer mehr Sendungen und Formate wie die Raab-Sendung „Vivasion“ oder das Karaoke-Format „shibuya“ mit Gülcan Karahanci (heute Kamps) wurden schließlich eingestellt. Nachdem 2011 bereits durch die Änderung des Logos ein Relaunch versucht wurde – früher abgerundete Dreiecke in Gelb und Blau, nun kantige in Schwarz –, musste man spätestens 2014 feststellen, dass der Sender sich nur durch drastische Einschnitte über Wasser halten konnte. Das Anime-Programm wurde daraufhin eingestellt, die Stundenanzahl, in der Musik-Videos gezeigt wurden, gekürzt und ab 2015 die Ausstrahlung von Reality-Formaten komplett eingestellt. Seitdem werden fast nur noch Musikformate gesendet.

Das gelb-blaue Logo der vier stilisierten Buchstaben war für Jugendliche in den 90ern der Inbegriff von Popkultur. (Bild: ddp Images)

Nun erinnern sich einige noch aktive und ehemalige Viva-Stars, sowie Künstler, deren Clips auf Viva liefen – mehr oder weniger – wehmütig an die Zeit bei dem Musiksender zurück.