VIRUS: Gläubige sollen die Klagemauer nicht mehr küssen

JERUSALEM (dpa-AFX) - Besucher der Klagemauer in Jerusalem sollen aus Sorge vor einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus die Steine nicht mehr küssen. Der für die heilige Stätte zuständige Rabbiner, Schmuel Rabinovich, habe diese Anweisung nach Beratungen mit dem Gesundheitsministerium ausgesprochen, teilte die zuständige Stiftung am Montag mit.

Eine ähnliche Anweisung gab es bereits für Schriftkapseln (Mesusa), die gläubige Juden an Türpfosten befestigen und die von vielen traditionell geküsst werden. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums ist das Virus Sars-CoV-2 mittlerweile bei mehr als 250 Personen in Israel nachgewiesen worden. Todesfälle wurden bisher nicht erfasst.

Die Klagemauer ist ein Überrest der Befestigung des zweiten Jerusalemer Tempels. Sie liegt am Fuße des Tempelbergs (Al-Haram al-Scharif/Das edle Heiligtum), der Juden und Muslimen heilig ist. Für Juden ist die Klagemauer die heiligste Stätte weltweit, viele vertiefen sich dort in inniges Gebet. Dem Brauch nach schreiben Besucher auf Zettel auch Wünsche, die sich erfüllen sollen, und stecken sie zwischen die Steine der Mauer. Gläubige dürfen die Klagemauer weiter besuchen, sind jedoch angehalten, mindestens zwei Metern Abstand von anderen Menschen zu halten.