Vietnamesischer Menschenrechtsanwalt kann aus Haft nach Deutschland ausreisen

Der bislang in Vietnam inhaftierte Menschenrechtsanwalt Nguyen Van Dai ist freigelassen worden und konnte das Land verlassen. Das Auswärtige Amt bestätigte am Freitag in Berlin, dass sich Nguyen Van Dai ebenso wie seine Ehefrau Vu Minh Khanh und seine Assistentin Le Thu Ha in Deutschland befinden. Eine Sprecherin des Außenamts begrüßte zugleich die Freilassung des Anwalts.

Weiter sagte die Sprecherin, dies sei ein "bemerkenswerter Schritt von vietnamesischer Seite und ein gutes Signal an die internationale Gemeinschaft". Auch der Vorsitzende des Deutschen Richterbundes, Jens Gnisa, äußerte sich erleichtert über die Freilassung und Ausreise des Menschenrechtsanwalts, Demokratieaktivisten und Bloggers.

Gnisa wies darauf hin, dass sich Nguyen Van Dai seit vielen Jahren unermüdlich und unter Einsatz seines Lebens für Minderheiten, für Menschenrechte und für Rechtsstaatlichkeit in Vietnam einsetze. Er sei deshalb wiederholt inhaftiert und zuletzt im April wegen Aufruhrs zu 15 Jahren Haft mit anschließendem Hausarrest verurteilt worden. "Wir sind glücklich darüber, dass Van Dais lange Leidenszeit mit Repressionen und Verfolgung jetzt ein Ende gefunden hat", erklärte Gnisa.

Der Deutsche Richterbund hatte Nguyen Van Dai 2017 in Abwesenheit mit dem DRB-Menschenrechtspreis ausgezeichnet. Der Preis soll ihm nun am 13. Juni in Berlin persönlich überreicht werden. Auch die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Bärbel Kofler, hatte das Vorgehen der vietnamesischen Behörden gegen Nguyen Van Dai wiederholt kritisiert.

Seine Freilassung ist ein positives Signal, nachdem die deutsch-vietnamesischen Beziehungen zuletzt auch durch einen anderen Fall belastet wurden. Dabei geht es um den vietnamesischen Geschäftsmann Trinh Yuan Thanh, der im vergangenen Juli aus Deutschland entführt und dann in Vietnam wegen angeblicher Misswirtschaft und Unterschlagung zu lebenslanger Haft verurteilt wurde.