Vietnam erinnert an blutigen Überraschungsangriff im Januar 1968

Mit einer Gedenkfeier hat Vietnam an die blutige Tet-Offensive vor 50 Jahren im Krieg zwischen dem Norden und dem Süden des Landes erinnert. Soldaten marschierten dabei in Vietcong-Uniformen auf

Mit einer Gedenkfeier hat Vietnam am Mittwoch an die blutige Tet-Offensive vor 50 Jahren im Krieg zwischen dem Norden und dem Süden des Landes erinnert. Bei seinem Überraschungsangriff auf mehr als hundert Städte und Stellungen im Süden hatte der kommunistische Norden im Januar 1968 schätzungsweise 58.000 Soldaten verloren. Deren Tod wurde bei der Zeremonie in Ho-Chi-Minh-Stadt als Heldenopfer dargestellt.

Mehr als 80.000 nordvietnamesische Soldaten und Vietcong-Kämpfer nahmen an der Offensive am Vorabend des vietnamesischen Neujahrsfests teil. Die Angriffe zielten unter anderem auf die südvietnamesische Hauptstadt Saigon, die heute Ho-Chi-Min-Stadt heißt. Militärisch war das Vorgehen für die Kommunisten ein Desaster, Südvietnam wehrte die Angriffe mit Hilfe verbündeter US-Truppen ab. Doch in den USA befeuerte der Angriff die Anti-Kriegs-Bewegung und hatte mittelfristig den Rückzug des Landes aus dem Konflikt zur Folge.

Bei der offiziellen Gedenkfeier in Ho-Chi-Minh-Stadt verkleideten sich Schauspieler als Soldaten und Bauern. Bei Vorführungen traten Fahnen schwenkende Tänzer und Kampfsportler auf. Anwesend waren auch mehrere Veteranen der Offensive. "Wir leisteten dem Feind Widerstand, bis wir keine Kugeln mehr hatten", erzählte ein 75-jähriger Veteran der Nachrichtenagentur AFP.

Dabei gehen in Vietnam die Erinnerungen an die Tet-Offensive auseinander. Vor allem die ehemaligen Soldaten des Südens stimmen der offiziellen Darstellung der Machthaber nicht zu. Wie diese aussieht, erläuterte ein Vertreter der sozialistischen Einheitspartei in Ho-Chi-Minh-Stadt am Mittwoch. Demnach werde die Offensive des Jahres 1968 für immer ein "leuchtendes Symbol des Patriotismus" bleiben.

Die Zahl der insgesamt im Vietnamkrieg getöteten Soldaten des Nordens wird auf etwa zweieinhalb Millionen geschätzt. 300.000 werden bis heute vermisst. Zudem verloren etwa drei Millionen Zivilisten ihr Leben. 58.000 US-Soldaten wurden getötet.