Vierter Atommülltransport auf dem Neckar erneut von Protesten begleitet

Auf dem Neckar in Baden-Württemberg ist erneut ein Atommülltransport unterwegs. Ein mit drei Castoren beladener Schubverband legte im stillgelegten Kernkraftwerk Obrigheim ab und fährt nun in das Zwischenlager am Meiler Neckarwestheim

Begleitet von Protesten zahlreicher Atomkraftgegner hat am Donnerstag in Baden-Württemberg ein weiterer Castortransport auf dem Neckar das Zwischenlager Neckarwestheim erreicht. Das mit hochradioaktiven Brennelementen aus dem stillgelegten Kernkraftwerk Obrigheim beladene Spezialschiff legte nach gut elfstündiger Fahrt am frühen Nachmittag in Neckarwestheim an, wie die Polizei in Göppingen mitteilte. Mit einer schwimmenden Antiatomdemonstration versuchten Aktivisten, den mittlerweile vierten Atommülltransport aus Obrigheim zu blockieren.

Der mit drei Castoren beladene Schubverband war am Donnerstagmorgen gegen 02.00 Uhr im Atomkraftwerk Obrigheim gestartet, wie der Energiekonzern EnBW in Karlsruhe mitteilte. Bereits im Juni, September und Oktober hatte es solche Transporte in das Zwischenlager Neckarwestheim gegeben.

Entlang der Castorstrecke gab es nach Angaben der Umweltorganisation Robin Wood und des Bündnisses Neckar Castorfrei auch am Donnerstag mehrere Protestaktionen. In Heilbronn gab es eine Mahnwache. Später stiegen mehrere Aktivisten mit blauen Fässern und aufblasbaren Antiatomenten ins Wasser. Die Polizei fischte Enten und Fässer heraus. Die acht Schwimmer wurden nach Polizeiangaben kurzzeitig in Gewahrsam genommen.

Die Kernkraftgegner forderten von der grün-schwarzen Landesregierung in Baden-Württemberg den sofortigen Stopp der "unsinnigen und gefährlichen Atommülltransporte". "Atommüll wird dadurch nicht weniger, dann man ihn hin und her fährt", kritisierte Franz Wagner vom Bündnis Neckar Castorfrei.

Mit Blick auf die Weltklimakonferenz in Bonn bekräftigten die Aktivisten ihre Forderung nach einem Atomausstieg. Jedes noch laufende Atomkraftwerk "hemmt den sozial-ökologischen Umbau der Energiewirtschaft und blockiert täglich die Energiewende", erklärte Robin Wood.

Vom Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit war der Transport von insgesamt 342 verbrauchten Brennelementen aus Obrigheim nach Neckarwestheim genehmigt worden. In diesem Jahr ist noch ein fünfter Transport geplant.