Vier Terrorverdächtige nach Anschlägen in Katalonien vor Gericht

Mohamed Houli Chemlal (l.) ist einer der Verdächtigen

Nach den Anschlägen in Katalonien sind die überlebenden vier Terrorverdächtigen am Dienstag einem Gericht in Madrid vorgeführt worden. Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen wurden die mutmaßlichen Mitglieder einer Terrorzelle am Morgen zu einer Anhörung in den Staatsgerichtshof in Madrid gebracht. Ein Richter sollte darüber entscheiden, welche Anschuldigungen gegen die Männer erhoben werden.

Die vier Verdächtigen sind die einzigen Überlebenden einer zwölfköpfigen Terrorzelle, die für die Anschläge in Barcelona und Cambrils mit 15 Todesopfern und mehr als 120 Verletzten verantwortlich sein soll. Dem Gericht vorgeführt wurden nach Angaben aus Justizkreisen Driss Oukabir, Mohammed Aallaa, Salh El Karib und Mohamed Houli Chemlal.

Chemlal ist ein Spanier aus der spanischen Nordafrika-Exklave Melilla. Der 21-Jährige zog sich am vergangenen Mittwoch Verletzungen zu, als sich in einem Haus in Alcanar eine gewaltige Explosion ereignete. In diesem Haus hatten die Attentäter nach dem Stand der Ermittlungen ein Lager mit Chemikalien zur Herstellung von Sprengstoff angelegt.

Die anderen drei Verdächtigen sind Marokkaner. Der 28-jährige Driss Oukabir ist ein älterer Bruder des 17-jährigen Moussa Oukabir, der an dem Auto-Anschlag in Cambrils beteiligt war und dort mit vier weiteren mutmaßlichen Mitgliedern der Terrorzelle von der Polizei erschossen wurde.

Der 27-jährige Mohammed Aallaa ist der Eigentümer des Audi, der bei dem Anschlag in Cambrils eingesetzt wurde. Der Wagen war weniger als eine Woche vor den Anschlägen in der Nähe von Paris bei einer Geschwindigkeitskontrolle geblitzt worden.

El Karib, ein Freund von Driss Oukabir, hat ebenso wie ein großer Teil der Mitglieder der Terrorzelle in Ripoll am Fuße der Pyrenäen seinen Wohnsitz. Er betreibt dort einen Call-Shop für billige Auslandsgespräche. Er soll laut Presseberichten 34 Jahre alt sein.

Der Hauptattentäter, der 22-jährige Younes Abouyaaqoub, der vergangene Woche einen Lieferwagen in eine Menschenmenge auf Barcelonas Flaniermeile Las Ramblas gesteuert haben soll, wurde am Montag von der Polizei erschossen. Der mutmaßliche Kopf der Terrorzelle, der Imam Abdelbaki Es Satty, kam am vergangenen Mittwoch bei der Explosion im Versteck der Gruppe in Alcanar ums Leben.

Die Attentäter von Barcelona und Cambrils sollen von dem aus Marokko stammenden Imam radikalisiert worden sein. Zu den Anschlägen in Katalonien hat sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannt.

Die Anhörung im Staatsgerichtshof in Madrid fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Ermittlungsrichter Fernando Andreu sollte nach der Anhörung die Anklagepunkte gegen die vier Verdächtigen festlegen. Nach den Anschlägen werden noch immer 48 Verletzte im Krankenhaus behandelt, von denen acht in Lebensgefahr schweben.

Mindestens eines der Mitglieder der Terrorzelle hielt sich nach Angaben der Schweizer Polizei im Dezember 2016 in einem Hotel in Zürich auf. Polizeisprecherin Cathy Maret teilte der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag mit, es sei "noch zu früh", um sich zu den Hintergründen zu äußern. Sie nannte keine Namen und auch nicht den Ort, in dem die Übernachtung stattfand.

In spanischen Medien war davon die Rede, dass Mohamed Hichamy und Youssef A. sich in Zürich aufhielten. Hichamy wurde bei dem Anschlag in Cambrils von der Polizei erschossen, Youssef A. soll bei der Explosion in Alcanar ums Leben gekommen sein.