Neue Werke und Milliardeninvestitionen: Nach 150.000 Vorbestellungen für den F-150 Lightning baut Ford Elektro-Offensive aus

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Der Mustang Mach-E hat zwar wenig mit dem originalen Mustang zu tun, verkauft sich aber trotzdem gut.
Der Mustang Mach-E hat zwar wenig mit dem originalen Mustang zu tun, verkauft sich aber trotzdem gut.

Nachdem Ford großen Umbrüchen lange eher skeptisch gegenüberstand und so drohte den Sprung in die Zukunft zu verschlafen, hat die Elektro-Offensive des Traditionsherstellers mittlerweile richtig Fahrt aufgenommen. Die Amerikaner haben mit dem E-SUV Mustang Mach-E seit dem vergangenen Dezember einen kompetenten Tesla Model Y-Rivalen im Programm, der von der Kundschaft gut aufgenommen wird und auf Anhieb in den Top 5 der amerikanischen Zulassungsstatistik für Elektroautos landete.

Zudem hat die Marke aus Michigan das meistverkaufte Fahrzeug der USA unter Strom gesetzt. Die Ingenieure haben bei dem F-150 Lightning aber nicht nur Batterien in den Unterboden gepackt, sondern tatsächlich einen leistungs- und reichweitenstarken, sowie durchdachten Elektro-Pickup auf die Räder gestellt, der ab nächstem Jahr die Elektrifizierung des amerikanischen Straßenverkehrs vorantreiben soll.

Der F-150 Lightning als rundes Gesamtpaket

Da wo eigentlich die großvolumigen Verbrennungsmotoren sitzen, gibt es beispielsweise ein riesiges und gut zugängliches Staufach. Der Lightning beherrscht zudem das bidirektionale Laden, was ihn vor allem für Handwerker attraktiv machen dürfte. So können mit der in der große Lithium-Ionen-Batterie gespeicherten Energie bei Bedarf auch externe Stromverbraucher wie z.B. Sägen oder Bohrer betrieben werden.

Bei Stromausfällen kann Fords Hoffnungsträger, für den schon jetzt über 150.000 Vorbestellungen vorliegen, sogar Einfamilienhäuser bis zu drei Tage lang mit Strom versorgen. Dazu kommen eine üppige Anhängelast von bis zu 4,5 Tonnen und voraussichtlich Reichweiten zwischen 370 und 480 Kilometern.

Vier neue Werke sollen für genügend Batterien sorgen

Ford hat jetzt angekündigt, dass in den US-Bundesstaaten Tennessee und Kentucky vier neue Werke entstehen sollen. Wahrscheinlich wurde diese Entscheidung auch von der großen Nachfrage nach den elektrischen Erstlingen beeinflusst. Auf lange Sicht wird der Batterie-Bedarf weiter steigen, die Amerikaner planen für die nächsten Jahre schließlich noch weitere Elektro-Modelle. Die Premium-Tochter Lincoln muss auf lange Sicht auch stärker elektrifiziert werden. Insgesamt investiert der Autobauer 11,4 Milliarden Dollar, also umgerechnet rund 9,8 Milliarden Euro in die Fertigungsanlagen.

Dabei handelt es sich um eine der größten Investitionen in der 118 Jahre umfassenden Unternehmensgeschichte. Am Standort Stanton (Tennessee) soll laut Aussage des Unternehmens für 5,6 Milliarden Dollar ein fortschrittlicher und "Blue Oval City" genannter Produktionskomplex entstehen, was mit fast 6.000 neue Jobs in der Region verbunden sein soll.

Ab voraussichtlich 2025 entstehen hier nicht nur Stromspeicher, sondern auch ganze F-150 Lightning. Angesichts der hohen Nachfrage reichen die Produktionskapazitäten im Stammwerk in Dearborn (Michigan) voraussichtlich nicht aus. Dort läuft schließlich auch noch die Variante mit Verbrenner vom Band.

Der F-150 Lightning verfügt über einen riesigen "Frunk" und kann elektrische Geräte mit Strom versorgen.
Der F-150 Lightning verfügt über einen riesigen "Frunk" und kann elektrische Geräte mit Strom versorgen.

129 Gigawattstunden Kapazität pro Jahr

Auf lange Sicht soll der Betrieb der Fabrik klimaneutral sein. Eine Recyclinganlage für Batterien ist ebenfalls Teil des Werks. Des Weiteren möchte der Autobauer gemeinsam mit SK Innovation, einem südkoreanischen Energieunternehmen und Batteriespezialisten, drei weitere Fabriken für Stromspeicher bauen. Zwei davon sollen in Kentucky entstehen, eine weitere ist in Tennessee geplant.

Insgesamt sollen die vier Produktionsstätten jährlich Batterien mit einem zusammengerechneten Energiegehalt von 129 Gigawattstunden produzieren. Zum Vergleich: Der VW-Konzern möchte in seinen insgesamt sechs Fabriken Zellen für bis zu 240 GWh fertigen. Allerdings gehören zu dem deutschen Konzern deutlich mehr Marken. Insgesamt scheint Ford nach einem anfänglichen Zögern eine schlüssige Zukunftsstrategie gefunden zu haben.

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