Vier Männer in Indien wegen Gruppenvergewaltigung von Studentin hingerichtet

Das Verbrechen an der 23-Jährigen entfachte Proteste in Indien

Mehr als sieben Jahre nach der brutalen Gruppenvergewaltigung einer jungen Frau in der indischen Hauptstadt Neu Delhi sind vier Täter hingerichtet worden. Die Männer wurden am Freitagmorgen durch den Strang exekutiert, wie der Leiter des Tihar-Haftanstalt, Sandeep Goel, der Nachrichtenagentur AFP mitteilte. Die Tat im Dezember 2012 hatte Indien und die Welt geschockt - die Hinrichtung am Freitag löste Freudenfeiern in Indien, aber auch Kritik von Menschenrechtskativisten und der EU aus.

"Wir sind zufrieden, dass meiner Tochter nach sieben Jahren endlich Gerechtigkeit widerfahren ist", sagte die Mutter der infolge des Verbrechens verstorbenen Jyoti Singh, Asha Devi, vor dem Gefängnis. "Die Bestien wurden gehängt."

"Heute erfahren alle indischen Frauen Gerechtigkeit", sagte Meena Sharma, die stundenlang vor der Haftanstalt auf die Nachricht der Hinrichtung wartete und eine Nationalflagge bei sich trug. "Heute ist eine großer Tag für uns." Freudenfeiern gab es auch im Heimatdorf Singhs im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh.

Regierungschef Narendra Modi twitterte, Gerechtigkeit habe "gesiegt". Es sei von "äußerster Wichtigkeit", dass die Würde und Sicherheit von Frauen geschützt würden.

Kritik übten jedoch Menschenrechtsorganisationen und die EU. Die Täter der "abscheulichen Taten" müssten zur Rechenschaft gezogen werden und "angemessene Strafen" erhalten, erklärte ein EU-Sprecher. Brüssel lehne die Todesstrafe aber als "grausam und unmenschlich" ab.

Der Fall der 23-jährigen Physiotherapie-Schülerin Jyoti Singh, die letztlich an den erlittenen Verletzungen starb, hatte in Indien und international für Entsetzen gesorgt. Die Frau war im Dezember 2012 überfallen worden, als sie mit einem Freund nach dem Kino in einem Bus nach Hause fahren wollte. Der Freund wurde von sechs Angreifern zusammengeschlagen und beraubt, Singh vergewaltigt und mit einer Eisenstange schwer misshandelt.

Nach mehr als einer Stunde warfen die Männer ihre Opfer an einer Hauptstraße aus dem Bus und versuchten sogar noch, sie zu überfahren. Singh starb fast zwei Wochen später an ihren inneren Verletzungen in einem Krankenhaus in Singapur.

Sie konnte zuvor jedoch noch ihre sechs Peiniger identifizieren. Der Anführer der Gruppe wurde 2013 nach einem mutmaßlichen Suizid tot in seiner Gefängniszelle gefunden. Ein anderer Beteiligter war zur Tatzeit erst 17 Jahre alt und wurde deshalb zu drei Jahren Haft verurteilt. Er kam bereits 2015 wieder frei.

Die anderen vier wurden zum Tode verurteilt. Allerdings wurde ihre Hinrichtung drei Mal verschoben. Ein Gericht lehnte am Donnerstag ihren letztmöglichen Antrag auf Aufschub ab. In Indien war seit 2015 keine Todesstrafe mehr vollstreckt worden.

Das brutale Verbrechen hatte ein Schlaglicht auf die sexuelle Gewalt gegen Frauen in Indien geworfen. 2018 wurden nach offiziellen Zahlen knapp 34.000 Vergewaltigungen gemeldet, die Dunkelziffer ist vermutlich aber deutlich höher. Als Konsequenz aus der schockierenden Tat und den darauffolgenden Protesten wurden die Strafen für Sexualstraftäter angehoben, gegen Wiederholungstäter kann seither die Todesstrafe verhängt werden.