Sechs Kinder sterben bei Beschuss von Grundschule in syrischer Rebellenhochburg

In der Region Ost-Ghuta bei Damaskus sind nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte aind am Dienstag acht Menschen bei Angriffen von Regierungstruppen getötet worden. Darunter seien mindestens vier Schulkinder

Beim Beschuss einer Grundschule in einer Rebellenhochburg nahe Damaskus sind mehrere Kinder getötet worden. Der Granatenangriff am Dienstag galt der belagerten Stadt Dschisrin in der Region Ost-Ghuta, eines der Geschosse explodierte bei Unterrichtsende direkt vor der Schule. Aktivisten sprachen von sechs getöteten Kindern und einem erwachsenen Todesopfer. Sie machten Regierungstruppen dafür verantwortlich. Auch andere Orte in Ost-Ghuta wurden angegriffen, dort gab es weitere Opfer.

Ein AFP-Fotograf sah im Krankenhaus von Dschisrin die Leichen von vier getöteten Kindern. Ein überlebendes Kind berichtete: "Ich kam gerade aus der Schule und wollte in eine Seitenstraße abbiegen, als die Granate einschlug. Es gab Tote und Verletzte."

In dem Krankenhaus waren mehrere Kinder mit zum Teil schweren Verletzungen in Behandlung, einige standen unter Schock. Ein Kind wurde wegen eines abgetrennten Beines behandelt. Weinende Angehörige trauerten um die toten Kinder. Auf dem Asphalt vor der Schule waren Blutlachen zu sehen, ebenso wie blutgetränkte Kinderschuhe und zurückgelassene Schulranzen mit Unicef-Emblem.

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle bezifferte die Zahl der getöteten Kinder auf sechs. Nach Krankenhausangaben wurden rund 25 Menschen verletzt.

Ein weiterer Angriff traf das Gebiet Mesraba in Ost-Ghuta, dabei starben nach Angaben der Beobachtungsstelle vier Menschen, unter ihnen zwei Kinder. Ein AFP-Journalist sah dort, wie freiwillige Helfer in der Leichenhalle die Leichen eines Vaters und seines Sohnes in weiße Plastiksäcke steckten. Angehörige forderten Vergeltung: "Gott möge sich an den Unterdrückern rächen", rief der Bruder des getöteten Mannes.

Auch die nahe gelegene Ortschaft Harasta wurde laut Beobachtungsstelle zum Ziel eines Angriffs. Zehn Menschen, unter ihnen fünf Kinder, wurden demnach verletzt. Auch hier sei eine der Granaten in der Nähe einer Schule eingeschlagen.

Für die Granatenbeschüsse war nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte die syrische Armee verantwortlich. Die Beobachtungsstelle steht den bewaffneten Gegnern der syrischen Regierung nahe und bezieht ihre Informationen über ein Netzwerk von Aktivisten in Syrien. Ihre Angaben können von unabhängiger Seite nur schwer überprüft werden.

Die Armee von Staatschef Baschar al-Assad belagert die Rebellenhochburg Ost-Ghuta seit 2013. Die Region mit knapp 400.000 Bewohnern war einst eines der wichtigen landwirtschaftlichen Gebiete Syriens. Heute leiden die Menschen dort an Nahrungs- und Medikamentenmangel.

Am 22. Juli hatte die syrische Regierung eine Waffenruhe für die Region verkündet. Ost-Ghuta ist Teil einer sogenannten Deeskalationszone, auf die sich die Konfliktparteien bei ihren Friedensgesprächen in der kasachischen Hauptstadt Astana unter Vermittlung der Türkei, Russland und dem Iran einigten.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen rief am Dienstag in New York zum besonderen Schutz von Schulen in Konfliktgebieten weltweit auf. In einer Erklärung zeigte sich das UN-Gremium "tief besorgt angesichts der Nutzung von Schulen zu militärischen Zwecken". Eine solche missbräuchliche Nutzung könne Schulen "zum Ziel von Angriffen machen und damit die Sicherheit von Kindern und Lehrkräften gefährden", hieß es in der Erklärung.

Erst kürzlich hatte ein konkreter Fall die Vereinten Nationen beschäftigt: UN-Generalsekretär Antonio Guterres kritisierte Saudi-Arabien dafür, im Nachbarland Jemen eine Schule angegriffen zu haben. Saudi-Arabien rechtfertigte sich damit, dass feindliche Kämpfer die Schule als Waffenlager genutzt hätten und diese deswegen nicht als geschützte Bildungseinrichtung angesehen werden konnte.