Vier Frauen mehr in Vorständen großer deutscher Unternehmen seit Jahresbeginn

Der Frauenanteil in den Vorständen von Deutschlands großen börsennotierten Unternehmen bleibt trotz kleiner Fortschritte verschwindend gering

Der Frauenanteil in den Vorständen von Deutschlands großen börsennotierten Unternehmen bleibt trotz kleiner Fortschritte verschwindend gering. Am Stichtag 1. Juli hatten in den 160 börsennotierten Firmen insgesamt 47 Frauen einen Vorstandsposten - vier mehr als vor sechs Monaten und sieben mehr als vor einem Jahr, wie die Unternehmensberatung EY am Montag mitteilte. Diesen 47 Frauen stehen demnach 630 Männer gegenüber.

Bei drei Viertel der untersuchten 160 Unternehmen sind die Männer in den Vorständen unter sich, wie EY erklärte. Der Anteil der Unternehmen mit mindestens einem weiblichen Vorstandsmitglied kletterte seit Jahresbeginn von 23,1 auf 25 Prozent.

Mehr als eine Frau im Vorstand gibt es derzeit nur in fünf der 30 im Deutschen Aktienindex (Dax) notierten Unternehmen: bei der Allianz, bei Daimler, der Deutschen Bank, Siemens und dem Rückversicherungskonzern MunichRe. Bei den im MDax notierten 50 mittelgroßen Unternehmen kann nur die Aareal Bank zwei Vorstandsfrauen vorweisen.

Wenn die Zahl der Frauen in den Vorstandsgremien weiter so langsam steigt wie im ersten Halbjahr, wird es bis zum Jahr 2040 dauern, bis ein Drittel der Vorstandsposten mit Frauen besetzt ist, wie Ulrike Hasbargen erklärte, Partnerin bei EY. Grundsätzlich vollziehe sich aber durchaus ein Mentalitätswandel: "Es setzt sich immer stärker die Erkenntnis durch, dass eine offene Unternehmenskultur, in der Vielfalt tatsächlich gelebt wird und kein Lippenbekenntnis ist, auch die Basis für einen nachhaltigen Unternehmenserfolg ist."

Frauenministerin Katarina Barley und Justizminister Heiko Maas (beide SPD) hatten Ende Juni - zwei Jahre nach Einführung der gesetzlichen Frauenquote in Aufsichtsräten - Bilanz gezogen und eine solche staatliche Vorschrift auch für Vorstände ins Spiel gebracht. "Wenn sich dort nicht jetzt in absehbarer Zeit etwas tut, dann wird man auch dort eine Verbindlichkeit einführen müssen", sagte Barley.

Die gesetzliche Frauenquote von 30 Prozent im Aufsichtsrat gilt für börsennotierte und voll mitbestimmte Unternehmen. Derzeit sind das 104.