Vier weitere Festnahmen in Pakistan nach Vergewaltigung von Mädchen als Racheakt

Nach der Vergewaltigung einer jungen Frau in Pakistan als Vergeltung für einen von ihrem Bruder begangenen Missbrauch sind vier weitere Verdächtige festgenommen worden. Insgesamt wurden 18 Menschen gefasst, darunter der mutmaßliche Vergewaltiger der Jugendlichen

Nach der Vergewaltigung einer jungen Frau in Pakistan als Vergeltung für einen von ihrem Bruder begangenen Missbrauch sind vier weitere Verdächtige festgenommen worden. Insgesamt seien 18 Menschen gefasst worden, darunter der mutmaßliche Vergewaltiger der Jugendlichen, hieß es am Donnerstag aus einer Polizeiquelle. Ein Stammesrat in einem Vorort der Stadt Multan hatte beschlossen, dass die 16-Jährige vergewaltigt werden müsse, nachdem ihr Bruder ein zwölfjähriges Mädchen missbraucht hatte.

Der Bruder des kleinen Mädchens hatte sich an den Dschirga genannten Dorfrat gewandt und den Fall bekannt gemacht. Daraufhin ordnete der Rat an, dass der Bruder der Zwölfjährigen als "Strafe" die Schwester des mutmaßlichen Vergewaltigers missbrauchen solle. Dies tat der Bruder, der inzwischen in Polizeigewahrsam ist.

Beide Seiten hätten sich gegenseitig angezeigt, sagte der Polizeisprecher Allah Baksh am Mittwoch. Die beiden Opfer befinden sich demnach in einem Frauenhaus. Das Oberste Gericht des Landes hat Ermittlungen angeordnet.

Die Dschirgas, in denen die Dorfältesten sitzen, schlichten in ländlichen Gegenden Pakistans traditionell Streitigkeiten. Die Räte sind aber illegal, ihre Entscheidungen gerade in Bezug auf Frauen sind oftmals umstritten.

Traurige Berühmtheit erlangte der Fall der Pakistanerin Mukhtar Mai, die im Jahr 2002 von einer Gruppe von Männern vergewaltigt worden war. Ein Stammesrat hatte die Vergewaltigung damals als "Strafe" für eine vermeintliche Beziehung des zwölfjährigen Bruders des Opfers zu einer Angehörigen eines rivalisierenden Stammes angeordnet.

Mai zeigte ihre sechs Vergewaltiger an. Diese wurden zunächst zum Tode verurteilt, fünf von ihnen kamen aber nach einem Berufungsprozess frei. Die Strafe des sechsten Mannes wurde in lebenslänglich umgewandelt.