Vier Angeklagte nach Sturz von Sklavenhändlerstatue in England freigesprochen

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Die vier Angeklagten vor dem Gericht in Bristol (AFP/Geoff Caddick)

Im Prozess um den Sturz einer Sklavenhändlerstatue in Großbritannien sind vier Angeklagte freigesprochen worden. Ein Gericht sprach die drei Männer und eine Frau im Alter zwischen 21 und 36 Jahren am Mittwoch vom Vorwurf der Sachbeschädigung frei. Die Angeklagten hatten die Tat am Rande einer Black-Lives-Matter-Demonstration im Juni 2020 in Bristol zwar zugegeben, aber einen kriminellen Charakter ihrer Handlung bestritten und auf nicht schuldig plädiert.

Beim Verlassen des Gerichtssaals dankte die freigesprochene Rhian Graham allen, die bei der Demonstration im Juni 2020 "im Namen der Gleichheit" demonstriert hatten. Die vier Angeklagten erschienen mit T-Shirts, die der aus Bristol stammende Straßenkünstler Banksy zu ihrer Unterstützung entworfen hatte.

Die seit Jahren umstrittene Statue des Sklavenhändlers Edward Colston war am 7. Juni 2020 von Demonstranten umgestürzt und ins Hafenbecken der Stadt geworfen worden.

"Die Wahrheit ist, dass die Angeklagten niemals hätten angeklagt werden dürfen", sagte Raj Chada, Anwalt des Angeklagten Jake Skuse. "Es ist eine Schande, dass die Stadtverwaltung von Bristol die Statue des Sklavenhändlers Edward Colston nicht entfernt hat und ebenso beschämend, dass sie dann die Strafverfolgung unterstützt hat."

Der konservative Abgeordnete Colston war durch den Sklavenhandel reich geworden. Er soll zwischen 1672 und 1689 rund 100.000 westafrikanische Sklaven in die Karibik und in die USA verkauft haben, bevor er mit seinem Vermögen die Entwicklung von Bristol vorantrieb, was ihm lange Zeit den Ruf eines Philanthropen einbrachte.

Im Zuge der Black Lives Matter-Bewegung wurde in Großbritannien eine neue Phase der Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit des Landes ausgelöst. Mehrere führende britische Organisationen wie die Bank of England oder Lloyds, die Sklavenschiffe versicherten, entschuldigten sich. Behörden wie die City of London beschlossen, Statuen zu entfernen, die mit der Sklaverei in Verbindung gebracht werden.

In Bristol wurden zwei Schulen und eine Veranstaltungshalle umbenannt, die Colstons Namen trugen. Die versenkte Statue von Colston war von den Behörden aus dem Wasser gefischt worden und stand ein Jahr nach ihrem Sturz im Mittelpunkt einer Sonderausstellung in Bristol, die der Entstehung der Black Lives Matter-Bewegung im Vereinigten Königreich gewidmet war.

mkü/gt

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