Viele Vorwürfe, wenig Klarheit: So war Annalena Baerbocks Auftritt bei RTL

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Bei RTL stellte sich Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock den Fragen des Publikums. (Bild: 2021 Getty Images/Sean Gallup)
Bei RTL stellte sich Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock den Fragen des Publikums. (Bild: 2021 Getty Images/Sean Gallup)

Am Dienstagabend brachte RTL Zuschauerinnen und Zuschauer mit der Grünen-Spitzenkandidatin zusammen. Dabei musste sich Annalena Baerbock unter anderem den Fragen einer Landwirtin, einer alleinerziehenden Mutter und eines Stahlarbeiters stellen.

Corona-konform mit Abstand saß die grüne Spitzenkandidatin am Dienstagabend mit den Zuschauerinnen und Zuschauern zusammen, die RTL für das Format "Am Tisch mit Annalena Baerbock: Zuschauer fragen" ins Studio eingeladen hatte. Unter anderem waren eine Landwirtin, der Leiter eines Pflegeheims und ein Stahlarbeiter zu Gast. Letzterer, Chris Rücker aus Eisenhüttenstadt, stellte Baerbock gleich zu Beginn die Frage, was sie tun werde, "um unsere Zukunft zu sichern und die Jobs in Eisenhüttenstadt zu erhalten?" Er wolle nicht, dass die gut bezahlten Arbeiter des Stahlwerks durch die Umstellung auf "grünen Stahl" in Niedriglohn-Jobs umsiedeln müssten.

Dem pflichtete die Kanzlerkandidatin bei. Der Schmelzer solle sich wegen steigender Energiepreise keine Sorgen um seine Arbeit machen müssen, so Baerbock. Wie die deutsche Stahlindustrie zukünftig im Wettbewerb mit den Dumpingpreisen Chinas überleben solle, wollte auch Moderator Peter Kloeppel wissen. "Mit einem Klimazoll" für subventionierten Billigstahl, lautete die Antwort der Grünen-Politikerin.

Wichtige Themen, aber kaum Sendezeit

Dass sich die bisherige Regierung zu sehr aus Klimafragen herausgehalten habe, erklärte Baerbock nicht nur im Zusammenhang mit grünem Stahl, sondern auch als Antwort auf eine Frage von Agnes Greggersen. Die Milchbäuerin wollte wissen, wie eine grüne Bundesregierung garantieren könne, dass sich der Umstieg auf ökologische Landwirtschaft auch lohne - für alle Seiten. Man müsse Dumpingpreise verhindern, sagte Baerbock. Ihr Vorschlag, die Industrie mit einem zusätzlichen Tierschutz-Cent zu stärken, überzeugte Greggersen jedoch nicht. Ein Cent reiche nicht aus, um einen klimaneutralen Kuhstall zu bauen, so die Landwirtin. Der Einwand blieb unbeantwortet.

Immer wieder drängte Peter Kloeppel seine Gäste und auch die Kanzlerkandidatin dazu, sich möglichst kurzzuhalten. Die Zeit reiche sonst nicht aus, so Kloeppel. Und so blieb vor allem der fade Beigeschmack, dass keines der überaus relevanten Themen tatsächlich zur Genüge besprochen werden konnte. So wurden fehlende Kita-Plätze, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Pflegenotstand und Hartz IV angerissen, doch ein wirklicher Diskurs kam kaum zustande. Das Schicksal von Christina Neufend, einer Frührentnerin, die durch einen Arbeitsunfall in die Armut gerutscht ist, wird wohl am ehesten im Gedächtnis bleiben. "Ich kämpfe tagtäglich ums Überleben", erklärte die 63-Jährige, die nebenher noch ihre kranke Mutter pflegt. Vor allem die Geschichte von Neufend berührte Baerbock sichtlich: "Das ist einer der Gründe, warum ich gesagt habe: Ja, ich trete an. Ich trete auch an als Bundeskanzlerin."

Nach Baerbock sollen auch Armin Laschet und Olaf Scholz am RTL-Tisch Platz nehmen. Der Kanzlerkandidat der Union ist am Sonntag, 19. September, 19.05 Uhr, in der Runde zu Gast. Die Sendung mit Scholz zeigt RTL am Montag, 20. September, 22.35 Uhr.

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