Wie viel Geld ist möglich? Mit diesem Tool könnt ihr euer persönliches Gehaltsmaximum berechnen

Judith Schallenberg-Kappius
·Lesedauer: 3 Min.

Viel Erfahrung, viel Gehalt? Grundsätzlich stimmt das. Schließlich verdienen viele Menschen nach Jahrzehnten im Beruf ihr höchstes Gehalt. Doch das ist nicht die Regel. In der freien Wirtschaft ergibt sich der höchste Lohn nicht analog zum Maximum an Berufserfahrung. Stattdessen fahren Beschäftigte ihr Gehaltsmaximum in der Mitte ihrer Karriere ein, ermittelten Analysten der Online-Stellenbörse Stepstone*. Nach diesem Punkt stagnieren die Gehälter oder beginnen bis zum Renteneintritt leicht zu sinken.

Frauen erzielen ihren Gehaltszenit demnach mit 41 Jahren: Es sind im Schnitt rund 50.500 Euro jährlich. Demgegenüber steigt das Gehalt der Männer bis zum 52. Lebensjahr weiter an, dann erzielen sie ihr Maximalgehalt von durchschnittlich rund 62.500 Euro. Es liegt zu diesem Zeitpunkt 25 Prozent über dem von Frauen. Den Daten liegt eine Auswertung der Durchschnittslöhne von gut 250.000 Stepstone-Nutzern zwischen Januar 2019 und September 2020 zugrunde.

Wer das eigene Gehaltsmaximum ermitteln möchte, kann dazu ein von Stepstone entwickeltes Tool nutzen, den „Gehaltspotenzial-Rechner“. Er lässt sich mit Angaben etwa zu Alter, Bruttojahresgehalt und Branche füttern und berechnet, wann in Relation zu den geleisteten Arbeitsstunden das höchste Gehalt im Karriereverlauf winkt. Außerdem lässt sich der eigene Lohn mit der Vergütung in anderen Branchen, Berufsfeldern, Standorten und Abschlüssen vergleichen. „Wir wollen, dass jeder Mensch zu jeder Zeit weiß, welches Gehalt sie oder er im Laufe des Arbeitslebens erreichen kann“, sagt André Schaefer, Gehaltsexperte bei Stepstone.

Beim Berufseinstieg ist die Lohnlücke gering, später immer größer

Der Rechner offenbart, was den Verdienst im Verlauf der Karriere vor allem bestimmt: die Branche, die Arbeitsregion, der Grad an Verantwortung, der Bildungsabschluss und das Einstiegsgehalt. Vor allem aber ist es, und das überrascht nicht, das Geschlecht. 

Zu Karrierebeginn verdienen Frauen und Männer noch vergleichbar viel. Mit 21 Jahren sind es bei Frauen im Schnitt 31.800 Euro brutto pro Jahr, bei Männern 32.500 Euro. Der Gender Pay Gap ist also bereits sichtbar, aber noch nicht ausgeprägt.

Dafür bedarf es weiterer Einflussgrößen wie der Tätigkeit in einer lukrativen Branche. Eine solche wählen Frauen seltener als Männer. „Häufig arbeiten Männer zum Beispiel in der recht gut bezahlten Automobilindustrie“, sagt Gehaltsexperte Schaefer. Sie greifen auch häufiger zur Macht – Personalverantwortung ist ein weiterer Schlüssel zu mehr Geld. Bis zur Rente steigt die Lohnlücke dann immer weiter an.

Auch der Bildungsabschluss beeinflusst die Gehaltsentwicklung. So erreichen Personen mit Diplom ihr maximales Gehalt elf Jahre früher als Personen mit Ausbildungsabschluss. Von ihnen ziehe es viele in den Öffentlichen Dienst, beobachtet Schaefer. „Dort sind Gehaltssteigerungen tariflich geregelt und erfolgen meist nicht so rasant wie in der freien Wirtschaft." Das Gehalt der Beschäftigten steige langsamer an und erreiche erst am Ende des Berufslebens den Höhepunkt.

Mehr Geld: durch Gehaltsverhandlung, Weiterbildung, Personalverantwortung

Wer in einer Hochlohnbranche arbeitet, erreicht das Gehaltsmaximum früher: in der Bankenbranche etwa im Schnitt schon mit 48 Jahren. „Überdurchschnittlich bezahlte Finanzexpertinnen und -experten erzielen hier bereits bereits früh sehr hohe Gehälter“, sagt Schaefer. Etwa im Investmentbanking.

Doch selbst wenn Frauen Branchen wählen, die schlechtere Löhne zahlen, gäbe es Wege, mehr Gehalt herauszuholen. „Die Analysen zeigen, dass die Gehaltserwartungen von Frauen häufig deutlich niedriger sind als die von Männern“, sagt Gehaltsexperte Schaefer. „Und das bei gleicher Qualifikation.“ Er führt das unter anderem auf kulturelle Gründe zurück.

Wenn ihr also sichergehen wollt, dass ihr alles tut, um ein Topgehalt herauszuholen, solltet ihr die marktüblichen Gehälter in eurer Branche kennen - und das Gehalt nachverhandeln. „Wer mehr verdienen will, dem raten wir vor allem, sich fortlaufend weiterzubilden oder auch Personalverantwortung zu übernehmen“, sagt Schaefer. „Auch ein Jobwechsel zahlt sich in der Regel finanziell aus.“

VIDEO: So viel verdient der Deutsche im Durchschnitt