Zündkerzen-Drama: Das machte Silber besser als Ferrari

Stefan Junold, Tobias Wiltschek
Sebastian Vettel (M.) steigt frustriert aus seinem Ferrari

Lange, sehr lange noch saß Sebastian Vettel in seinem Ferrari. Fast schien es, als fehle ihm selbst für das Aussteigen aus dem Auto der Antrieb. 

In den Minuten davor - das ist ihm wohl erst in diesem Moment richtig klar geworden - hat der Deutsche die WM verloren; noch nicht endgültig, aber so gut wie.

Nach nur vier Runden musste der Heppenheimer beim Großen Preis von Japan seinen Boliden abstellen, während sich sein Konkurrent Lewis Hamilton anschickte, auch dieses Rennen zu gewinnen und nun mit 59 Punkten Vorsprung in die letzten vier Rennen geht. Wieder einmal konnte sich der Brite nicht nur auf seine fahrerischen Qualitäten, sondern auch auf die Haltbarkeit seines Renners verlassen.

Vettel wie versteinert

Im Gegensatz zu Vettel. Dessen Teamchef Maurizio Arrivabene war der Erste, der sich um den Deutschen kümmerte, mit ihm sprach, ihn tröstete. Ob der das aber überhaupt wahrgenommen hat? Wie versteinert wirkte er, als er das erklären sollte, was nicht zu erklären war.


"Dass solche Dinge passieren, ist natürlich bitter. Ich will nicht sagen, das gehört dazu, aber manchmal trifft es einen", sagte Vettel. Ein Problem mit einer Zündkerze war es diesmal, das den viermaligen Weltmeister den möglichen Sieg gekostet hat.

Ein Problem, das die Silberpfeile bei Hamilton auch hatten. Allerdings hatten die Mercedes-Mechaniker noch in der Nacht vor dem Rennen das Problem erkannt und die Zündkerze gewechselt. Ein kleines, aber wichtiges Detail, das den derzeitigen Unterschied zwischen Mercedes und Ferrari unterstreicht.

"Wir haben das Problem schon bei der Fahrt in die Startaufstellung bemerkt, dann auch in der Einführungsrunde. Es war keine Leistung da, schon am Start nicht. Sonst wäre ich (an Hamilton, Anm. d. Red.) vorbeigekommen", erklärte Vettel den Grund für den Ausfall. 

Nicht der erste Defekt

Wieder war es ein technischer Defekt - wie schon in Malaysia vor einer Woche, als ihn ein Motorschaden schon im Qualifying aller Siegchancen beraubte. Schon damals wurde Kritik an den Entscheidungsträgern und der Crew von Ferrari laut.

Kritik, die nach dem neuerlichen Desaster in Rot noch härter werden wird. Vettel weiß das. Wohl deshalb nimmt er sich zurück - und seine Mechaniker in Schutz. "Die Jungs sind alle mit Vollgas dran, das Beste herauszuholen. Unsere Leute haben bisher unglaubliche Arbeit geleistet", sagte der 30-Jährige.

Vettel: "Wir haben noch eine Chance"

Am Ende seiner Ausführungen hatte er dann zumindest wieder so viel Energie, dass er noch ein wenig Optimismus versprühte: "Wir werden bei den ausstehenden Rennen wieder mit Vollgas antreten. Wir haben noch eine Chance."

Dennoch: Von Vettel werden aus Suzuka die Bilder der Verzweiflung in Erinnerung bleiben. Sie waren so eindringlich, dass selbst Mercedes-Boss Niki Lauda bei RTL einräumte: "Vettel tut mir so langsam leid."