Vettel nach Sieg dicht vor Vize-Titel - Hamilton glänzt

Sebastian Vettel (r.) gewann das Rennen in Brasilien vor Valtteri Bottas (l.)

Sebastian Vettel hat zwei Wochen nach seiner endgültigen WM-Niederlage Stärke gezeigt und seinen ersten Sieg seit 105 Tagen gefeiert - nun greift der Heppenheimer entschlossen nach seiner ersten Vize-Weltmeisterschaft mit Ferrari.

Vettel gewann den Großen Preis von Brasilien am Sonntag vor seinem Kontrahenten Valtteri Bottas im Mercedes, ein Rennen vor Schluss hat er damit beste Chancen auf den zweiten Platz im Endklassement. 

 "Ich bin sehr glücklich für alle im Team. Es waren harte Wochen für uns. Deswegen ist es besonders schön, hier beide Autos auf das Podium gebracht zu haben", sagte Vettel: "Es ist eine große Erleichterung da. Es war ein hartes Rennen, es gab keinen Platz für Fehler."

Bottas erklärte geknickt: "Unser Ziel war, das Rennen zu gewinnen. Dass das nicht geklappt hat, ist enttäuschend."

Hamilton mit eindrucksvoller Aufholjagd

Der längst als Weltmeister feststehende Lewis Hamilton konnte in den Kampf um den Sieg trotz einer eindrucksvollen Aufholjagd vom letzten auf den vierten Rang am Ende nicht mehr eingreifen.

Der Brite war im Qualifying nach einem Unfall früh ausgeschieden, wechselte daraufhin verschiedene Motorenteile und startete aus der Box.

Kimi Räikkönen im zweiten Ferrari wurde Dritter. Überschattet wurde das unterhaltsame Rennwochenende durch Raubüberfälle auf Teammitglieder und Offizielle nahe der Strecke.


Vettel: "Wollen nicht erneut versagen"

Vettel geht mit nun 22 Punkten Vorsprung auf den drittplatzierten Bottas in das Saisonfinale in Abu Dhabi (26. November), noch 25 Zähler sind maximal zu gewinnen.

"Das Höchste, was wir jetzt noch erreichen können, ist der zweite Platz", hatte Vettel schon vor dem Rennen gesagt: "Wenn wir das nicht schaffen, haben wir erneut versagt. Das wollen wir nicht."

Felipe Massa schloss sein letztes Heimrennen in der Formel 1 auf dem siebten Platz ab. Der 36-Jährige beendet nach der Saison seine Karriere, damit wird im kommenden Jahr erstmals seit 1969 kein Brasilianer in der Formel 1 starten. Nico Hülkenberg wurde im Renault Zehnter, Pascal Wehrlein fuhr im Sauber auf den 14. Rang.

Fehlende Sicherheit ein Dauerthema

Ein Dauerthema rund um das Rennen war die mal wieder fehlende Sicherheit am Autodromo Jose Carlos Pace. Am Freitagabend waren Teammitglieder von Mercedes auf der Fahrt ins Hotel mit vorgehaltener Waffe ausgeraubt worden, Vertreter des Weltverbandes FIA entkamen nur dank ihres gepanzerten Autos einem Überfall.

Vor allem Hamilton legte den Finger in die Wunde. "So etwas passiert hier in jedem einzelnen Jahr", sagte der Brite: "Die Formel 1 und die Teams müssen mehr tun, es gibt keine Entschuldigungen!"

Die Frage, ob das ohnehin wackelnde Rennen in Sao Paulo angesichts der Sicherheitslage in Zukunft noch tragbar ist, wurde häufig gestellt am Wochenende. Formel-1-Sportchef Ross Brawn will allerdings für den Grand Prix in Brasilien kämpfen: "Wir müssen die Sicherheit verbessern. Es ist ein fantastisches Rennen, wir müssen einen Weg finden."

Vettel düpiert Bottas am Start

2017 zumindest sah Interlagos eine unterhaltsame Vorstellung. Gleich am Start übernahm Vettel die Führung von Bottas, der in dieser Situation zu zaghafte Finne verpasste es, die Innenbahn zu schließen.

Aufgrund gleich mehrerer Kollisionen auf dem ersten Kilometer kam zunächst das Safety Car zum Einsatz. Nach dem Restart schaffte es Vettel, eine Lücke von rund zwei Sekunden auf Bottas herauszufahren, dahinter folgte Räikkönen.

Ganz hinten hatte indes Hamilton leichtes Spiel. Sein überlegen motorisierter Silberpfeil pflügte geradezu durchs Feld, schon nach 15 Runden lag Hamilton auf dem siebten Rang, nach 21 Runden war er Fünfter.


Hamilton führt kurzzeitig Rennen an

An der Spitze ging nun als erstes Bottas an die Box, Vettel reagierte aber gleich in der nächsten Runde mit seinem Stopp und hielt seine Position vor Bottas. An der Spitze lag nun plötzlich Hamilton, nach nicht einmal der Hälfte des Rennens - denn der Brite wartete lange auf seinen Reifenwechsel.

Erst nach 42 von 71 Runden kam er an die Box, Vettel führte nun wieder. Hamilton rutschte wieder auf Rang fünf zurück - und startete seine finale Aufholjagd.

Zwölf Runden vor Schluss war er an Verstappen vorbei, fünf Runden vor Schluss hing er Räikkönen im Heck - kam aber nicht mehr vorbei.