Vettel sichert sich Vizeweltmeisterschaft - Bottas siegt

Sebastian Vettel (r.) musste sich in der WM nur Lewis Hamilton geschlagen geben

Kein letztes Giganten-Duell, kein versöhnlicher Sieg zum Abschluss - Sebastian Vettel ist beim Formel-1-Saisonfinale nur der Trostpreis geblieben.

Der Ferrari-Pilot musste sich beim Doppelsieg von Mercedes in Abu Dhabi mit Rang drei und der ungeliebten Statistenrolle begnügen.

Immerhin machte Vettel damit aber seine erste Vizeweltmeisterschaft mit der Scuderia vor Rennsieger Valtteri Bottas (Finnland) perfekt. Platz zwei ging an den seit vier Wochen als Champion feststehenden Lewis Hamilton (Großbritannien).

"Ich habe heute nach ein paar Runden eingesehen, dass es nicht schneller ging, Mercedes ist vorne weggezogen", sagte Vettel auf dem Podium: "Glückwunsch an Valtteri für heute, und Glückwunsch an Lewis für diese Saison. Ich hasse es, das zu sagen, aber er ist in diesem Jahr verdient Weltmeister geworden. Nächste Saison kommen wir stärker zurück."

Mit 317 Punkten hielt sich Vettel, der den Titel schon im "schwarzen" Ferrari-Herbst binnen drei Rennen an Hamilton (363) so gut wie verloren hatte, Bottas (305) in der Fahrerwertung vom Leib - damit belegen zum ersten Mal seit 2013 nicht zwei Mercedes-Fahrer die ersten beiden Plätze in der WM. (Fahrerwertung der Formel 1)


Hülkenberg feiert kleinen Erfolg

Bottas sprach von einem "sehr wichtigen Sieg. Ich hatte eine schwierige zweite Saisonhälfte, aber heute könnte ich nicht glücklicher sein." 

Der Finne, der das Cockpit des zurückgetretenen 2016er-Weltmeisters Nico Rosberg übernommen hatte, holte am Sonntag seinen dritten Sieg für die Silberpfeile. Für Vettel war das dritte Ferrari-Jahr mit fünf Siegen und guten WM-Chancen bis in den Oktober das bislang mit Abstand beste.

Mercedes-Teamaufsichtsrat Niki Lauda hatte den zweiten WM-Rang für Bottas selbst nach dessen starkem Qualifying als "unmöglich" bezeichnet. Und tatsächlich geriet Vettel, dem Rang acht zur Vizeweltmeisterschaft gereicht hätte, zumindest von hinten nie in Gefahr. (Das Rennen zum Nachlesen im TICKER)

Nico Hülkenberg im Renault wurde trotz einer Fünf-Sekunden-Zeitstrafe wegen Abkürzens Sechster und sicherte seinem Rennstall noch den sechsten Platz in der Team-WM - und damit einige Millionen zusätzlich. (Konstrukteurswertung der Formel 1)

Massa beendet Karriere mit Punktgewinn

Pascal Wehrlein, der für 2018 noch auf ein Cockpit hofft, fuhr im unterlegenen Sauber auf Rang 14 vor. Williams-Pilot Felipe Massa (Brasilien) beendete das 269. und letzte Formel-1-Rennen seiner Karriere auf dem zehnten Platz.

Für Vettel ist es die zweite Vizeweltmeisterschaft nach 2009 für Red Bull, danach folgten vier WM-Titel in Folge für den Hessen beim Brause-Rennstall. Eine derartige Dominanz für die nächsten Jahre deuteten Vettel und Ferrari am Sonntag nicht an, in einem unspektakulären Rennen kämpfte Vettel mit stumpfen Waffen gegen auf dem Wüstenkurs starke Silberpfeile.

Das Reglement in der kommenden Saison bleibt stabil, lediglich der neu eingeführte Cockpitschutz Halo und das damit einhergehende höhere Gesamtgewicht sollten nach Einschätzung vieler Experten einen größeren Einfluss auf die Boliden haben.


Bottas gewinnt Start

Pole-Setter Bottas erwischte dieses Mal einen besseren Start als in Brasilien. Während er vor zwei Wochen in Sao Paulo trotz Pole in der ersten Kurve von Vettel überholt wurde, kam der 28-Jährige dieses Mal aus der Spitzengruppe am besten weg. Vettel verteidigte Rang drei, er verlor aber rasch den Kontakt zu Bottas und dem direkt vor ihm fahrenden Hamilton.

"Vielleicht ist jetzt bei Lewis schon die Luft raus", hatte Mercedes-Teamchef Toto Wolff nach dem nächsten keineswegs fehlerlosen Qualifying von Hamilton am Samstag festgestellt.

Erinnerungen an 2015 drängen sich auf: Da hatte Hamilton gar im viertletzten Rennen den Titel gewonnen. "Die letzten fünf bis zehn Prozent" habe er anschließend nicht mehr investiert, räumte Hamilton später ein.

Sein moralisch am Boden liegender Teamrivale Nico Rosberg feierte zum Saisonabschluss drei relativ einfache Siege, nahm viel Selbstvertrauen mit ins Jahr 2016 - und gewann nicht zuletzt dank vier Erfolgen zum Saisonauftakt letztlich den ersehnten Titel.