Vettel schuld an neuem Ferrari-Patzer?

Kai Hartwig

Die Pleiten-Serie bei Ferrari nimmt kein Ende. Eigentlich wollte der italienische Formel-1-Rennstall nach dem blamablen selbstverschuldeten Doppel-Aus in Brasilien beim Saisonfinale ein anderes Gesicht zeigen.


Doch schon im Qualifying zum Großen Preis von Abu Dhabi sind alle guten Vorsätze dahin. Ein fataler Strategie-Fehler kostete Charles Leclerc in Q3 die letzte schnelle Runde und somit eine bessere Ausgangsposition als Startplatz drei.

Ob Leclerc Polesetter Lewis Hamilton noch hätte abfangen können? Fraglich. Rang zwei von Red-Bull-Fahrer Max Verstappen war jedoch in Reichweite.

Und was noch viel schwerer wiegt: Erneut gibt Ferrari ein erbärmliches Bild ab und begeht Anfängerfehler, zudem scheint die Stimmung zwischen den beiden Fahrern der Scuderia trotz aller gegenteiliger Beteuerungen vergiftet.

Leclerc gibt Vettel Schuld

Als Leclerc am Steuer bewusst wurde, dass er es nicht mehr rechtzeitig vor Ablaufen der Uhr über die Ziellinie schafft, um eine letzte schnelle Runde zu Zeiten, gab er Teamkollege Vettel eine Mitschuld: "Tja, wir werden es nicht schaffen. Seb wird immer langsamer."

Nicht der erste Quali-Patzer bei dem Team aus Maranello, denn beim Heim-Grand-Prix in Monza rollten sich die Ferrari ungewöhnlich langsam für den letzten Angriff auf die Bestzeit ein, verkalkulierten sich aber – jedoch tat es ihnen das nahezu gesamte Feld gleich. Zudem reichte es für Leclerc damals zur Pole.  

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Nach dem Qualifying in Abu Dhabi war bei dem 22-Jährigen unterdessen der erste Ärger verflogen, seine Analyse klang schon etwas gemäßigter.

"Ich habe keine Ahnung. Manchmal passiert das. Ich weiß nicht, ob die Situation Pech war oder ob wir etwas besser machen hätten können", meinte Leclerc, "wir werden das analysieren und versuchen, zu verstehen. Denn noch einmal darf das nicht passieren. Schade!"


Verhältnis zwischen Vettel und Leclerc belastet

Und doch nehmen die Reibereien im Lager von Ferrari kein Ende. Erst vor zwei Wochen war es in der Schlussphase des Grand Prix in Sao Paulo zum Eklat gekommen.

Die beiden Ferrari-Piloten lieferten sich einen unnötigen Kampf um das Podest. Es kam zu einer leichten Berührung der roten Boliden, die allerdings große Auswirkungen hatte und zum Super-Gau führte: Beide Autos fielen aus, das Team stand letztlich ganz ohne Punkte da.

Die Entstehung dieses hausgemachten Crashs sprach Bände. Nachdem Vettel auf der Geraden ohne erkennbaren Grund nach links gezogen war, hätte Leclerc das drohende Übel noch verhindern und ausweichen können. Doch der Monegasse tat dies nicht.

"Mein Gott, muss das sein? So ein Bockmist aber auch", wütete Vettel anschließend im Boxenfunk. Auch Leclerc sah die Schuld nicht bei sich selbst. "Es gab wenig Raum, ich habe ihm den raum gelassen. Dann hat er mich abgedrängt", sah er die Szene erwartungsgemäß anders als sein deutscher Rivale.


Ferrari redet Konflikt klein

Die Ferrari-Verantwortlichen waren um Schadensbegrenzung bemüht, wollte sich auf keine Seite schlagen. Vielmehr nahm Teamchef Mattia Binotto seine beiden hitzköpfigen Fahrer in die Pflicht: "Beide müssen verstehen, dass sie dem Rennen von Ferrari geschadet haben."    

Vettel hatte vor dem Rennwochenende in den Vereinigten Arabischen Emiraten von internen Problemen nichts wissen wollen.

"Der Schlüssel ist, dass wir kein Problem miteinander haben. Der Respekt ist da. Das wurde von außen aufgebauscht, nach innen ist es in Ordnung", beteuerte der 32-Jährige. Und auch sein zehn Jahre jüngerer Kollege hatte bereits unmittelbar nach dem Brasilien-Rennen gesagt, man sei „reif genug, um das hinter uns zu lassen."

Der Vorfall beim Qualifying in Abu Dhabi zeigt allerdings, dass es um die Teamchemie im Hause Ferrari alles andere als gut bestellt ist.