Vettel-Nachfolger? Zwei Deutsche in der Verlosung

Sebastian Vettel wirkte erleichtert, als er nach der Ankündigung seines Rücktritts via Instagram vor die Journalisten trat. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Formel 1)

„Ja, ich bin jetzt sehr glücklich, denn es ist eine Entscheidung, die ich selbst getroffen habe“, betonte der Aston-Martin-Star im Fahrerlager des Hungarorings vor den Toren von Budapest (Ungarn-GP, Sonntag ab 15 Uhr im LIVETICKER)

Was er damit sagen will: Der Heppenheimer hat sein Schicksal selbst in die Hand genommen. Sein Rücktritt geschieht aus freiem Willen, in vollem Bewusstsein.

„Ich weiß nicht, wie es werden wird“, räumt Vettel ehrlich ein. „Ich bin ja noch hier und habe zehn weitere Rennen vor mir. Natürlich habe ich ein wenig Bammel davor, was als Nächstes kommt. Denn das Leben ohne Formel 1 kenne ich nicht. Aber jeder Sportler steht irgendwann vor diesem Einschnitt in seinem Leben. Ich freue mich also auf das, was da auf mich wartet.“ (Sein Statement im Wortlaut)

Vettel-Nachfolger: Wer kommt in Frage?

Gleichzeitig hat sich der Heppenheimer zuletzt in seiner Haut nicht mehr wohl gefühlt. Seine Werte haben sich verschoben. „Es fühlt sich nicht mehr richtig an, um die Welt zu fliegen. Die Klimakrise betrifft uns alle“, räumt er ein. „Und es wäre unfair den jungen Fahrern gegenüber, den Platz weiter zu blockieren.“ (DATEN: Der Rennkalender der Formel 1)

Fakt ist: Durch Vettels Rücktritt wird ein Cockpit frei. Doch auf den Sitz im Aston Martin neben Lance Stroll schielt nicht nur die junge Generation.

SPORT1 listet mögliche Vettel-Nachfolger auf.

Nico Hülkenberg (34): Feiert der Feuerwehrmann der Formel 1 sein Comeback im Monoposto? Hülkenberg ist offizieller Testfahrer bei Aston Martin und in den letzten beiden Jahren immer dann eingesprungen, wenn ein Pilot Corona-bedingt pausieren musste. SPORT1 weiß: Er ist heiß auf ein Comeback! Was auch für Hülkenberg spricht: Er kennt das Team in und auswendig, fuhr 2011, 2012, 2014, 2015 und 2016 für die Mannschaft, die damals noch Force India hieß. Und: Er absolviert in der kommenden Woche den Pirelli-Test, den Vettel schon vor seiner Rücktrittsankündigung abgesagt hatte. Das bringt ihm wertvolle Erfahrung mit den neuen Reifen.

Fernando Alonso (41): Zur Gefahr für Nico Hülkenberg könnte Fernando Alonso werden. Teambesitzer Lawrence Stroll hatte den Doppelweltmeister aus Spanien bereits im vergangenen Jahr im Visier. Alonso gilt trotz seiner 41 Jahre als Rennmaschine mit extrem viel Erfahrung starker Marketing-Botschaft. Bei Alpine könnte sein freiwilliger Abgang die Tür für den supertalentierten Oscar Piastri (Australien) öffnen, der zum Alpine-Juniorkader gehört und auf seine Beförderung wartet. Eine Win-Win-Situation. Gegen Alonso spricht sein Ruf: Zumindest in seiner ersten F1-Karriere galt der Spanier als Politiker, der nur eigene Interessen verfolgt. In Kombination mit dem Sohn des Teambesitzers als zweitem Fahrer wäre das keine einfache Konstellation.

Schumacher statt Vettel?

Mick Schumacher (23): Schon vor Wochen machte das Gerücht im Fahrerlager die Runde, Vettel könnte seinem Schützling Mick Schumacher den Sitz bei Aston Martin weiterreichen. Doch da war es um die Stimmung im Haas-Team noch schlechter bestellt. In der Zwischenzeit fuhr der Youngster zweimal in die Punkte und machte so auch seinen strengen Teamchef Günther Steiner happy. Alles andere als eine Vertragsverlängerung bei Haas wäre eine Überraschung, denn für einen Wechsel zu Aston Martin müsste Schumacher seine Verbindung zu Ferrari kappen. Aus Aston Martins Marketingsicht gäbe es indes schlechtere Nachnamen als Schumacher…

Vettel sagt: „Ich halte sehr viel von Mick. Natürlich bin ich da nicht komplett objektiv, weil ich ihm sehr nahestehe, aber ich denke, dass er ein großartiger Fahrer ist.“ Schumachers Reaktion: „Was die Zukunft bringt, werden wir sehen. Ich sage niemals nie, aber mein Fokus ist aktuell Budapest mit Haas.“

Daniel Ricciardo (33): Der Australier findet bei McLaren nicht in die Spur. Das britische Traditionsteam hält längst Ausschau nach anderen Fahrern. Insbesondere Colton Herta und Alex Palou aus der Indycar-Serie haben es der Mannschaft aus Woking angetan. Ein Wechsel Ricciardos zu Aston Martin wäre eine Variante, den Australier für alle Seiten gesichtswahrend aus seinem Vertrag zu entlassen. Bleibt die Frage, ob Aston Martin nach zwei erfolglosen Jahren noch an Ricciardos Talent glaubt.

Nyck de Vries (27): Der Formel-E-Weltmeister genießt hohes Ansehen auch in der Formel-1-Szene. Mehr noch: Er gehört zum Fahrerkader von Mercedes, die auch Aston Martin mit Motoren beliefern. Mercedes-Teamchef Toto Wolff jedenfalls hätte bestimmt nichts dagegen, wenn sein Kumpel Lawrence Stroll einem Piloten aus dem Lager der Silberpfeile eine Chance geben würde. Dazu passt: Der Niederländer ist schon jetzt Reservist bei Aston Martin und könnte als Nachwuchsfahrer noch bei zwei freien Trainings ausprobiert werden. Sein Formel-1-Aufstieg ist eigentlich längst überfällig.

Fest steht: Die Fußstapfen, die Vettel hinterlässt, sind groß. Auch was seine Fähigkeiten als Teamplayer angeht. Aktuellstes Beispiel: Der Hesse rief am Donnerstagmorgen die Aston-Martin-F1-Mannschaft in der Box zusammen.

„Es war mir ganz wichtig, dass sie von mir, also aus erster Hand erfahren, dass ich aufhöre am Ende der Saison“, verrät der Champion. „Ich weiß von Situationen, in welchen Menschen gewisse Entscheidungen aus den Medien erfahren haben, und ich fand immer – das hat keine Klasse. Also wollte ich das anders machen.“

Die Formel 1 und auch Aston Martin werden Vettel vermissen. Egal, wer sein Cockpit bekommt.

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