Schröders Rolle im Horrorszenario der Lakers

Christian Paschwitz
·Lesedauer: 4 Min.
Schröders Rolle im Horrorszenario der Lakers
Schröders Rolle im Horrorszenario der Lakers

"Natürlich" ist eines der Adverben, die Dennis Schröder ziemlich gern benutzt. Ein Ausdruck dessen eben, dass etwas so geschieht, wie man es erwartet, vorausgesehen, geahnt hat.

Und gemäß dem Schröder'schen Wortschatz hätte der deutsche NBA-Spieler in Diensten der Los Angeles Lakers denn auch Interesse an einer Verlängerung seines auslaufenden Vertrages bei der Meister-Franchise um Superstar LeBron James. (NEWS: Alles zur NBA)

"Natürlich will ich auch mit denen unterschreiben, das wissen die auch", erklärte der deutsche Basketball-Nationalspieler während einer Online-Medienrunde auf die Frage von SPORT1. "Rob Pelinka (General Manager, Anm. d. Red.) weiß das auch."

"Ich führe auch viele Gespräche mit ihm, weil er natürlich auch viel für mich und meine Familie macht", fügte Schröder an, "deswegen habe ich ihm auch gesagt, dass sie sich keine Sorgen zu machen brauchen. Weil ich mich natürlich freuen würde, hier langfristig bei der Organisation zu sein."

Dennis Schröder über die Zukunft bei den Lakers

Um seine persönliche Zukunft ("Mir fehlt in LA nichts") sorgt sich der Point Guard allem Anschein nach ebenso wenig wie um eine Ansteckung mit dem Corona-Virus, weshalb er persönlich eine Impfung ablehnt ("Mehr als unserer Sicherheit kannst Du nicht haben").

Wenngleich er betont, im Sommer natürlich die Freiheit zu besitzen, sich andere Angebote anzuhören.

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"Natürlich geht's um Geld. Natürlich will ich fair bezahlt werden, wie jeder andere auch. Aber es geht darum, dass ich nach acht Jahren in der NBA selber mal entscheiden kann, wo ich hingehe und die Angebote sehe", so der 27-Jährige. "Wer mich gerne haben will und wie viel sie bereit sind, zu zahlen. Das ist einfach mal eine Sache, das will ich mal fühlen, das will ich mal erfahren, wie es ist."

Das in der NBA seltene Privileg, ein Mitspracherecht zu haben, gefällt Schröder, der vor der Spielzeit von den Oklahoma City Thunder nach Los Angeles geschickt wurde.

Familie spielt wichtige Rolle bei Schröder

Pikant: Unlängst zur Trade Deadline sollen die Lakers dazu bereit gewesen, sich von ihm zu trennen - auch weil Schröder seinen nächsten Kontrakt offenbar so lukrativ wie möglich gestalten mag, dem Vernehmen nach zuletzt einen Deal von 84 Millionen Dollar für vier Jahre ausschlug.

Seine Familie spiele am Ende jedoch die wichtigste Rolle, sagt Schröder - und beeinflusst ihn bei der anstehenden Entscheidung wohl auch: "Meine Mutter sagt: Ey, du bist bei dem besten Team. Natürlich bin ich bei einem der besten Teams in der NBA, und die geben mir auch viel Geld oder haben mir auch viel Geld angeboten. Aber im Endeffekt ist das, was ich gerade erwähnt habe, größer."

Würde denn auch heißen: Wohlfühlfaktor auf Augenhöhe mit dem Finanziellen, natürlich. Genauso Erfolgsperspektive vor Risiko bei einer anderen Franchise - und doch die Option, das Heft des Handelns selbst in der Hand zu haben.

Über den Umweg Play-In-Tournament in die Playoffs?

Beim Champion lauert gegenwärtig aber eine Gefahr - oder gar ein Horrorszenario.

Denn: Der Traum von der Titelverteidigung droht früh zu platzen. Mehr noch: Nach dem 110:115-Dämpfer bei den Dallas Mavericks droht gar der Absturz auf Rang 7 und damit der Umweg über das mühevolle Play-In-Tournament, um in die Playoffs zu kommen. (SERVICE: Die Tabellen der NBA)

Und: In ein bis zwei Spielen im Play-In-Tournament kann alles passieren. Drei Siege beträgt der Vorsprung auf die derzeit ebenfalls strauchelenden siebtplatzierten Portland Trail Blazers.

Zur Erinnerung: Der erst vor der Saison neu eingeführte Modus, in der zurückliegenden Finals-Bubble von Orlando schon mal versuchsweise angewandt, sieht vor, die Siebt- bis Zehnplatzierten jeder Conference die letzten beiden Playoff-Plätze ausspielen zu lassen. (SERVICE: Der Spielplan der NBA-Saison 2020/21)

Titel in Gefahr - und dann als Free Agent Richtung 100 Millionen?

Die zuletzt dritte Niederlage aus den vergangenen vier Partien konnte Schröder trotz einer starken persönlichen Leistung mit einem Double-Double nicht verhindern - selbst wenn Head Coach Frank Vogel die Leistung des gebürtigen Braunschweigers als bislang "die wohl beste" bei den Lakers adelte.

Doch ohne James (Schröder: "Ich habe von ihm schon so viel lernen können") und mit dem nach neunwöchiger Verletzungspause und 30 verpassten Spielen gerade erst zurückgekehrten Co-Superstar Anthony Davis tun sich die Kalifornier schwer, das folgende erneute Duell mit den Mavs (So., ab 2.30 Uhr LIVESCORES) könnte richtungweisend sein.

Nowitzki zum Vorbild - für das eigene Erbe

Trotz aller Probleme bleibt der Titel das Ziel.

Schröder ist selbstbewusst genug, zehn Jahre nach dem Gewinn der Meisterschaft durch Dirk Nowitzki als bisher einzigem Deutschen zu behaupten: "Die Meisterschaft wäre Wahnsinn, so wie Dirk natürlich einer der Besten war. Aber ich bin an meiner eigenen Legacy (Vermächtnis, Anm. d. Red.) dran, L.A. sagt auch, dass ich der x-Faktor für den Titel bin, dafür haben sie mich geholt."

Doch so oder so: Schröder hat offenbar alle Trümpfe in der Hand, würde zum Unrestricted Free Agent, sollte eine Vertragsverlängerung mit den Lakers bis zum Sommer platzen - um dann anderswo womöglich gar an der 100-Millionen-Marke zu kratzen. So die natürliche wie zwangsläufige Konsequenz.