"Wir sind auf unsere Verteidigung nicht vorbereitet"

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Beinahe-Kollision 2003 - Asteroid 1998 QE2

Erstmals wird in diesem Jahr mit dem Rückhalt der UNO am 30. Juni der Internationale Tag der Asteroiden begangen. Das Datum wurde mit Bedacht gewählt, denn am 30. Juni 1908 explodierte über Sibirien der größte Asteroid, der in den Aufzeichnungen der Menschheit haften geblieben ist. Durch die Explosion des 40 Meter großen Himmelskörpers wurden 2000 Quadratkilometer Wald zerstört.

Für diesen ersten Internationalen Tag der Asteroiden am Freitag haben sich die Raumfahrtbehörden der USA, Japans und Europas zusammengetan. In 190 Ländern sind mehr als 700 Veranstaltungen geplant. Mit der Unterstützung von dutzenden Wissenschaftlern, Astronauten und Prominenten soll eine 24-Stunden-Live-Berichterstattung zum Thema Asteroiden gewährleistet werden. Dabei dürfte auch dafür geworben werden, in die Asteroiden-Forschung mehr Geld und Energie zu stecken.

Noch recht frisch in Erinnerung ist der Asteroiden-Schauer, der 2013 bei Tscheljabinsk im Ural niederging. An 5000 Gebäuden zerbarsten die Fenster, es gab 1200 Verletzte.

Der Internationale Asteroiden-Tag fand in den vergangenen Jahr bereits prominente Befürworter. Der Queen-Gitarrist Brian May und der Regisseur Grigorij Richters sowie der US-Astronaut Rusty Schweickart propagierten den Asteroiden-Tag seit Dezember 2014.

"Wir sind auf unsere Verteidigung nicht vorbereitet", warnt Rolf Densing, der Leiter des Raumfahrtkontrollzentrums (ESOC) der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA) in Darmstadt. Früher oder später werde es wieder einen großen Einschlag geben. Derzeit gebe es kein weltumspannendes Verteidigungssystem gegen Asteroiden. Dieses müsse aber eingerichtet werden.

Die Erde hat schon zahlreiche Asteroiden-Einschläge mitgemacht. Ein Asteroiden-Einschlag in Mexiko vor 65 Millionen Jahren wird für den Untergang der Dinosaurier mitverantwortlich gemacht. Wenn ein riesiger Asteroid in einem dicht bevölkerten Gebiet wie in den Benelux-Staaten, in der Region Paris oder in Deutschland einschlüge, wäre das nach den Worten des Leiters des Weltraumbeobachtungsprogramms der ESA, Nicolas Bobrinsky, eine "Katastrophe".

Die Astronomen sind seit Jahren damit beschäftigt, alle Himmelsobjekte von mehr als einem Kilometer Durchmesser zu erfassen, die mit der Erde zusammenprallen könnten. Sie haben die Aufgabe zu schätzungsweise 95 Prozent erledigt. Und der Astrophysiker Patrick Michel geht davon aus, dass "mindestens für ein Jahrhundert keiner auf die Erde zukommt". Die Zahl der "potenziell gefährlichen" Asteroiden mit einem Durchmesser von mehr als 140 Metern, die sich im Umfeld der Erde befinden, wird mit gut 1700 beziffert.

Dann gibt es noch die Kategorie der Asteroiden mit einem Durchmesser zwischen 15 und 140 Metern. Davon gibt es Millionen. Zu ihnen zählte der Asteroid, der am 30. Juni 1908 über Tunguska in Sibirien explodierte. Mit einem ähnlichen Ereignis muss nach etwa 300 Jahren wieder gerechnet werden.

Die Raumforscher arbeiten an einer systematischen Erfassung aller Risiken mit einem Netzwerk von Teleskopen. Sie wollen laut Bobrinsky erreichen, dass vor einer heftigen Kollision zumindest eine Vorwarnfrist von zwei bis drei Wochen gewährleistet wird. Dann könnten vorsorglich Städte geräumt werden. Gebastelt wird aber auch an Plänen zur Zerstörung von heranfliegenden Asteroiden mit Laser-Strahlen, zur Umlenkung mit Hilfe von "Schleppern" im Raum oder durch Abänderung ihrer Flugbahn mit einem Beschuss.