Warum du nicht versuchen solltest, den Markt zu schlagen

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Ganz plumpe Frage, mein Freund: Warum investierst du? Du musst mir jetzt gewiss keine E-Mail schreiben, in der du mir eine ausführliche Antwort auf diese Frage gibst, nein, es reicht an dieser Stelle, wenn du dich das selbst fragst. Nimm dir dafür ruhig etwas Zeit, ehe du weiterliest.

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Fertig überlegt? Prima! Ich hoffe nun hast du eine Antwort gefunden. Und noch mehr hoffe ich, dass diese Antwort nicht lautet: Um den Markt zu schlagen. Wieso? Weil das eine ganz unsinnige Zielsetzung ist, an der schon viele vor dir gescheitert sind. Was, du glaubst mir nicht? Dann schau selbst:

Selbst die vermeintlichen Profis schaffen es nicht

Zu den Investoren, die einzig und allein das nackte Ziel des Markt-Schlagens verfolgen, gehören nämlich in erster Linie Fondsmanager jedweder Art. Schlagen sie den Markt, sind sie top, versagen sie, gehen sie hop. So einfach läuft es in deren Welt, könnte man meinen.

Dementsprechend sind viele dieser Fondsmanager gut ausgebildet und können eine ansehnliche Vita vorweisen. Und doch, um nicht weiter herumzuschwafeln, versagen sie regelmäßig. Eine kurze Internetrecherche zu der Thematik offenbart nämlich, dass ein hoher Prozentsatz der gesamten Fondsmanager nicht in der Lage ist, den jeweiligen Vergleichsindex zu toppen. Kaum zu glauben, aber wahr.

Das ist eigentlich auch nicht sonderlich verwunderlich. Dieser ominöse Markt, von dem wir alle gerne so abstrakt sprechen, ist vereinfacht ausgedrückt nämlich nur die Summe der Handlungen aller Marktteilnehmer. Deine Investitionen, meine Investitionen, die Investitionen der Fondsmanager und eines jeden anderen Investors sammeln sich hier. Für jeden marktschlagenden Akteur muss es daher zwangsläufig mindestens einen anderen geben, der den Kürzeren zieht.

Bist du immer noch davon überzeugt, dass du weiterhin lediglich den Markt schlagen willst?

Was du stattdessen tun solltest

Bleibt natürlich die Frage, was dann deine Zielsetzung beim Investieren sein sollte. Auch hier appelliere ich wieder einmal an dein selbständiges Denkvermögen. Hinterfrage dich noch einmal, welche Voraussetzungen du mitbringst und welche Wünsche du tief in dir spürst. Deiner kreativen Ader sind dabei quasi keine Grenzen gesetzt. Der vorzeitige Ruhestand, mindestens drei Extraurlaube im Jahr, Cabrio fahren, regelmäßiges Einkommen, die Studiumsfinanzierung deiner aufwachsenden Kinder oder Enkel. All das können legitime Ziele sein.

Eine Grenze bei deiner persönlichen Zielsetzung möchte ich aber nochmal wiederholen: Verfalle nicht über Umwege wieder in den Gedanken, lediglich den Markt schlagen zu wollen. Selbst ein Ausnahmeinvestor wie Warren Buffett investiert nämlich nicht, um den Markt zu toppen, sondern einzig und allein, um sein Geld in herausragende Unternehmen mit soliden Wettbewerbsvorteilen zu investieren und davon ultra-langfristig zu profitieren.

Zuweilen kommt dann das Markt-Schlagen mit der Zeit sogar ganz beiläufig von alleine.

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