"Ich versuche, meinem Bauchgefühl sowie meiner Intuition zu vertrauen"

Christopher Schmitt
·Lesedauer: 7 Min.

Im neuen, mythisch aufgeladenen "Schwarzwaldkrimi" spielt Jessica Schwarz das ewige Mädchen aus dem Wald. Im Interview spricht die Schauspielerin über echte Naturverbundenheit, energetische Verbindungen und ihre Intervention gegen unzumutbare Drehbedingungen in der Corona-Pandemie.

Wenn es knackt im Geäst, fühlt sie sich zu Hause: In der Rolle der Kommissarin Maris Bächle ermittelt Jessica Schwarz im Zweiteiler "Waldgericht - Ein Schwarzwaldkrimi" (Montag, 4. Januar, und Dienstag, 5. Januar, jeweils 20.15 Uhr, ZDF sowie in der ZDF-Mediathek) in einer mythischen Umgebung, in der man sich hinter vorgehaltener Hand von Erdgeistern erzählt. Die 43-jährige Wahlberlinerin und frühere VIVA-Moderatorin stammt aus Michelstadt im Odenwaldkreis und wuchs selbst in einer von Sagen geprägten, wäldlichen Region auf. Von Kinoproduktionen wie "Das perfekte Geheimnis" offenbar nicht ausgelastet, führt sie dort gemeinsam mit ihrer Schwester zwei Designhotels. Im Gespräch erzählt die Schauspielerin unter anderem von der Kraft des Waldes, der schwierigen Corona-Situation beim Dreh sowie für ihre Hotels und davon, wie sie ihre Angst vor Spritzen überwand.

teleschau: Frau Schwarz, warum bietet sich der Schwarzwald für einen Mystery-Krimi an?

Jessica Schwarz: Ich finde, der Schwarzwald bietet unglaublich tolle Motive, wie alte Burgen oder Quellen. Unter anderem auch einen Bau, der für die Geliebte eines Aristokraten angelegt wurde, auch wenn die, so sagt man, wohl nie selbst die zugehörigen Stufen hochgegangen ist. Er mutet ein bisschen an wie bei "Herr der Ringe". So, als hätte man diese Orte extra für uns gebaut. Zudem ist der Schwarzwald mit seinen Märchen und Fabeln, ebenso mit seinen wahren Geschichten - wie das titelgebende 'Waldgericht' - tatsächlich ein nährbarer Boden für gute Krimis.

teleschau: Klingt nach viel Rechercheaufwand.

Schwarz: Es ist toll, dass unsere Autorin immer sehr viel Zeit investiert, um in der Region zu recherchieren. Sie geht alten Geschichten auf den Grund, sieht sich historische Gebäude an, geht ins Archiv und spricht natürlich auch mit den Leuten vor Ort. Diese Geschichten werden dann immer sehr schön mit den Protagonisten verwoben. Insbesondere meine Figur wird stark mit Ihrer Vergangenheit konfrontiert. Ich dachte mir beim Lesen schon: Wow, das klingt alles so schön. Und so war es auch.

teleschau: Können Sie mit Mythen und Sagen etwas anfangen?

Schwarz: Ja, total. Ich komme aus dem Odenwald, das ist eine Region, um die sich auch viele Mythen ranken. Beispielsweise haben wir dieses unglaubliche Felsenmeer, über das es viele Geschichten gibt. Als Kinder sind wir mit den Eltern oft dorthin gefahren und darauf herumgeklettert. Aber wir haben es nie ganz bis nach oben geschafft und uns immer gefragt: "Was müssen das wohl für Riesen gewesen sein, die so großen Steine gestapelt haben?" Wir hatten auch davor Angst, in diese breiten Felsspalten zu fallen. Teilweise ging es da drei, vier Meter runter.

"Ich bin aufgewachsen mit Dämme bauen und auf Bäume klettern"

teleschau: Sie sind also mit Märchen aufgewachsen?

Schwarz: Durchaus, ich bin damit ein Stück weit groß geworden. Es gibt im Odenwald auch einen Märchenpark, den wir auch hin und wieder besucht haben, inklusive verwunschenem Märchenbrunnen. Zudem bin ich sehr naturverbunden aufgewachsen und bin es bis heute. Ich glaube an energetische Verbindungen und versuche auch grundsätzlich, meinem Bauchgefühl sowie meiner Intuition zu vertrauen.

teleschau: Sind Sie auch heute noch viel im Wald unterwegs?

Schwarz: Sehr gerne sogar. Ich liebe den Wald! Ich bin aufgewachsen mit Dämme bauen und auf Bäume klettern, die nicht hoch genug sein konnten. Ich brauche die Natur, um mich wohlzufühlen. Man weiß ja, Bäume kommunizieren miteinander. Diese Kraft, die so ein Wald hat, findet man kaum irgendwo sonst. Auch in den Bergen geht es mir immer gut, alle Elemente haben eine große Kraft. Aber im Wald fühle ich mich einfach aufgehoben.

teleschau: Dann haben Sie sich beim "Schwarzwaldkrimi"-Dreh sicher wohlgefühlt.

Schwarz: Ich hatte eine tolle Drehzeit. Auch, weil ich direkt am Wald gewohnt habe, inklusive Blick auf die Vogesen. Die drehfreie Zeit konnte ich dann häufiger mal nutzen, um in der Natur unterwegs zu sein und Energie zu tanken. Gerade nach einem anstrengenden Drehtag ist es Gold wert sagen zu können: "Ich gehe jetzt einfach noch mal eine Runde an die frische Luft, um einen freien Kopf zu bekommen."

teleschau: Haben Sie vor Ort Folgeschäden des Klimawandels registriert?

Schwarz: Ja. Bei Ausflugsfahrten und Spaziergängen sieht man immer wieder große Baumgruppen, die Gerippe-artig und tot in der Landschaft stehen, auch bei uns im Odenwald. Der Borkenkäferbefall richtet großen Schaden an und das schmerzt. Gerade im Schwarzwald sieht man viele betroffene Tannen und Fichten. Zudem fällt natürlich auf, dass Regen und auch Schnee ausbleibt. Die tieferen Erdschichten werden einfach nicht mehr mit ausreichend Wasser versorgt. Dies führt dazu, dass die Menschen dort auch Angst um ihren Schwarzwald haben.

"Man hat ja auch seinem Team gegenüber eine Verantwortung"

teleschau: Es war Ihr erster Dreh nach langer Pandemie-bedingter Pause.

Schwarz: Ich war natürlich wahnsinnig aufgeregt. Auch weil man nicht wusste, wie die Drehtage ablaufen werden. Natürlich hatte man auch Bedenken bezüglich harter Reglements. Zu Beginn der Dreharbeiten gab es auch Überlegungen bezüglich Quarantäne. Sechs Tage hätte niemand von uns aus dem Zimmer gehen dürfen. Da habe auch ich dann interveniert. Man kann ja nicht tagelang bei 39 Grad im Hotelzimmer sitzen und sich nur von Pizza und Burgern ernähren (lacht). Ich bin jemand, der Sport machen und sich bewegen muss.

teleschau: War die Intervention erfolgreich?

Schwarz: Ja, die Regelungen wurden dann entsprechend angepasst. Es war wichtig, da auch an unsere Vernunft zu appellieren und uns zu vertrauen. Man hat ja auch seinem Team gegenüber eine Verantwortung. Natürlich möchte niemand als erster positiv getestet werden, andere Menschen anstecken und damit auch noch einen möglichen Stillstand verantworten.

teleschau: Wie haben Sie die ungewohnten Arbeitsbedingungen wahrgenommen?

Schwarz: Es wurde regelmäßig getestet und Fieber gemessen. Zudem saß man beim Mittagessen alleine. Aber ich war dank dreier unterschiedlicher Filmprojekte in der glücklichen Lage, doch einigen Menschen mehr zu begegnen und mich mit ihnen auch persönlich unterhalten zu können. Bis Mitte Dezember haben wir für Netflix noch die zweite Staffel "Biohackers" gedreht. Außerdem stand ich für "Blackout" ein paar Tage vor der Kamera. Wenn man seine sozialen Kontakte so stark eingrenzen muss und Menschen auch vermisst, ist es schön, zumindest in diesem Arbeitsverhältnis immer mal wieder kurze Gespräche führen zu können.

teleschau: Als Mitinhaberin zweier Designhotels im Odenwald sind Sie besonders von den Corona-Maßnahmen betroffen.

Schwarz: Die Situation ist dann doch dramatischer, als man vielleicht denkt. Es kommen täglich Stornierungen rein. Wir haben versucht mit To-Go Angeboten die Notlage zumindest ein wenig aufzufangen. Auf die notwendigen Antragsformulare für die versprochenen Hilfen mussten wir auch viel zu lange warten. Das ist natürlich alles sehr deprimierend, aber wir schauen positiv in die Zukunft.

"Wegen meiner Panik vor Spritzen habe ich mich hypnotisieren lassen"

teleschau: Nun ist zumindest ein Impfstoff in Sicht. Haben Sie noch Angst vor Spritzen?

Schwarz: Wegen meiner Panik vor Spritzen habe ich mich vor einiger Zeit hypnotisieren lassen, seitdem hat sich diese Angst gelegt. Ich muss mich dafür aber nicht extra hinlegen (lacht). Natürlich ist der Impfstoff ohnehin erst mal systemrelevanten Leuten vorbehalten. Ich hoffe da auf richtige Entscheidungen der Ethikkommission und auf Forscherinnen und Forscher, die das doppelt und dreifach checken. Es ist wichtig, da Vorsicht walten zu lassen und Ängste vor Langzeitschäden auszuräumen. Selbstverständlich hofft man auf einen guten Impfstoff und mehr Schutz für die Risikogruppen - und auch darauf, zügig wieder zu einem geregelten Alltagsleben zurückkehren zu können.

teleschau: Was steht beruflich für 2021 auf dem Plan?

Schwarz: Ab März stehe ich unter der Regie von Lars Becker für das ZDF vor der Kamera, wir drehen die vierte Folge von "Unter Feinden". Außerdem drehe ich im Frühjahr noch einen Kurzfilm von Studenten - auch ein schönes Projekt.

teleschau: Aktuell befindet sich Deutschland im zweiten Lockdown. Wie haben Sie den ersten überstanden?

Schwarz: Ich habe weder eine neue Sprache gelernt, noch ein Instrument. Stattdessen fand ich es toll, einfach mal überhaupt nichts tun zu müssen. Ich habe es umso mehr genossen, meine neue Wohnung und Terrasse auf Vordermann bringen zu können. Außerdem habe ich viel gekocht und gegessen. Das macht mich einfach glücklich. Sich ein bisschen mehr zu verwöhnen, als man das sonst tun würde. Ich war auch sehr viel draußen spazieren, in den Wäldern von Berlin und Brandenburg. Wie gesagt: Ich brauche die Natur um mich herum.