Verstorbener früherer Bundestagspräsident Jenninger mit Staatsakt geehrt

Trauerstaatsakt für früheren Bundestagspräsidenten Jenninger

Der verstorbene ehemalige Bundestagspräsident Philipp Jenninger (CDU) ist mit einem Trauerstaatsakt gewürdigt worden. An der Zeremonie im Plenarsaal des Bundestags in Berlin nahmen am Donnerstag unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) teil. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) würdigte Jenninger als "verdienten Repräsentanten" Deutschlands. Der CDU-Politiker war zu Jahresbeginn im Alter von 85 Jahren gestorben.

Jenninger habe die Politik Deutschlands über viele Jahre als "leidenschaftlicher Parlamentarier", in Regierungsverantwortug und als Bundestagspräsident mitgestaltet, sagte Schäuble. Er bezeichnete den Rücktritt Jenningers vom Amt des Bundestagspräsidenten im Jahr 1988 als "politisches Drama". Der CDU-Politiker war nach nach einer missglückten und missverständlichen Gedenkrede zum 50. Jahrestag der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 zurückgetreten.

Jenninger sei "immer ein entschiedener Gegner totalitärer Herrschaft" gewesen, sagte Schäuble. Er habe in der Rede mit der Frage gerungen, wie es zur NS-Herrschaft habe kommen können. Doch das geschriebene Wort und die Wirkung der Rede seien auseinander gefallen. Jenninger habe viel gewollt - und "vielleicht für diesen Anlass zu viel".

"Es bleibt ein politisches Lehrstück, wie unbarmherzig die politische Welt sein kann", sagte der Bundestagspräsident. Ein politisches Leben sei durch das Missverständnis einer Stunde schwer verletzt worden. Jenninger habe dann mit seinem Rücktritt wie immer Haltung bewiesen.

Ähnlich äußerte sich der emeritierte Kurienkardinal und ehemalige Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Walter Kasper, in seiner Trauerrede. Jenninger habe die Rede "rhetorisch ungeschickt vorgetragen", aber inhaltlich sei es eine "große Rede" gewesen. Er habe für die "Zumutungen" in der Rede bezahlt. Dass er zurückgetreten sei, um das Amt nicht zu beschädigen, sei nicht "einfach normal", sondern "nobel" gewesen.

Kasper würdigte den verstorbenen CDU-Politiker als "konservativen Idealisten" und "leidenschaftlichen Demokraten". Jenninger war von 1984 bis 1988 Präsident des Bundestags. Insgesamt gehörte er dem Parlament von 1969 bis 1990 an. Von 1982 bis 1984 war er Staatsminister im Bundeskanzleramt.

Nach seinem Rücktritt als Bundestagspräsident im November 1988 blieb Jenninger zwar zunächst weiter Bundestagsabgeordneter, meldete sich aber tief getroffen über seinen jähen Sturz im Plenum nicht mehr zu Wort. Bei der Bundestagswahl 1990 verzichtete er dann auf sein Mandat und wurde im Januar 1991 für vier Jahre deutscher Botschafter in Wien. Von Mai 1995 bis zu seiner Pensionierung im Juni 1997 war er noch Botschafter im Vatikan in Rom.