Verstappen über Kritik an derber Sprache: "Nicht mein Problem"

Christian Nimmervoll
·Lesedauer: 3 Min.

Max Verstappen hat nach der Kollision mit Lance Stroll im zweiten Freien Training zum Grand Prix von Portugal (Formel 1 2020 live im Ticker!) zurückgerudert. Der Red-Bull-Pilot war in der aufgeheizten Stimmung unmittelbar nach dem Crash zunächst der Meinung, die Schuld liege ganz klar bei Stroll. Doch noch bevor die FIA-Kommissare "No further action" urteilten, revidierte er seine Meinung.

Was Verstappen im ersten Moment nämlich nicht wissen konnte: Als Stroll ihn in Kurve 13 der vorangegangenen Runde überholt hatte, sah es zunächst so aus, als wäre er am Ende einer Push-Lap und würde dann vom Gas gehen. Stattdessen hielt Stroll aber weiter voll drauf - allerdings nicht, um Verstappen auflaufen zu lassen, wie sich im Nachhinein herausgestellte.

Sondern Stroll erhielt beim Überfahren der Start-Ziel-Linie das Kommando "Keep pushing, Lance, keep pushing", wie die Aufschlüsselung des Boxenfunks ergeben hat. Hintergrund: Am Freitag hatten viele Schwierigkeiten damit, die Reifen auf Temperatur zu bringen, und so empfahl der Renningenieur dem Racing-Point-Fahrer, er möge eine zweite schnelle Runde anhängen.

"Das konnte ich aber nicht wissen", räumt Verstappen ein. "Das Team hatte mir gesagt, dass er gerade auf einer schnellen Runde war. Als ich neben ihm war, ging ich davon aus, dass er jeden Moment vom Gas gehen würde. Aber das ist dann natürlich nicht passiert. Und er hatte keine Ahnung, dass ich neben ihm war. Hat er zumindest den Kommissaren so gesagt."

Stroll am Boxenfunk: "Habe NIEMANDEN gesehen"

Eine glaubwürdige Darstellung, denn im Gegensatz zu Verstappen blieb Stroll am Boxenfunk relativ ruhig. Als er im Kiesbett stand und Verstappens Red Bull neben der Strecke erkannte, funkte er lediglich: "Ich habe NIEMANDEN gesehen." Und wirkte dabei ehrlich überrascht. "Letztendlich eine unglückliche Situation", sagt Verstappen.

"In dem Moment", erklärt er sich, "habe ich das aber natürlich nicht gewusst." Ein Rechtfertigung für seine derbe Wortwahl am Boxenfunk? Die Meinungs-Kommentatoren Christian Nimmervoll und Stefan Ehlen haben die Ausdrucksweise Verstappens in einer Video-Analyse des Zwischenfalls scharf verurteilt, weisen aber gleichzeitig auf den Kontext im Eifer des Gefechts hin.

Wörtlich übersetzt lautete Verstappens Boxenfunk unmittelbar nach der Crash-Situation: "Ist dieser verdammte Kerl blind? Was zur Hölle stimmt nicht mit dem? Jesus! Was für ein behinderter Vollidiot [im englischen Original: "retard"]. Mein Auto ist beschädigt. Was für ein Mongo ["mongol"], ich schwöre es euch!"

Eine Ausdrucksweise, die in den sozialen Netzwerken wegen diskriminierender Sprache prompt zu kritischen Reaktionen führte. Zumal Verstappen, in einem TV-Interview mit der Kritik an seinem Funkspruch konfrontiert, wenig Einsicht zeigte: "Ist nicht mein Problem", meinte er achselzuckend.

Horner verteidigt Verstappen und macht einen Witz

Für Verstappen ist es nicht das erste Mal, dass er wegen seiner Ausdrucksweise in der Kritik steht. Bereits nach einer strittigen Situation beim Grand Prix der USA 2017 hatte er den FIA-Kommissar Garry Connelly als "Mongo" bezeichnet. Später ruderte er zurück und stellte klar, er habe das "nicht böse gemeint" und "niemanden verletzen wollen".

Red-Bull-Teamchef Christian Horner betont, dass der emotionsgeladene Kontext, in dem die Aussagen am Boxenfunk gefallen sind, wichtig sei für eine Einordnung: "Ich schätze, da spielen die Emotionen schon eine Rolle, wenn sowas passiert. Er ist nun mal so ein Charakter. Und er hatte absolut nicht damit gerechnet."

"Was wir uns vor Augen führen müssen ist, dass er die ganze Session mit irgendwelchen Zwischenfällen zu tun hat", bittet Horner um Verständnis für Verstappen. "Manche Fahrer arbeiten da besser zusammen, andere halt nicht. Und wenn Max hinter Lance oder Ocon daherkommt, kann es manchmal unterhaltsam werden!"

Wie dem auch sei: Eine Analyse des Zwischenfalls und eine Einordnung zu Verstappens Boxenfunk-Wutausbruch gibt's seit Freitagabend unter anderem auf den YouTube-Kanälen von Motorsport-Total.com und Formel1.de. Die Bildstörung zu Beginn des Videos bedauern wir, normalisiert sich aber nach etwa vier Minuten.

Weitere Co-Autoren: Adam Cooper. Mit Bildmaterial von Motorsport Images.