Das verspricht sich Paypal von der Übernahme des schwedischen Mobilzahldienstes iZettle

Auf diese Nachricht reagierten schwedische Börsenkenner ganz schön überrascht: Der amerikanische Bezahldienstleister Paypal übernimmt das schwedische Fintech-Unternehmen iZettle. Stolze 2,2 Milliarden Dollar – also umgerechnet 1,9 Milliarden Euro – zahlt er dafür.

Die Überraschung war so groß, weil iZettle-Gründer und Haupteigner Jacob de Geer vor wenigen Tagen angekündigte, noch dieses Jahr mit iZettle an die Börse zu gehen. Daraus wird nun nichts. „Die Möglichkeit, ein Teil von Paypal zu werden, war zu gut, als dass man hätte Nein sagen können“, so de Geer. Der Grund für den Stimmungsumschwung ist der Preis. Vor dem geplanten Börsengang wurde iZettle mit rund einer Milliarde Euro bewertet, Paypal will fast das Doppelte zahlen.

Und auch für den US-Riesen Paypal ist die Übernahme ein logischer Schritt. iZettle bietet ein Bezahlsystem mit mobilen Kartenlesegeräten an, mit denen auch kleinere Händler und Privatpersonen Kreditkartenzahlungen entgegennehmen können. Durch den Zukauf kann der Paypal künftig auch Zahlungen direkt im Geschäft oder am Marktstand anbieten.


Bislang war Paypal vor allem bei Online-Zahlungen erfolgreich. Außerdem kann Paypal durch den Zukauf den Wettbewerb mit dem US-Bezahldienst Square aufnehmen. Square wurde von Twitter-Gründer Jack Dorsey entwickelt und ist vor allem in den USA verbreitet.

Bei Investoren, die in den vergangenen Finanzierungsrunden bei iZettle eingestiegen waren, löste die Nachricht von der Übernahme wenig Begeisterung aus. Sie hatten sich ein deutlich besseres Geschäft bei einem Börsengang erhofft. Mehrere schwedische Pensionsfonds äußerten sich am Freitag hinter vorgehaltener Hand enttäuscht von dem abgeblasenen Börsengang. Öffentlich wollten sie keine Stellung beziehen.

Auch für die Stockholmer Börse ist der iZettle-Verkauf an Paypal ein herber Rückschlag. Nachdem der schwedische Musik-Streamingdienst Spotify sein Börsendebüt in New York und nicht in Stockholm feierte, hatte man in Stockholm gehofft, wenigstens mit iZettle ein weltweit agierendes High Tech-Unternehmen aufnehmen zu können.

iZettle bedient ein stark wachsendes Zukunftsfeld: Das Leben ohne Cash

iZettle wurde 2010 von Jacob de Geer und Magnus Nilsson gegründet. Das Unternehmen bietet kleine mobile Kartenlesegeräte an. Mit ihnen ist es erstmals auch für kleine Unternehmen, Straßenhändler und Privatpersonen möglich, Bezahlungen per Kreditkarte entgegen zu nehmen. Das Lesegerät wird an das Mobiltelefon angeschlossen und die Transaktion über das Mobilfunknetz abgewickelt. In Großbritannien ermöglichen beispielsweise 16.000 Kirchen die bargeldlose Kollekte über iZettle.

Mittlerweile ist iZettle mit seinen 500 Mitarbeitern in den nordeuropäischen Ländern sowie in Deutschland, Frankreich, Italien, Niederlande, Spanien, Großbritannien, Mexiko und Brasilien vertreten. In diesem Jahr rechnet iZettle damit, Bezahlvorgänge mit einem Volumen von rund rund sechs Milliarden Dollar weltweit abzuwickeln.

iZettle-Chef de Geer wird auch nach der Übernahme durch Paypal das Unternehmen weiterführen. Er geht von 28 Millionen Kleinunternehmen als zukünftigen potentiellen Kunden aus. Allein in diesem Jahr rechnet er mit Erlösen von etwa 165 Millionen Dollar.

Dass iZettle in Schweden gegründet wurde, ist hingegen wenig überraschend. Denn in Schweden ist das bargeldlose Zahlen weit verbreitet. Rund 80 Prozent aller Zahlungen laufen mittlerweile bargeldlos ab. Immer mehr Geschäfte akzeptieren keine Münzen und Scheine mehr.

Auch die großen Banken des Landes haben sich auf das Leben ohne Cash eingestellt. SEB, Nordea und Swedbank akzeptieren in rund 80 Prozent ihrer Filialen weder die Bargeld-Einzahlung noch das Abheben von Guthaben. iZettle hat diese Entwicklung zu einer bargeldlosen Gesellschaft beschleunigt.

Paypal gehörte bis 2015 zum Online-Handelsriesen Ebay und wurde im Jahr 2000 unter anderem von Tesla-Hauptaktionär Elon Musk gegründet.