Versicherungen für Smombies

Sandra Alter
Freiberufliche Journalistin
(Bild: gettyimages)

Mini-Versicherungen liegen im Trend. Ob für Smombies, Brautpaare, Busreisende oder Karnevalisten – für fast alle Fälle gibt es Policen, die sich ganz fix übers Smartphone abschließen lassen. Wie gut die sind, hat Stiftung Warentest für das Verbrauchermagazin Finanztest untersucht.

Durch die Stadt spazieren und aufs Handy starren – das machen viele. Ungefährlich ist das nicht. Die sogenannten Smombies (Wortkombination aus Smartphone und Zombie) stolpern ständig über Bordsteine, übersehen Laternenmasten und überqueren Straßen unachtsam.

Auch im Karneval, im Fußballstadion oder auf dem Oktoberfest sind Menschen abgelenkt und leben somit gefährlicher als normalerweise. Findige Versicherer bieten für solche Gelegenheiten Mini-Policen an. Das sind Spezialangebote, die sich meist auf ein bestimmtes Ereignis oder einen Ort beziehen.

Die Pakete richten sich an Menschen, die schon auf dem Weg zu einem bestimmten Ereignis – etwa auf eine Party oder zur Skipiste –sind und auf die Schnelle noch einen Schutz abschließen wollen. Die Verträge sind zeitlich begrenzt und enden manchmal sogar nach 24 Stunden.

Achtung, Smombies!

„Die Smombie-Versicherung ist eine von immer neuen Mini-Policen, die mehrere Versicherungen anbieten. Kunden können sie spontan im Internet oder über eine Smartphone-App abschließen“, so Stiftung Warentest.

Eine Smombie-Versicherung fanden die Verbraucherschützer beim Versicherer Barmenia. Sie kostet 35 Euro für zwölf Monate und endet automatisch. Offiziell läuft die Police unter der Bezeichnung „Unfallversicherung Trainerschutz“. Die Versicherung werbe aber explizit mit höheren Leistungen für „typische Smartphone-Spieler-Verletzungen“. Genauer definiert werde das aber nicht. Wird der Versicherte nach einem Unfall vollinvalide, zahlt die Barmenia einmalig 30.000 Euro. Die Verbraucherschützer meinen: „Die Versicherungssumme ist zu niedrig, um nach einem bleibenden Schaden gut abgesichert zu sein. Wer Unfallschutz möchte, sollte eine Police mit ausreichender Summe abschließen.“

24 Stunden Versicherung

Gleiches gelte für die Busreise-Versicherung von Arag. Der Versicherer bietet eine Kombination aus Unfall- und Reisegepäckversicherung. Der Schutz kostet 2,49 Euro für 24 Stunden. Wird der Reisende durch einen Unfall dauerhaft invalide zahlt die Arag einmalig 50.000 Euro. Gepäckverlust und Beschädigungen sind bis 1.000 Euro versichert. Für den Gepäckschutz hat der Anbieter strenge Regeln aufgestellt. Bargeld, Kredit- und Fahrkarten umfasse der Schutz beispielsweise nicht, Handys und Computer nur eingeschränkt. „Alles in allem ist der Reisegepäckschutz dermaßen eingeschränkt, dass er überflüssig ist“, so die Experten.

Hochzeitsversicherung kann sinnvoll sein

Eine Hochzeitsversicherung bieten Allianz Global Assistance, HanseMerkur und Zurich an. Gezahlt wird, wenn eine Hochzeit wegen Krankheit, einem Todesfall oder Unfall der Eheleute, Trauzeugen oder nahen Angehörigen abgesagt werden muss. Der Schutz ist nicht ganz günstig – eine 25.000-Euro-Hochzeit koste oft um die 500 Euro – aber könne im Einzelfall sinnvoll sein, meinen die Verbraucherschützer.

Wer sich für den Karnevals-Trubel absichern will, kann das mit einer Faschingsversicherung gleich bei mehreren Anbietern. Die 24-Stunden-Policen sind etwa bei der Bayerischen und beim Versicherer HDI für unter sechs Euro zu haben. Bei Vollinvalidität zahlen die Anbieter 50.000 Euro, bei Unfalltod 10.000 Euro. Keine gute Absicherung, meinen die Experten.

„Wer schon eine Unfallversicherung hat, braucht keine Mini-Police. Und wer keine hat, aber eine haben möchte, sollte gleich ausreichenden Schutz mit höheren Leistungen wählen“, so das Fazit von Stiftung Warentest.

Den vollständigen Bericht von Stiftung Warentest zum Thema „Mini-Versicherungen“ finden Sie hier (kostenpflichtig).

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