Versetzen Google und Wal-Mart der Amazon-Aktie den Todesstoß?

Benedikt Kaufmann
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Versetzen Google und Wal-Mart der Amazon-Aktie den Todesstoß?

Amazon schwächelt. Google ergreift die Chance: In einer Allianz mit Wal-Mart soll Google Express zukünftig die Produkte des Einzelhandelskonzerns ausliefern. Das Bündnis richtet sich klar gegen die marktbeherrschende Stellung von Amazon – streng nach dem Motto „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“.

Google Express gibt es schon seit dem Jahr 2013, damals noch unter dem Namen Google Shopping Express. Über die Google Express App lässt sich zum Beispiel bei Costco oder bald auch Wal-Mart orddern. Bestellt man Waren von Kooperationspartnern, bei denen Google Express die Lieferung übernimmt, wird ab einem Warenwert von 25 Dollar kostenlos am gleichen Tag oder über Nacht geliefert. Die Produkte in der App sind jedoch etwas teurer als die gleichen Waren im Laden.

Sicherlich verzeichnet Wal-Mart dank der Übernahme von Jet.com rasante Zuwächse im Online-Bereich. Im vergangenen Quartal stiegen dort die Umsätze um rund 60 Prozent. Dennoch ist die Zusammenarbeit auch für Amazon-Anleger als positiv einzuordnen – denn Konkurrenz belebt das Geschäft. Zudem ist es unwahrscheinlich, dass Google und Wal-Mart den E-Commerce-Giganten von seinem Thron stürzen. Amazon ist und bleibt die erste Anlaufstelle für Online-Shopping. Kein anderer Einzelhändler kann aktuell die Effizienz oder die Auswahlmöglichkeiten an Produkten und Liefermöglichkeiten Amazons übertreffen.

Dennoch muss man der Realität ins Auge sehen. Während Amazon Anfang des Jahres noch als unangefochtener E-Commerce-Monopolist gesehen wurde, sind Investoren auf die Online-Zuwächse der Einzelhandels-Konkurrenz, allen voran die von Wal-Mart, aufmerksam geworden. Insbesondere die Übernahme von Whole Foods, die als der schnelle Einzug Amazons ins Lebensmittelgeschäft gesehen wurde, wird hinterfragt. Setzen Einzelhändler wie Walmart, deren Produktpalette zu einem Großteil aus Lebensmitteln besteht, hier gleichzeitig auf die Expansion von Online-Lieferungen, dürfte Amazons Integration von Whole Foods schwieriger werden, als angenommen.

Wie die Situtation am US-Lebensmittelmarkt einzuschätzen ist und weshalb Sprouts Farmers ein möglicher Profiteur sein dürfte, erfahren sie von Konsum-Experte Andreas Deutsch.

Abstand halten

Doch nicht nur aufgrund der erstarkenden Konkurrenz sollten Anleger aktuell Abstand von der Amazon-Aktie halten. Ein weiteres Problem sind die hohen Investitionen und die damit einhergehenden Schwankungen im operativen Geschäft – das verunsichert momentan die Anleger. Seit der Veröffentlichung der schwachen Q2-Zahlen verzeichnete die Aktie einen Kursverlust von über zwölf Prozent. Nach den Zahlen empfahl DER AKTIONÄR einen Teil der Gewinne zu realisieren. Langfristig ist die scheinbar endlose Wachstumsstory von Amazon jedoch intakt. Anleger behalten Geduld und warten auf ein Signal zum Reinvestieren.