Rot nach Videobeweis: Freiburg tobt - Schiri gesteht Zweifel

Natalie Raida, Sportinformationsdienst (SID)
Die Rote Karte gegen Caglar Söyüncü sorgt für großen Unmut bei den Freiburgern

Es war der Aufreger des Derbys in Stuttgart: Freiburgs Verteidiger Caglar Söyüncü kassierte in der 12. Minute nach Videobeweis die Rote Karte.

In der strittigen Szene hatte der Freiburger den Ball nach einem langen Pass auf Stuttgarts Daniel Ginczek - von diesem stark bedrängt - mit der Hand gespielt.

Schiedsrichter Tobias Stieler ließ zunächst weiterlaufen. Nachdem er ein Signal des Videoassistenten erhalten und die TV-Bilder betrachtet hatte, gab er jedoch Freistoß - und Rot für Söyüncü.

Stieler räumt Zweifel ein

"Es gibt Argumente für beides, wahrscheinlich wäre Gelb besser gewesen", räumte Stieler anschließend bei Sky ein: "Wenn ich es mir noch mal mit Abstand und Ruhe angucke, überwiegen vielleicht auch die Zweifel, aber in dieser kurzen Zeitspanne auf dem Feld mit Unterstützung war ich für Rot und dazu stehe ich auch jetzt."

Für Freiburg, das fortan fast 80 Minuten in Unterzahl spielen musste, ein großer Schock. Trainer Christian Streich schwieg nach der Partie mehrere Sekunden, dann ließ er seinem Ärger über den umstrittenen Video-Platzverweis freien Lauf.

Streich wittert Verschwörung nach Video-Rot

"Ich bin fassungslos. Langsam wird es ein bisschen absurd, was so passiert", sagte Streich nach dem 0:3 (0:2) beim VfB Stuttgart am Sky-Mikrofon: "Ich habe gehofft, dass der Videobeweis für mehr Gerechtigkeit sorgt. Aber was ich in der letzten Wochen erlebt habe, ist kaum zu glauben."  

Der 52-Jährige witterte sogar eine Verschwörung gegen seinen Verein. "Ich habe keine Ahnung, warum sie das mit uns machen, aber die Bundesliga ist ein großes Geschäft - und wir gehören nicht zu den Großen", sagte er auf der Pressekonferenz.

Durch die Niederlage im 33. schwäbisch-badischen Derby verschärfte sich für den SCF die brenzlige Lage im Tabellenkeller.


Auch Söyüncü stand noch Minuten nach dem Abpfiff vor einem TV-Bildschirm in den Katakomben und schüttelte den Kopf. Immer wieder sah er die Szene, doch verstehen konnte er den Platzverweis nicht.

Wie Söyüncü war die gesamte Mannschaft fassungslos. "Die Rote Karte ist ein Witz, der Videobeweis gehört weg. Das ist ein Schmarrn", sagte Stürmer Florian Niederlechner.

Freiburg-Manager wettert gegen Video-Schiri

"Da fällt mir nicht viel zu ein. Das ist gegen alles, was ich bei der Regelschulung gelernt habe", sagte auch Freiburgs Manager Jochen Saier und kritisierte den Video-Schiedsrichter: "Nach 50 Sekunden die Begegnung zu unterbrechen - da sage ich: Glückwunsch nach Köln."

Auch Freiburgs Kapitän Julian Schuster konnte sich einen Kommentar zum Video-Schiri nicht verkneifen: "Mich würde auch mal interessieren, was der Kollege in seinem Zimmerchen in Köln denkt?"


Bereits während des Spiels waren die Breisgauer auf dem Rasen außer sich. Söyüncü verließ unter Protest den Platz und trat auf dem Weg in die Kabine wutentbrannt in eine Werbebande, Trainer Streich sprang schimpfend durch seine Coaching-Zone und rief immer wieder: "Rot? Rot?" Erst eine Ermahnung von Stieler brachte den Coach zur Ruhe.

Wolf und Ginczek befürworten Entscheidung

Für VfB-Trainer Hannes Wolf war die Entscheidung dagegen korrekt. "Ich habe sofort gesehen, dass er den Ball mit der Hand wischt. Wenn es ein Handspiel ist, ist es die Vereitelung einer Torchance. Das ist natürlich bitter für Freiburg, aber so sind die Regeln, und daran müssen sich die Schiedsrichter halten", sagte Wolf.

Torschütze Ginczek pflichtete ihm bei und wies den Vorwurf, dass dem Handspiel ein Foul gegen Söyüncü vorausgegangen war, vehement zurück: "Von meiner Seite aus ist es kein Foul, wir spielen Bundesliga. Wenn er die Hände nicht dazunimmt, dann laufe ich alleine aufs Tor. Von daher ist es die Verhinderung einer klaren Torchance."