Verschwörerische Liaison

Zwischen Jerusalem und Riad gibt es offiziell keine diplomatischen Beziehungen. Aber der gemeinsame Feind in Teheran sorgt für eine Geheimallianz, die immer wichtiger wird.


Im Mittleren Osten finden zwei ungleiche Partner zueinander: Israel und Saudi-Arabien. Sie haben zwar keine diplomatischen Beziehungen. Aber die beiden US-Verbündeten eint die Sorge über die zunehmende Macht des Iran, den sowohl Jerusalem als auch Riad als Erzfeind betrachten. Beide eint das Interesse, die regionalen Ambitionen des Iran abzuwehren. Die heimliche israelisch-saudische Zusammenarbeit könnte deswegen im kommenden Jahr intensiver werden, meinen Beobachter in Tel Aviv und in Riad.

Vorerst hält sich Riad mit einer offiziellen Normalisierung der Beziehungen zu Israel zwar zurück. Wegen des israelisch-palästinensischen Konflikts käme ein Austausch von Botschaftern im ganzen arabischen Raum schlecht an. Zuletzt wurden israelischen Schachspielern Visa für die Teilnahme an der Schnellschach- und Blitzweltmeisterschaft, die bis zum 30. Dezember in Riad stattfindet, verweigert.

Im militärischen Bereich funktioniert die Kooperation der beiden Staaten besser. Die Saudis, sagt ein europäischer Waffenverkäufer in Riad, prüfen derzeit zum Beispiel den Kauf israelischer Rüstungsgüter. Um Raketenangriffe aus dem Jemen abzufangen, gilt ihr Interesse dem israelischen Abwehrsystem „Iron Dome“, das sich in Israel bewährt hat, um Attacken aus dem Gazastreifen abzuwehren. Saudi-Arabien zeige sich zudem an israelischen APS-Systemen interessiert, die Panzer vor direkten Treffern schützen. Saudische Militärexperten sollen die Rüstungsgüter in Abu Dhabi bereits geprüft haben. Israel gehört zu den führenden APS-Herstellern.


Zudem ist die Kooperation der israelischen und saudi-arabischen Sicherheitsdienste bereits „weit fortgeschritten“, wie Beobachter in Tel Aviv und Riad bestätigen. Offiziell stellt Saudi-Arabien eine Kooperation mit Israel zwar in Abrede. Aber die saudische Elite hat ihre Berührungsängste mit Vertretern des jüdischen Staates längst abgelegt. Saudi-Arabien arbeite direkt mit Israel und anderen sunnitischen Staaten im Kampf gegen den Terror zusammen, sagte zum Beispiel Anfang Dezember CIA-Chef Mike Pompeo. Zuvor hatte Israels Energieminister Yuval Steinitz von „mehreren Kontakten“ zu Saudi-Arabien gesprochen, die aber auf Wunsch Riads geheim gehalten würden. Steinitz, der in den Jahren 2013 bis 2015 Strategieminister war, bestätigte damit, was vor ihm bereits Israels Generalstabschef Gadi Eisenkot angedeutet hatte. Eisenkot sprach von Israels Bereitschaft, Geheimdienstinformationen mit Saudi-Arabien und „anderen moderaten arabischen Staaten“ auszutauschen.

Beobachter werten das als verklausulierte Bestätigung, dass Israels und Saudi-Arabiens Spionagedienste bereits miteinander kooperieren. Zudem zeigen sich saudi-arabische Persönlichkeiten neuerdings auch in der Öffentlichkeit mit israelischen Prominenten. So trafen sich im Oktober die ehemaligen Geheimdienstchefs Israels und Saudi-Arabiens zu einem Gedankenaustausch über die US-Politik. Der frühere saudi-arabische Geheimdienstchef Prinz Turki al-Faisal debattierte kürzlich mit Ex-Mossadchef Efraim Halevy vor Publikum. Al-Faisal war sogar bereit, mit seinem Diskussionspartner aus Tel Aviv auf der Bühne eines jüdischen Gemeindezentrums in New York aufzutreten. Bereits vor zwei Jahren hatte der ehemalige saudi-arabische General Anwar Eshki bei einem gemeinsamen Auftritt vor einem amerikanischen Think Tank mit dem ehemaligen Generaldirektor des israelischen Außenministeriums Dore Gold vor laufenden Kameras über den Nahen Osten gesprochen.


Inzwischen denken in Jerusalem prominente Minister laut darüber nach, wie die Beziehungen zu Saudi-Arabien verstärkt werden könnten. Transportminister Israel Katz, der auch den Geheimdiensten vorsteht, träumt von einer Bahnverbindung, die den Hafen von Haifa mit den Golfländern verbinden würde. Das wäre aus israelischer Sicht nicht nur völkerverbindend, sondern auch strategisch von Bedeutung. Die moderne Version der osmanischen Hejaz-Verbindung, die einst Damaskus mit Saudi-Arabien verband, würde die Ausfuhren der Golfstaaten unabhängig von der Straße von Hormus machen. Dadurch könnte der Iran im Krisenfall die Exporte nach Europa und in die USA nicht mehr blockieren. Im Sommer hatte Katz den saudi-arabischen König Sultan aufgefordert, Premier Benjamin Netanjahu nach Riad einzuladen und sich zu vollen diplomatischen Beziehungen zu bekennen. Von einer offiziellen Antwort des Königs wurde freilich nichts bekannt.

KONTEXT

Saudi Arabien und die Menschenrechte

Verheerende Lage

Saudi-Arabien gilt als eines der Länder mit den massivsten Einschränkungen der persönlichen Freiheit. Die Menschenrechtslage ist verheerend. So sind die Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit und die Rechte der Frauen stark beschnitten.

Quelle: dpa

Frauenrechte

Der in der Ölmonarchie verbreitete Wahhabismus - eine der konservativsten Strömungen des sunnitischen Islams - unterwirft Frauen strengen Regeln. Ohne die Genehmigung eines männlichen Vormundes dürfen sie nicht reisen oder heiraten. Auch Autofahren ist ihnen untersagt. In der Öffentlichkeit treten sie meistens nur verschleiert auf.

Drakonische Strafen

Immer wieder kommt es zu Inhaftierungen und Hinrichtungen von Regierungskritikern und Aktivisten. Vor allem die drakonischen Strafen werden international scharf kritisiert. Für besonders großes Aufsehen sorgte weltweit der Fall des Bloggers Raif Badawi, der wegen Beleidigung des Islams zu 1000 Peitschenhieben verurteilt worden war.

Mehr Hinrichtungen

Die Zahl der Hinrichtungen stieg Berichten zufolge auf mehr als 150 Exekutionen in den vergangenen beiden Jahren. Unter Diskriminierung leiden die schiitische Minderheit im Osten des Landes sowie die Millionen ausländischen Arbeitskräfte.