Dax geht zum Wochenende die Luft aus

Der Dax überwindet zum Wochenende mehrmals die Marke von 13.000 Punkten – schließt dann aber darunter. Ein starker Euro verhindert eine dauerhafte Hausse des deutschen Leitindex.


Nach dem Gipfelsturm auf die 13.000-Punkte-Marke herrschte an der Frankfurter Börse am Freitag nur wenig Bewegung. Der Dax schloss mit einem Plus von 0,07 Prozent beinahe unverändert. Im Handelsverlauf gab sich der deutsche Leitindex zwar erneut ein Stelldichein mit der „magischen Marke“, notierte bei Handelsschluss mit 12.991 Zählern aber darunter. Die zweite Frankfurter Reihe, der MDax, gewann 0,09 Prozent. Der paneuropäische Leitindex EuroStoxx 50 legte um 0,09 Prozent zu.

Ob der Dax den Sprung über die 13.000-Punkte-Marke nachhaltig schafft, hängt Experten zufolge vor allem von den Quartalszahlen und Prognosen der Unternehmen ab. „Dann entscheidet sich, ob die Ampeln wieder auf Grün schalten oder endgültig auf Rot und wir eine Konsolidierung sehen“, sagte Aktienhändler Stefan de Schutter vom Brokerhaus Alpha Trading.


Auf Seiten der Bank of America gab es hier Positives zu vermelden: Im dritten Quartal verdiente das Kreditinstitut dank geringerer Kosten und eines starken Geschäfts mit Privatkunden besser als erwartet. Verglichen mit dem Vorjahreswert kletterte der Gewinn unter dem Strich um 13 Prozent auf 5,6 Milliarden US-Dollar, wie das Geldhaus am Freitag mitteilte. Prognosen von Analysten wurden damit übertroffen.

Weniger rosig sah es hingegen bei Wells Fargo aus: Skandale und ein schwächelndes Hypothekengeschäft belasten die US-Großbank. Der Nettogewinn fiel im dritten Quartal um 19 Prozent auf 4,6 Milliarden Dollar, wie das Geldhaus am Freitag mitteilte. Ein Grund für den Gewinnrückgang waren Rechtskosten in Höhe von einer Milliarde Dollar.


Im Mittagshandel bescherten unerwartete Kursverluste des Euro dem Dax kurzzeitig deutliche Zugewinne. Im Tagesverlauf erhielt die Gemeinschaftswährung dann allerdings wieder Auftrieb durch enttäuschende Konjunkturdaten aus den USA. Zuletzt notierte der Euro um 0,08 Prozent fester bei 1,1838 US-Dollar.

In den den Vereinigten Staaten waren die Verbraucherpreis im September um 2,2 Prozent zum Vorjahresmonat gestiegen, blieben damit jedoch hinter den Erwartungen zurück. Experten hatten mit einer Teuerung von 2,3 Prozent gerechnet. An der New Yorker Börse wurden die landeseigenen Konjunkturdaten dennoch gut angenommen: Die Wall Street startete mit einem Plus in den Freitagshandel.

Devisenanalyst Kit Juckes von der Bank Societe Generale geht auch langfristig von einer deutlichen Aufwertung des Euro aus. „Sollte die Konjunktur in der Euro-Zone sich weiterhin so gut entwickeln und die EZB ihre Geldpolitik normalisieren, wird der Euro innerhalb der nächsten 18 Monate oder so auf über 1,30 Dollar steigen.“




„Cyberpraline Bitcoin“ auf 6000-Dollar-Kurs


Zu den größten Gewinnern am deutschen Aktienmarkt gehörten die Titel von Bayer. Der Chemie- und Pharmakonzern verkauft Teile seines Saatgut- und Herbizid-Geschäfts an BASF für 5,9 Milliarden Euro. Der milliardenschwere Spartenverkauf kam bei den Aktionären gut an. Die Papiere des Leverkusener Chemieriesen stiegen am Freitag um bis zu 2,1 Prozent. „Wir befürworten diesen Deal sehr“, betonten die Analysten vom Bankhaus Lampe.

Für Bayer bedeute der Verkauf, dass eine Kapitalerhöhung im Rahmen der Monsanto-Transaktion wahrscheinlich geringer ausfalle als erwartet, schrieb Analyst Markus Mayer von der Baader Bank in einem Kurzkommentar. „Das wäre eine positive Überraschung.“

Am unteren Ende des Dax stand die Deutsche Bank mit einem Minus von 1,24 Prozent.


Auf dem Frankfurter Parkett wurde am Freitag außerdem ein neues Mitglied willkommen geheißen: Mit einem Ausgabekurs von 24 Euro ging der Batteriesystem-Anbieter Voltabox an die Börse. Im Mittagshandel legten die Anteilsscheine des Unternehmens gut 20 Prozent zu.

Großes Gesprächsthema an den Finanzmärkten war auch der Höhenflug der Krypto-Währung Bitcoin. Nachdem sie erst am Donnerstag die Rekordmarke von 5000 Dollar geknackt hatte, stand sie am Freitag schon kurz vor dem Durchbruch der 6000er-Marke. „Die Versuchung an der Cyberpraline Bitcoin ist in diesen Stunden zu groß, was zu einer gekonnten Ausblendung von Negativschlagzeilen führt“, sagte Analyst Timo Emden vom Brokerhaus IG.


Hinsichtlich einer möglichen Jahresendrally des Dax sind Analysten nach wie vor uneins. Um das Potenzial abschätzen zu können, lohnt laut dem Chartexperten Franz-Georg Wenner vom Börsenstatistik-Magazin „Index Radar“ ein Blick in die Vergangenheit mit ähnlichen Kursausbrüchen nach oben. Daraus errechne sich zunächst ein Potenzial bis auf fast 14.000 Punkte. Ende 2016 notierte der Leitindex noch knapp unterhalb von 11.500 Punkten.

Erfolgt an den Märkten kein deutlicher Einbruch mehr, wäre das Börsenjahr 2017 bereits das sechste Gewinnjahr in Folge. Sollten die 13.000 Punkte bis Ende 2017 halten, würde sich das Plus seit Ende 2011 auf insgesamt mindestens 120 Prozent belaufen.

Vorsichtigere Stimmen verweisen allerdings auf die unter der Marktoberfläche schwelenden Probleme. So gab Analystin Claudia Windt von der Helaba, mit Blick auf Donald Trumps Steuerpläne, zu bedenken, dass an den Aktienmärkten schon wieder auf die Versprechen des US-Präsidenten gesetzt werde, was nicht gerechtfertigt erscheine. Indes rumore es im Euroraum angesichts der Unabhängigkeitsbestrebungen der Katalanen in Spanien, und die Franzosen begännen, ihrem Präsidenten Emmanuel Macron zu misstrauen.

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KONTEXT

Meilensteine des Dax

1. Juli 1988

Der Dax wird aus der Taufe gehoben. Basis der Berechnung ist der 30. Dezember 1987 mit einem Wert von 1.000 Punkten.

18. November 1996

Bei der Privatisierung der Deutschen Telekom wird die T-Aktie als Volksaktie vermarktet. Das Interesse der Öffentlichkeit am Dax nimmt dramatisch zu.

7. März 2000

Der Dax erreicht ein Rekordhoch von 8136,16 Punkten. Händler begründen die Euphorie mit Fusionsfieber. Ein geplanter Zusammenschluss der Deutschen mit der Dresdner Bank scheitert aber. Die Dresdner Bank geht an die Allianz, die sie im Mai 2009 an die Commerzbank weiterreicht. Auf dem Höhepunkt der Börseneuphorie wird die Chip-Tochter von Siemens, Infineon, zu einem Emissionspreis von 35 Euro an den Anleger gebracht. Die Platzierung ist 33-fach überzeichnet. Danach beginnt beim Dax eine langjährige Abwärtsbewegung, die von den Anschlägen in New York und Washington am 11. September 2001 verschärft wird.

12. März 2003

Der Dax rutscht unter 2200 Punkte und notiert damit so tief wie zuletzt im November 1995. Im Laufe des Jahres dreht er. Mit der Erholung der Weltwirtschaft in den Folgejahren wächst auch das Vertrauen in die Gewinnentwicklung der Unternehmen wieder.

13. Juli 2007

Mit 8.152 Zählern setzt der Dax einen neuen Meilenstein. Trotz erster Bankenpleiten und Notoperationen der EZB am Geldmarkt hält sich der Dax zu Beginn des Krisenjahres 2008 über 8000 Zählern. Doch ab dann geht es bergab. 2009 beschleunigt der Absturz des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate die Talfahrt des Dax.

9. März 2009

Die Krise der Banken hat Tribut gefordert: Mit 3588 Punkten erreicht der Dax zeitweise den niedrigsten Stand seit Oktober 2003. Doch es gibt Hoffnung. Denn nur wenige Tage später wirft die Fed die Notenpresse an. Von nun an geht es bergauf. Am 25. Oktober schafft der Dax zum ersten Mal in seiner Geschichte den Sprung über die Marke von 9000 Punkten.

5. Juni 2014

Erstmals in seiner Historie ist der Dax fünfstellig. Um 14:33 Uhr knackt der deutsche Leitindex die magische Marke und steigt bis auf 10.014 Punkte.

22. Januar 2015

EZB-Präsident Mario Draghi beschließt ein Anleihekaufprogramm im Stile der Federal Reserve. Die Zentralbank wird bis September 2016 Staats- und Unternehmensanleihen im Wert von 60 Millionen Euro aufkaufen. Insgesamt sollen so 1,14 Billionen in die Märkte gespült werden. Der Dax springt nach nervösen Pendelbewegungen auf ein Rekordhoch von 10.454 Punkten. In den folgenden Tagen hält die Hausse an, am 13. Februar springt der Dax das erste Mal über in seiner Geschichte über die 11.000-Punkte-Marke. Damit sollte die Rekordjagd aber gerade erst beginnen.

16.März 2015

Bereits wenige Wochen nach der Eroberung der 11.000-Punkte steht ein weiterer Meilenstein der Dax-Geschichte auf der Börsen-Agenda. Der Leitindex klettert zum ersten Mal über 12.000 Punkte. Weder der Konflikt in der Ostukraine noch der sich immer weiter zuspitzende Schuldenstreit scheinen die Börsenteilnehmer groß zu stören. Sie kaufen Aktien und befeuern die Hausse.

14. Juni 2017

In Erwartung einer positiven Zinsentscheidung der US-Notenbank knackt der Dax das erste Mal im Laufe seiner Geschichte die 12.900 Punkte und erreicht schließlich sein Allzeithoch von 12.921 Punkten. Schon in den Monaten zuvor hatte der Dax im Anschluss an den Erfolg des europafreundlichen Politikers Emmanuel Macron bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich seinen Höchststand mehrfach verbessert.

20. Juni 2017

Einen Tag vor der Sommersonnenwende des Jahres 2017 treiben Dax-Anleger das deutsche Börsenbarometer erneut auf einen Rekord. Im Verlauf des Handelstages steigt der Dax auf 12.952 Punkte. Es sollte ein schwieriger Sommer folgen.

9. Oktober 2017

Nach einem starken September, der ganz anders ausfiel als sein Ruf auf dem Parkett, setzten die Dax-Anleger ihren Angriff auf die 13.000 Punkte im Oktober fort. Bis auf drei Punkte kam der Frankfurter Platzhirsch ran an die historische Marke. Für mehr als das Allzeithoch von 12.997 Punkten reichte es am Montag aber nicht.

KONTEXT

Wie sich die Dax-Börsenmonate seit 1959 entwickelt haben

Januar-Performance

Viele Anleger glauben, der Januar sei der Börsenmonat mit der höchsten durchschnittlichen Performance. Weit gefehlt. Mit plus 0,78 Prozent ist das ein durchschnittlicher Monat, der im Vergleich zu den anderen elf nur auf Rang fünf liegt. Für die Berechnungen seit dem Jahr 1959 hat die Baader Bank den Dax seit Juni und die Vorläuferindizes der Börsenzeitung (1981 bis 1988) und den Hardy-Index (1959 bis 1981) genommen.

Februar-Performance

Bereits im zweiten Monat des Jahres halbiert sich im Vergleich zum Januar die durchschnittliche Performance und beträgt nur noch 0,33 Prozent. Das bedeutet Rang acht.

März-Performance

Wer hätte das gedacht? Der März ist der beste Börsenmonat. Durchschnittlich sind die Kurse um 1,54 Prozent gestiegen - deutlich höher als in den Monaten November und Dezember, in denen die meist lukrative Jahresendrally stattfindet.

April-Performance

Doch nur einen Monat später halbiert sich das Plus auf 0,76 Prozent - Platz sechs in der Statistik für den Monat April.

Mai-Performance

"Sell in May and go away" lautet das bekannte Börsensprichwort und bei der durchschnittlichen. Vom Jahresanfang betrachtet ist der Mai der erste Monat mit einem negativen Entwicklung- Die beträgt minus 0,12 Prozent und damit Rang neun.

Juni

Und in den folgenden Monaten geht es weiter runter: Im Juni sinkt die durchschnittliche Performance auf minus 0,27 Prozent und damit auf den neunten Platz der Börsenmonate.

Juli-Performance

Ein kurzes Comeback zeigt der Juli, die durchschnittliche Performance seit 1959 ist mit plus 0,79 Prozent wieder positiv und hieven den Zeitraum auf den vierten Platz.

August-Performance

Doch bereits im August geht es wieder abwärts mit minus 0,33 Prozent und damit der vorletzte Rang in der Börsenstatistik.

September-Performance

"Für Börsenspekulanten ist der Februar einer der gefährlichsten Monate. Die anderen sind Januar, März, April, Mai, Juni und Juli, bis Dezember", sagte einst der Schriftsteller Mark Twain. Doch, zumindest im Durchschnitt gesehen, ist nur der Monat September gefährlich. Mit 1,86 Prozent übertrifft das Minus alle anderen Monate mit deutlichem Abstand, der September ist Schlusslicht.

Oktober-Performance

"Ein Crash-Monat Oktober mag zwar dramaturgisch reizvoll sein. Und sicher hat es üble Exemplare dieses Monats an den Aktienmärkten gegeben, z.B. 1987 oder 2008. Außerdem hat sich seit Jahresbeginn u.a. im DAX ein ordentlicher Kurspuffer angehäuft, der zu Gewinnmitnahmen einlädt", meint Kapitalmarktexperte Robert Halver von der Baader Bank. Doch gegenüber dem September muss der Oktober nicht gefürchtet werden. Historisch betrachtet verzeichnete der Dax in diesem Monat sogar ein Plus von 0,75 Prozent.

November-Performance

Und nun zur Jahresendrally: Der beste Monat ist dafür der November mit einer durchschnittlichen Performance plus 1,35 Prozent. Damit ist dieser Monat der zweitbeste hinter dem März.

Dezember-Performance

Gegenüber dem Monat November fällt der Dezember etwas zurück. Das durchschnittliche Plus beträgt 1,13 Prozent und damit Rang drei der Börsenstatistik.