So will der neue Coach Barca wieder groß machen

Martin Hoffmann
Valverde hat einen Plan mit Barca

Andre Klubs hätten mit einer spektakuläreren Personalie auf diese Saison reagiert, davon darf man ausgehen.

Die Meisterschaft: verpasst. Die Champions League: schon im Viertelfinale verspielt. Trainer Luis Enrique: warf zermürbt das Handtuch. Er hinterließ einen FC Barcelona, der zuletzt viel von dem Glanz verloren hatte, der ihn noch zu Beginn seiner Ära ausgemacht hatte.

Und wiederherstellen soll ihn nun ein Mann, der nicht unbedingt ein internationaler Trainer-Star ist. Ernesto Valverde heißt er, ein früherer Stürmer, dessen bislang größter Titel die griechische Meisterschaft mit Olympiakos Piräus war.

Und doch sind sie bei Barca überzeugt, dass dieser Mann der Richtige ist, um ihren Klub wieder aufzupolieren. Nicht ohne Grund, wie zu vermuten ist.

Ein Typ wie Guardiola - aber pragmatischer

Der 53-Jährige ist kein Lautsprecher, hat sich in Fachkreisen aber einen exzellenten Ruf erarbeitet. Pep Guardiola soll ihn schon bei seinem Abgang 2012 als Nachfolger empfohlen haben.


Valverde ist Guardiola nicht ganz unähnlich: Er gilt als Schöngeist, der mit Kunstgrößen verkehrt, er selber ist ein talentierter Fotograf, der sogar überlegt hatte, die Kunst nach der aktiven Karriere zum Beruf zu machen.

Stattdessen ist ihm nun das Gesamtkunstwerk Barca zur Restauration anvertraut. Eine spannende Zusammenkunft.

Valverde hat sich bei früheren Stationen wie Piräus und zuletzt Athletic Bilbao empfohlen, als ein Typ Trainer, dessen Ideen zu denen von Barca passen. Er setzt auf Ballbesitz, aber auch auf schnelles Spiel nach vorn, er gilt als begabter Jugendförderer und als Spielerversteher mit der idealen Mischung aus Autorität und Verständigkeit.

Ein Typ wie Guardiola, aber pragmatischer, weniger stur, weniger detailversessen, nicht so sehr über den Dingen schwebend. In Valverde steckt die richtige Dosis Ancelotti, heißt es.

Wegen Verratti: Geht Rakitic?

"Es gibt wenige Trainer, denen sowohl die erste Elf als auch die Ersatzspieler bis in den Tod folgen", drückt es Ex-Schützling Ander Herrera im Guardian aus. Valverde sei so ein Trainer.

Einen solchen Trainer kann Barca gut gebrauchen: Einerseits gibt es dort viele große Egos zu managen, auch und gerade das gar nicht so kleine von Superstar Lionel Messi. Andererseits steht das Team vor einem Umbruch, der auch menschlich schwierig werden könnte.


Von einer acht Spieler langen Streichliste war zuletzt in den Medien die Rede - prominenteste Namen: Offensiv-Allrounder Arda Turan und die Verteidiger Jeremy Mathieu und Thomas Vermaelen.

Auch das Mittelfeld ist überbesetzt, bei nachlassender Qualität im Vergleich zur großen Xavi-Iniesta-Ära. Die angepeilte Verpflichtung von PSG-Star Marco Verratti wird nicht zuletzt als Schlüsseltransfer bezeichnet.

Dafür könnte Ivan Rakitic geopfert werden. Neben Juventus Turin wird auch der FC Bayern als möglicher Abnehmer für den früheren Schalke-Profi gehandelt.

Dembele ganz oben auf der Wunschliste

Zudem ist die Rechtsverteidiger-Position eine Baustelle, der zu Juve abgewanderte Dani Alves wurde schmerzlicher vermisst als gedacht. Arsenals Hector Bellerin ist als Abhilfe im Gespräch.

Dortmunds Ousmane Dembele, der Wunschspieler von Barca-Sportdirektor Robert Fernandez, wiederum könnte dem Sturm-Trio Messi, Neymar, Suarez Dampf machen - und Valverde die gewinnbringende Option eröffnen, Messi ins Mittelfeld zurückzuziehen. 


"Vertiefen" und "anpassen" will Valverde den Barca-Stil nach eigenen Angaben. Im Fußball sei es letztlich ähnlich wie in der Fotografie: "Man sucht Balance. Und sie ergibt sich aus den Elementen, die dir zur Verfügung stehen."

Der FC Barcelona hat schon mindestens ein spannendes Element hinzugewonnen.