Vernetzte Überwachungskameras sicher einrichten

Wer eine neue Kamera am Haus installieren will, der sollte erstmal die Zugangsdaten ändern. Foto: Arno Burgi/dpa

Sie sind praktische Helfer und bieten ein Gefühl der Sicherheit. Sorglos installiert und betrieben können mit dem Internet verbundene Überwachungskameras aber zum Problem werden - das zeigt eine aktuelle Untersuchung von Stiftung Warentest. Was ist zu beachten?

Berlin (dpa/tmn) - Vernetzte Überwachungskameras sollen Sicherheit schaffen, falsch eingerichtet können sie aber zum Sicherheitsrisiko werden. Deshalb sollten Nutzer folgende Tipps beachten:

Beim ersten Start sollten Nutzer ein neues Passwort festlegen. «Daran führt kein Weg vorbei», sagt Ronald Eikenberg vom Fachmagazin «c't». Dabei sei egal, ob gar kein, ein einfaches oder ein kompliziertes Passwort voreingestellt ist, sagt der Experte.

Längst nicht alle vernetzten Kameras fordern Nutzer bei der Einrichtung auf, die Zugangsdaten zu ändern. Drei Geräte waren in einer Untersuchung der Stiftung Warentest deshalb mit «mangelhaft» bewertet worden - auch weil sie zusätzlich unsichere Zugangsdaten voreingestellt hatten. Fremde könnten derart schlecht gesicherte Kameras leicht kapern und deren Besitzer über das Netz ausspähen.

Die Warentester hatten auch sonst einige Kritik an den 16 Testgeräten: Sensible Daten wurden zum Teil unverschlüsselt übertragen. Netzwerkzugänge lagen unnötig offen. Vier Kameras waren «gut», sechs «befriedigend», drei «ausreichend», dazu kamen die drei «mangelhaften» Modelle. Testsieger für den Außenbereich war die Nest Cam Outdoor (2,2), im Innenbereich lag die Arlo Q Plus von Netgear vorn (2,1) («test»-Ausgabe 10/17).

In den Kameras arbeitet ein kleiner Computer, der sich mit der passenden Anwender-App auf dem Smartphone des Nutzers vernetzt. So bekommt man unterwegs mit, wenn das Überwachungsgerät daheim Alarm schlägt. Deswegen gilt, was auch für jeden PC gilt: Die Firmware der Kamera sollte stets auf dem neuesten Stand sein. «Updates schließen oft Sicherheitslücken», betont Eikenberg. Auch vernetzte Kameras bieten die Option, automatisch nach Updates zu suchen und sie oft ohne Zutun des Nutzers installieren zu lassen.

Standardmäßig erlauben Router keinen Zugriff aus dem Internet auf lokale Netzwerkgeräte. Das schließt auch Kameras ein. Und an dieser Router-Einstellung sollte man auch nichts ändern, betont Eikenberg. Denn was Stiftung Warentest auffiel: Viele der Kameras haben offene Netzwerkzugänge, über die Angreifer eindringen könnten. Immerhin: Das sei unwahrscheinlich, wenn eben der Router den Zugriff von außen auf Netzwerk-Geräte nicht erlaubt, erklärt Eikenberg.

Nach draußen dürfen die Kameras Daten senden. Das gehört zu ihren zentralen Funktionen: Sie schlagen Alarm und informieren den Nutzer per App unterwegs darüber, was daheim gerade los ist. Wermutstropfen: Eikenberg zufolge ist es nicht ausgeschlossen, dass eine Kamera, die ins Internet senden darf, auch Daten an den Hersteller schickt.

Ein anderer genereller Knackpunkt: Wo und wann dürfen und sollten Überwachungskameras filmen? Prinzipiell gilt: Das eigene Grundstück und die eigenen vier Wände darf man überwachen, öffentliche Bereiche wie Gehwege sind tabu. In Eigenheim oder Wohnung könnten Kameras aber die Privatsphäre von Bewohnern oder Angestellten wie etwa Babysittern stören. Die müssen im Regelfall einer Überwachung zustimmen.

Der Rat der Warentester: Am besten sind die Überwachungskameras aus, sobald jemand daheim ist. Manche der getesteten Geräte bieten dafür die Funktion Geofencing. Dann kann etwa die Überwachungsanlage automatisch ausgeschaltet werden, wenn man die Wohnung betritt.

«Die Leute machen sich kaum Gedanken darüber, was sie filmen», beobachtet Eikenberg. Sie stellen Kameras ins Schlafzimmer oder Kinderzimmer. «Ich hätte da ein schlechtes Gefühl.» Denn bei allen Bemühungen um Sicherheit, sind viele doch recht sorglos im Umgang mit den Geräten. Wenn Fremde über das Netz Zugriff darauf bekommen, haben sie Einblick in die absolute Privatsphäre der Nutzer.

Videoaufnahmen ließen sich bei den allermeisten Geräten in dem Vergleich der Stiftung Warentest nicht nur lokal auf einem USB-Stick oder einer SD-Karte speichern. Alternativ boten einige Anbieter etwa eigene Cloud-Speicher. Das sei komfortabel, aber oft mit zusätzlichen Kosten verbunden, sagt Eikenberg.

Andere erlaubten die Übertragung der Videos zu Cloud-Diensten wie Dropbox und Google Drive - oder auf einen eigenen Netzwerkspeicher (NAS). Unter Gesichtspunkten von Datenschutz und Datensicherheit sei dieses lokale Sichern daheim die beste Variante, sagt Eikenberg.

Einen Vorteil haben alle von der Kamera getrennten Bildspeicher: Schrauben Einbrecher die Kamera während des Beutezugs ab, bleiben die Videoaufzeichnungen dem Nutzer trotzdem erhalten.