„Ich vermisse die Briten jetzt schon“

Die Banken müssen sich auf einen harten Brexit vorbereiten, warnt Bafin-Chef Felix Hufeld in London bedauernd. Ein solcher wäre ziemlich komplex. Einige wichtige Fragen sind immer noch ungelöst.


Das Gildehaus der Kannengießer im Londoner Finanzviertel ist ein Hort der Tradition. Vielleicht wurde Felix Hufeld deshalb für einen Moment nostalgisch. „Ich vermisse Euch jetzt schon“, sagte der sonst so nüchterne Bafin-Chef in dem getäfelten Saal vor Londoner Bankern. Er sitze in vielen Gremien der Eurozone und der EU. Dabei habe er die Erfahrung gemacht: Wenn die Briten dabei säßen, liefen die Gespräche besser.

Der Gast aus Deutschland war jedoch nicht gekommen, um den Gastgebern zu schmeicheln. Er wollte sie vielmehr warnen. Da sich in Brüssel noch kein Brexit-Kompromiss abzeichne, müsse man mit einem abrupten Ausstieg des Landes aus der EU rechnen, sagte Hufeld. „Wir müssen davon ausgehen, dass Großbritannien nach dem März 2019 nicht mehr im Binnenmarkt ist“.


Wer weiter Geschäfte in der EU machen wolle, müsse daher Vorsorge treffen. Es werde nicht möglich sein, nur einen Briefkasten in Frankfurt zu haben und das Geschäft weiter aus London zu betreiben, sagte Hufeld. Die Bafin werde „Fly and drive“-Operationen allenfalls in Einzelfällen und für einen begrenzten Zeitraum dulden. Die Banken müssten imstande sein, alle Risiken ihres EU-Geschäfts von Frankfurt aus zu managen und dafür genug Fachpersonal vorhalten. „Der Brexit ist nicht kostenfrei“, betonte Hufeld. „Viele Leute haben die Vorteile der EU unterschätzt“. Er hoffe aber, dass es keinen abrupten Bruch zwischen den Partnern gebe und man sich auf eine gute Kooperation verständigen könne. Die Aufseher arbeiteten schon jetzt sehr gut zusammen. „Das ist der Vorteil der langwierigen Prozesse in der EU“, sagte er. „Man sitzt ständig zusammen. Das schafft Vertrauen“.

Es wäre deshalb wohl einfach, sich auch künftig auf gemeinsame Regeln zu einigen. Doch gibt Hufeld zu bedenken, dass der Europäische Gerichtshof eine Rolle spielen müsste. „Ich weiß nicht, ob das politisch akzeptabel wäre“. Die meisten Banken bereiten sich seit Monaten auf den Brexit vor, hunderte von Stellen sollen verlagert werden. Die Großbanken seien alle vorbereitet, bestätigte Hufeld. Einige der kleineren hätten sich noch nicht um alles gekümmert. „Ich rede mit vielen Bankern“, sagte der Bafin-Chef. „Ich habe nicht den Eindruck, dass irgendjemand die Herausforderung unterschätzt. Im Gegenteil, sie sind ziemlich nervös“.


Eine der ungelösten Fragen betrifft die Vertragssicherheit. Unter welches Recht fallen Verträge, die über den Brexit-Stichtag hinauslaufen? Viele Banken sehen „Grandfathering“ als eine Lösung. Das heißt: Für alle Verträge, die vor dem Brexit geschlossen wurden, gelten auch danach die alten Regeln. Hufeld sprach sich nun dagegen aus. „Ich bezweifele, dass Grandfathering die Lösung sein wird“, sagte er. Die Entscheidung liege natürlich bei den Politikern, aber er halte dies für unwahrscheinlich.

Noch ein weiteres Problem plagt die Umzugsplaner: Die Mitarbeiter wollen nicht nach Frankfurt. „Sie sprechen nur Englisch, ihre Kinder gehen hier zur Schule, sie wollen nicht weg“, sagt Russell Longmuir, Partner der Unternehmensberatung zeb. In Frankfurt sei es schwierig, Risikomanager mit der nötigen Erfahrung zu finden. Hufeld kennt die Probleme. Die Aufsicht werde jedoch auf ihren Vorgaben beharren, sagte er. Man habe klare Erwartungen an alle Banken, die ihr EU-Geschäft von Frankfurt aus steuern wollen. „Wir sind Aufseher, keine Marketing-Agentur“.